Hubschrauber stören Brut- und Rastvögel im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer

Offshore-Windparks sind wegen des enormen Lärms bei der Fundamentrammung und der späteren Unterwasser-Dauerschallbelastung nicht nur abträglich für das Ortungssystem von Meeressäugern, sondern auch für Vögel, die auf ihren Zugrouten bei schlechten Wetterbedingungen mit den Riesenpropellern kollidieren können. Dazu kommen auch bisher weitgehend unbeachtete Sekundärauswirkungen durch die ständigen Hubschrauber-Versorgungs- und Wartungsflüge. Von den Flugplätzen in Emden, Norddeich und Norderney gibt es häufige ohrenbetäubende Starts- und Landungen mit unvermeidlichen Überflügen über die direkt angrenzenden Schutzzonen des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer, vermarktet als „Weltnaturerbe“. Diese Schutzzonen sind Brut- oder Rastgebiete von besonders- oder gar streng geschützten Vogelarten, die durch den Rotorenlärm und die Hubschraubersilhouette ebenfalls in der Luft gehalten werden: der bekannte Fluchtreflex. […]

Und wieder sommerlicher Bespaßungs-Krawall am „Weltnaturerbe“ Wattenmeer: Feuerwerke und Musik-Events

Feuerwerk am Hauptstrand von Langeoog, 23. Juli 2017. Das Feuerwerk im Rahmen des „Dörpfestes“ wurde auf der WebSeite „Langeoog News“ so angekündigt: „ca. 22.30 h wenn es dunkel ist, High-Light des Jahres“, das Wort „Feuerwerk“ wurde (verschämt?) vemieden. Foto:(C): privat/Wattenrat Ostfriesland

Wir haben es versucht. Die nachfolgende Pressemitteilung aus aktuellem Anlass ging an einige Zeitungen im Küstenbereich, gedruckt wurde sie aber nicht. Gerne dagegen werden in den Lokalmedien, mit Verlaub, gedruckte Blähungen zu allem und jedem aus dem touristischen, politischen oder behördlichen Bereich 1:1 übernommen. Während man sich an der Küste mit zahlreichen Veranstaltungen den jährlichen Sommerwolf feierte und immer noch feiert, war der Wattenrat mal wieder als Spaßbremse der Tourismusindustrie tätig. Seitdem es das Internet gibt, fällt aber nichts mehr so leicht unter den Tisch. Das Online- Magazin „europaticker“ hat unsere Pressemitteilung am 01. August 2017 veröffentlicht (s.u.), danke.

Nachtrag 09. August 2017: Am 09. August 2017 berichtet der „Ostfriesische Kurier“ aus Norden, dass in diesem Jahr „Kein Feuerwerk auf Juist“ stattfinden wird. Hintergrund ist laut Zeitungsbericht die Forderung der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Aurich nach einer „rechtlichen Prüfung“. Gemeint ist die eigentlich vorgeschriebene Verträglichkeitsprüfung nach dem Bundesnaturschutzgesetz für Natura-2000-Gebiete der Europäischen Union vor solchen Eingriffen. Der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer ist Teil des Netzwerkes Natura-2000. Bisher hat auf keiner Insel und in keinem Küstenbadeort diese Verträglichkeitsprüfung vor Feuerwerken mit seinen bekannten Auswirkungen auf die Brut- oder Rastvögel stattgefunden. Diese rechtlichen Vorgaben werden einfach ignoriert und ausgesessen. Die Bespaßungsindustrie und gewählte „Volksvertreter“ nehmen bisher naturschutzrechtliche Vorgaben kaum zur Kenntnis, vermarkten dafür aber intensiv das Etikett „Weltnaturerbe“ Wattenmeer. Auf Juist, wie auch auf anderen Inseln, gibt es keine Einigkeit über Feuerwerke: Die Partei der Grünen spricht sich gegen Feuerwerke auf der Insel aus, die Ratsgruppe „Pro Juist“ ist dafür, mit der Begründung „Rund um uns zu ballern alle Feuerwerke in die Luft, Norderney sogar viermal“. Eine CDU-Politikerin wird so zitiert: Auf Nachfrage bei einer anderen Insel sei festgestellt worden, dass man dort nach dem Motto „Wer viel fragt, bekommt auch viel verboten“. Für 2018 will man nun auf Juist ein Genehmigungsverfahren auf den Weg bringen. Juist wirbt sonst mit viel leerem Pathos für eine „klimaneutrale“ Insel, was immer das auch sein mag.

europaticker: Wattenrat kritisiert Fremdenverkehrsindustrie: Feuerwerke und lautstarke „Events“ am Wattenmeer-„Weltnaturerbe“

Vögel fliehen in Massen vor Feuerwerken

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Rheiderland: ehemalige Bohrinsel im Dollart soll touristisch vermarktet werden

Wohnmobil auf der ehemaligen Bohrinsel in Dyksterhusen. Deutlich zu sehen ist, wie die rastenden Nonnengänse Abstand halten oder auffliegen. Foto (C): Eilert Voß

Der Dollart ist eine Meeresbucht im niederländisch-deutschen Grenzgebiet südlich von Emden. Die Bucht ist Teil des „Weltnaturerbes“ Wattenmeer und des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer sowie eines EU-Vogelschutzgebietes. Am Ostrand des Dollarts liegt die seit Jahrzehnten stillgelegte Bohrinsel der „Wintershall“ in Dyksterhusen, die immer noch durch eine Asphaltstraße erreichbar ist. Die Nationalparkverwaltung bewirbt sie als Beobachtungsplattform für Vögel, wogegen nichts einzuwenden ist. Kommunalpolitiker der Gemeinden Weener, Bunde und Jemgum im Rheiderland wollen dieses Relikt nun im Rahmen „einer eigenständigen Urlaubsregion mit Alleinstellungsmerkmal“ noch stärker touristisch nutzen, berichtete die Rheiderland Zeitung aus Weener am 16. Februar 2017. Man denke über ein Cafe´ mit Toiletteneinrichtung, eine Badestelle und eine Surfgelegenheit nach und könne sich eine „Einbindung der Umweltverbände gut vorstellen“, so ein Ortsbürgermeister. Spätestens ab diesem Satz ist Vorsicht geboten. weiter »

Veröffentlichung: „Zum Einfluss von Kitesurfern auf Wasser- und Watvögel – eine Übersicht“

Kitespot Sahlenburg/Cuxhaven, Zwischenzone des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer, Foto (C): Eilert Voß/Wattenrat Ostfriesland

Kitespot Sahlenburg/Cuxhaven, Zwischenzone des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer, Foto (C): Eilert Voß/Wattenrat Ostfriesland

Heft 1/2016 des „Informationsdienstes Naturschutz Niedersachsen“, herausgegeben vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), erschien mit dem Titel „Zum Einfluss von Kitesurfern auf Wasser- und Watvögel – eine Übersicht“. Der Autor ist Thorsten Krüger, Mitarbeiter der Staatlichen Vogelschutzwarte im NLWKN. Das Heft enthält eine umfangreiche Literaturliste zu anthropogenen Störungen und deren Auswirkungen auf  Vögel. Dazu kommen Einzeluntersuchungen an bestimmten Küstenstandorten, auch im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer, zu Störungen durch Kitesurfer von verschiedenen Autoren. Überwiegend kommen die Untersuchungen, wenn auch z.T. vorsichtig formuliert, zum Ergebnis, dass das Kitesurfen für bestimmte Arten zu erheblichen Störungen führt. weiter »

Armutszeugnis: Untere Naturschutzbehörde Landkreis Aurich: keine Handhabe gegen lautstarke Veranstaltungen am Nationalpark Wattenmeer

Laerm-macht-doof_1Lautstarke „Events“ direkt an den Grenzen des Großschutzgebietes „Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer“ zur Touristenbespaßung, das als „Weltnaturerbe“ von der Tourismusindustrie vermarktet wird, nehmen zu. Dazu gehören Höhenfeuerwerke zur Brutzeit, dröhnende Musikveranstaltungen an den Stränden oder die Silvesterpartys. Der Lärm und die Lichteffekte reichen weit in das Schutzgebiet hinein und verursachen erhebliche Störungen der Brut- oder Rastvögel. Der Wattenrat Ostfriesland macht seit Jahren auf diese Missstände aufmerksam. Die 15 „anerkannten“ Naturschutzverbände in Niedersachsen rühren sich nicht, die Nationalparkverwaltung versteckt sich hinter dem „Argument“, man könne nicht eingreifen, weil diese Veranstaltungen außerhalb der Nationalparkgrenzen stattfänden, obwohl der Lärm oder die Lichteffekte an den Grenzen nicht haltmachen. Die professionellen Touristenbespaßer frohlocken und machen weiter wie bisher, nun sogar unterstützt von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Aurich. Professionalität sieht anders aus… weiter »

Feuerwerke im Nationalpark: „wissentliche oder unwissentliche Täuschung der Öffentlichkeit“

Feuerwerk an einen Naturschutzgebiet, Symbolfoto (C) Eilert Voß

Von Manfred Knake

Den Vorwurf der „mangelnden Fachkompetenz“ im Zusammenhang mit den genehmigten Feuerwerken am Strand von Langeoog oder Bensersiel haben die Mitarbeiter des Landkreises Wittmund nicht auf sich sitzen lassen und, verständlicherweise, öffentlich zurückgewiesen.

Im nachfolgenden Beitrag der Lokalzeitung „Anzeiger für Harlingerland“ wirft mir der Landkreis Wittmund als Untere […]

Langeoog: Aktuelles von der Naturschutzfront – Brutvogelvertreibungen und Eiersammler

Schutzdünen auf Langeoog, April 2015, Foto (C): Manfred Knake

Schutzdünen auf Langeoog, April 2015, Foto (C): Manfred Knake

Langeoog ist bekanntlich eine Ferieninsel im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer und „UNESCO-Weltnaturerbe“, heftig gegen die touristische Konkurrenz beworben. Die Übernachtungszahlen liegen jährlich bei ca. 1,5 Millionen. Von April bis in den frühen Winter flutet täglich zusätzlich ein Heer von Tagestouristen die Insel, begleitet von Hunden und Lenkdrachen. Das ist Massentourismus. Umso bemerkenswerter und erfreulicher ist es, dass auch die weniger werbewirksamen Details zum tatsächlichen Zustand des Naturschutzes auf der Insel in der Online-Zeitung „Langeoog News“ bekannt wurden. weiter »

Gänseklatscher an der Ems

Gänseklatscher an der Ems vertreiben Nonnengänse

Im wahrsten Sinne des Wortes „eine Klatsche“ haben diese Spaziergänger an der Ems bei Jarssum/Emden: Hier rasten zeitweilig tausende Gänse auf engem Raum im Emswatt. Diese Nonnengänse wurden von zwei Spaziergängern durch Händeklatschen vertrieben. weiter »

Seehunde und Tourismus: Wie das Jungtier zum Heuler wird

Ungestörte Seehundbank, Foto (C): Voß

Peter Lienau leitet die Seehundaufzuchtstation in Norden-Norddeich, betrieben von der niedersächsischen Landesjägerschaft. Die Station ist ein Touristenmagnet, der Seehund ist der Sympathieträger für das Wattenmeer. Aber der wildlebende Seehund leidet auch gerade unter denen, die ihn so nett rundköpfig und kulleräugig finden, und das sind die Touristen, die zu abertausenden das Weltnaturerbe und den Nationalpark Wattenmeer bevölkern und sich dabei häufig nicht an die Regeln halten.

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NSG „Petkumer Deichvorland“: Betretungsverbot wird ständig ignoriert

Fußgänger im Naturschutzgebiet: Die "mündigen" Bürger? Verbote werden ignoriert

Das Naturschutzgebiet „Petkumer Deichvorland“ war schon häufig Gegenstand der Betrachtung auf den Seiten des Wattenrates. In diesem schmalen Vorlandbereich der Ems, Teil eines europäischen Vogelschutzgebiets, rasten zahlreiche Wasser- und Watvögel bei Hochwasser oder suchen hier Nahrung, wenn sie in Ruhe gelassen werden. Viele Arten reagieren sehr empfindlich auf die Annäherung und haben Fluchtdistanzen bis zu 500 Metern. Aus diesem Grunde darf der östliche Teil des Naturschutzgebiets bis zum Ems-Stauwerk auch nicht begangen werden.

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