Rheiderland: ehemalige Bohrinsel im Dollart soll touristisch vermarktet werden

Wohnmobil auf der ehemaligen Bohrinsel in Dyksterhusen. Deutlich zu sehen ist, wie die rastenden Nonnengänse Abstand halten oder auffliegen. Foto (C): Eilert Voß

Der Dollart ist eine Meeresbucht im niederländisch-deutschen Grenzgebiet südlich von Emden. Die Bucht ist Teil des „Weltnaturerbes“ Wattenmeer und des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer sowie eines EU-Vogelschutzgebietes. Am Ostrand des Dollarts liegt die seit Jahrzehnten stillgelegte Bohrinsel der „Wintershall“ in Dyksterhusen, die immer noch durch eine Asphaltstraße erreichbar ist. Die Nationalparkverwaltung bewirbt sie als Beobachtungsplattform für Vögel, wogegen nichts einzuwenden ist. Kommunalpolitiker der Gemeinden Weener, Bunde und Jemgum im Rheiderland wollen dieses Relikt nun im Rahmen „einer eigenständigen Urlaubsregion mit Alleinstellungsmerkmal“ noch stärker touristisch nutzen, berichtete die Rheiderland Zeitung aus Weener am 16. Februar 2017. Man denke über ein Cafe´ mit Toiletteneinrichtung, eine Badestelle und eine Surfgelegenheit nach und könne sich eine „Einbindung der Umweltverbände gut vorstellen“, so ein Ortsbürgermeister. Spätestens ab diesem Satz ist Vorsicht geboten. weiter »

„Das Beste am Norden“ am Nationalpark: NDR2 will es krachen lassen

Screenshot (Bildzitat), 23. Dez. 2015

Screenshot (Bildzitat), 23. Dez. 2015

Man glaubt es kaum, dreister geht es fast nicht: Die jahrelange Diskussion über den Unsinn von Böllern und Raketen im und am Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer („Weltnaturerbe“) ist an den Tourismusmachern und dem Norddeutschen Rundfunk (Radiosender NDR 2) spurlos vorübergegangen! Die Touristiker des Nordseeheilbades Norden- Norddeich planen in Zusammenarbeit mir dem NDR „eine einzigartige Silvesterparty mit Potenzial zum Standardevent“. „Ein Zelt gibt es zwar nicht, dafür aber Außenstände, professionelle musikalische Unterhaltung und ein Feuerwerk. […] Feuerwerkskörper selbst mitzubringen ist vor dem Hintergrund, dass dort viele Familien mit Kindern den Jahrseswechsel verbringen werden, nicht verboten“, so die Ankündigung und der Kurdirektor Armin Korok in der Lokalzeitung. Der Ort des „Events“ vor dem Deich im Strandbereich von Norddeich grenzt unmittelbar an den Nationalpark. Feuerwerke über dem Nationalpark sind nach dem Nationalparkgesetz aus Artenschutzgründen verboten. Dabei ist es völlig unerheblich, ob die die Feuerwerke im oder außerhalb des Nationalparks gezündet werden. Die Vögel des Wattenmeeres reagieren panisch auf die Lichteffekte und Explosionen, die kilometerweit in das Großschutzgebiet hineinwirken. Der Nationalpark ist auch EU-Vogelschutzgebiet; das Bundesnaturschutzgesetz schreibt eine Verträglichkeitsprüfung VOR solchen Aktionen (Projekten) vor, die aber mit Sicherheit nicht vorliegt. Nach diesem Gesetz sind mutwillige Störungen von Tieren verboten und damit eine Ordnungswidrigkeit, gewerbsmäßige Störungen und Vertreibungen können als Straftat geahndet werden. weiter »

Zugvogeltage: „Nachdem sie das Ziel aus den Augen verloren hatten, verdoppelten sie ihre Anstrengungen.“

Aneschossene Pfeifente, NAtionalpark Niedersächsisches Wattenmeer und "Weltnaturerbe", Foto (C): Eilert Voß

Angeschossene Pfeifente, Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer und „Weltnaturerbe“, Foto (C): Eilert Voß

Seit Wochen trommelt die Verwaltung des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer in den Medien für die 7. „Zugvogeltage“, die in diesem Jahr vom 10. bis zum 18. Oktober stattfinden. Eine kritische Auseinandersetzung mit der Gefährdung der Zugvögel findet aber nicht statt, auch nicht in begleitenden Kommentaren in der Presse. Von den Tourismusverbänden und Fremdenverkehrskommunen wird diese Veranstaltung ebenfalls beworben, vorgeblich gäbe es sogar „eine neue Allianz im Weltnaturerbe“ zwischen „Zugvogelschutz und Tourismus“, so der angekündigte Titel eines Vortrages am 15. Oktober auf Norderney. Und spätestens hier sollte man als Naturschützer misstrauisch werden. Es geht also weniger um die Zugvögel, als um die Besetzung eines neuen touristischen Marktsegmentes mit dem Label „Öko“ für eine kleine Zielgruppe der Naturinteressierten und der optisch hochgerüsteten Vogelgucker, neudeutsch „Birder“ genannt. weiter »

Der schmale Grat…

"Intensivstrand" Norderney, Foto (C): Eilert Voß

„Intensivstrand“ Norderney, Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer, Foto (C): Eilert Voß

…„zwischen hehrer Weltnaturerbe-Werbung und obszöner Ballermann-Reklame“ wird im Editorial der deutschlandweit verbreiteten Nationalpark Zeitung 03/2015 beleuchtet. weiter »

„Meilenstein“: zehn neue Ranger im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer

Bensersiel: Parkplatz für die Besucher der Insel Langeoog, einer von vier Parkplätzen, August 2015

Bensersiel: Parkplatz für die Besucher der Insel Langeoog, einer von vier Insel-Parkplätzen im Ort, August 2015, Foto (C): Manfred Knake

Langsam, ganz langsam, nach fast dreißig Jahren des Bestehens des Großschutzgebietes, bewegt sich die Betreuung im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer in die richtige Richtung und wird nun gar als „Meilenstein“ gefeiert (Pressemitteilung der Nationalparkverwaltung ganz unten): Bis zum Ende des Jahres sollen 10 hauptamtliche Nationalparkranger eine Fläche von 3.500 Quadratkilometern von Cuxhaven bis Emden betreuen. Ursprünglich waren 11 Rangerstellen vom niedersächsischen Umweltminister angekündigt worden. Bisher übten diese Arbeit sechs hauptamtliche Dünenwärter des Niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) mit der Hälfte ihrer Arbeitszeit auf den Inseln aus. Allerdings haben die einzelnen neuen Ranger sehr große Gebiete zu überwachen. Allein die Entfernung von Bensersiel bis Emden beträgt am Nationalpark fast 70 Kilometer, hier liegen Hochburgen des Massentourismus, das ist für zwei Ranger eine beträchtliche Strecke. Zudem verfügen die Ranger über keine Boote, können also bei Verstößen im Watt (z.B. Kitesurfer, Sportbootfahrer, Störungen an den Seehundsbänken) kaum tätig werden. weiter »

Leibniz Universität Hannover: Studie zum Einfluss von Windkraftanlagen auf den Tourismus in Deutschland

Vorfahrt für Winenergie in Urlaubsregionen? Blick vom Küstenbadeort Bensersiel/LK Wittmund/NDS auf den Windpark Utgast, Foto (C): Manfred Knake

Vorfahrt für Windenergie in Urlaubsregionen? Blick vom Küstenbadeort Bensersiel/LK Wittmund/NDS auf den Windpark Utgast und angrenzende Windparks. Die Flächen um den Windpark herum sind Bestandteil eines EU-Vogelschutzgebietes! Foto (C): Manfred Knake

Anfang der neunziger Jahre warnte die Industrie- und Handelskammer für Ostfriesland und Papenburg vor dem Zubau der ostfriesischen Landschaft mit Windkraftanlagen. Damals fürchtete man um die Attraktivität des Fremdenverkehrs. Das änderte sich schnell, als die Windenergie boomte; die IHK unterstützt seitdem vehement den Ausbau und schreckte auch nicht vor haltlosen Propagandameldungen zurück: IHK und Windkraftzahlen – Schön gerechnet

Das ehemals weite Ostfriesland ist vielerorts einer hässlichen rotierenden Industrielandschaft gewichen, vollgestellt mit fast 1300 Windkraftanlagen. Das spricht sich langsam auch bei den Touristen herum. Die Attraktivität dieses Landstriches hat erheblich gelitten, nicht nur für die Touristen, auch für die Einwohner, die hier 365 Tage im Jahr wohnen. Nun hat die Wirklichkeit die früheren Aussagen der IHK eingeholt, Wissenschaftler der Universität Hannover haben die Auswirkungen von Windkraftanlagen auf den Tourismus untersucht.

Presseinformation Nr. 106/2015 der Leibniz Universität Hannover: (Anmerkung: Die Fotos sind nicht Bestandteil der Pressemitteilung.)

Studie zum Einfluss von Windkraftanlagen auf den Tourismus in Deutschland

Welche Auswirkungen haben Windkraftanlagen auf touristische Regionen?

Wissenschaftler des Instituts für Wirtschafts- und Kulturgeographie an der Leibniz Universität haben in ihrer Studie „Gone with the wind? The impact of wind turbines on tourism demand“ einen möglichen Konflikt zwischen dem Bau von Windenergieanlagen und der Attraktivität touristischer Regionen untersucht. Regionen, die mit Windkraftanlagen gespickt sind, gelten allgemeinhin als nicht besonders attraktiv für Touristinnen und Touristen. Von einer „Verspargelung“ der Landschaft ist die Rede. Bisherige Studien deuten auf einen negativen Zusammenhang zwischen Energiegewinnung aus Wind und touristischer Nachfrage hin. Allerdings basieren alle Studien auf Stichprobenerhebungen, die lediglich für bestimmte Regionen und Zielgruppen repräsentativ und aussagekräftig sind. weiter »

Tourismus: „Vögelurlaub macht man auf Borkum“

Bildzitat: Wirtschaftsbetriebe der Stadt Borkum

Bildzitat: Wirtschaftsbetriebe der Stadt Borkum

Vögelurlaub macht man auf Borkum“: Nun hat die „spätrömische Dekadenz“ auch die Touristiker in Ostfriesland, genauer gesagt die auf der Ferienininsel Borkum erreicht. Als Kontrapunkt zu den von der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer in Wilhelmshaven beworbenen Zugvogeltage wirbt Borkum mit dem bewusst missverständlich gewählten Slogan „Vögelurlaub macht man auf Borkum“ und will damit auch auf die jährlichen Zugvogeltage aufmerksam machen. Damit befindet sich Borkum nun im freien Fall auf das Niveau von Mallorca: Ballermann lässt grüßen! Der „Vögelurlaub“ soll ein beliebter Renner in den „Sozialen Medien sein; da fällt einem doch nur der Spruch ein, dass tausende Fliegen nicht irren können, wenn sie die Misthaufen besetzen. Und diese Werbekampagne „unter der Gürtellinie“ ist ein weiteres Indiz dafür, wie das Großschutzgebiet Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer, gleichzeitig „Weltnaturerbe“, in den Köpfen der Menschen ankommen soll oder schon angekommen ist… weiter »

Windenergie: Ostfriesland, die „charakteristische weite Landschaft“ und andere Lügen

Alles dreht sich und bewegt: Blick aus dem "Weltnaturerbe" und Nationalpark Wattenmeer auf auf die ostfriesische Küste, April, 2015 Foto (C): Manfred Knake

Alles dreht sich und bewegt sich : Blick aus dem „Weltnaturerbe“ und Nationalpark Wattenmeer auf die ostfriesische Küste, April 2015 Foto (C): Manfred Knake

Die Werbung ist bekanntlich die Schwester der Lüge: Seit Jahren wirbt – und lügt – die ostfriesische Tourismuswirtschaft potenziellen Urlaubern die „charakteristische weite Landschaft“ vor. Die „Perle“ Holtriem im Landkreis Wittmund mit einer sehr hohen Windkraftdichte sieht das so: „Ostfriesland tut gut – und das ganz besonders im Holtriemer Land. Kein Wunder wenn man den weiten Himmel über sich sieht und das grüne Land ringsum.“ Die Promoter dieses vorgeblich „weißen“ Industriezweiges haben wohl Wahrnehmungsstörungen. Die Weite war einmal, bis vor ungefähr 20 Jahren, als der Windkraftboom begann. Insgesamt stehen auf der ostfriesischen Halbinsel in den Landkreisen Aurich,  Wittmund, Leer, Friesland und Stadt Emden ca. 1265 Windkraftanlagen, und es sind weitere 180 Anlagen beantragt oder befinden sich im Genehmigungsverfahren. Der Hersteller ist überwiegend Enercon aus Aurich, der hier sein Schaufenster betreibt. Die neue Anlagengeneration ist an die 200 Meter hoch. Die Anlagen, allein aus Renditegründen gebaut, haben die ehemals charakteristische weite ostfriesische Landschaft in ein riesiges lärmendes Industriegebiet verwandelt, in eine vertikale „Windpark“-Landschaft. Motor ist die Renditeerwartung – oder die nackte Gier – der Betreiber, die sich am Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) mästen, das allen Stromkunden zwangsweise zu satten Aufschlägen auf die Stromrechnung verdonnert. Ein 4- Personenhaushalt zahlt dabei jährlich schon mehr als 300 Euro auf die Stromrechnung drauf, für keinen messbaren Nutzen. Zusätzlich steigen die Verbraucherpreise, weil die energieintensive Industrie ihre erhöhten Strompreise an die Verbraucher weitergibt. Bundesweit kommen so jährlich mehr als 20 Milliarden Euro Subventionen für die Branche der „Erneuerbaren“ zusammen. weiter »

Zur Nachahmung empfohlen: Feuerwerksverbot auf Spiekeroog

Feuerwerk über dem Nationalpark Wattenmeer und "Weltnaturerbe", hier Insel Juist, 2010

Es bewegt sich was im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer und „Weltnaturerbe“. Nach 29 Jahren des Bestehens des Nationalparks und nach 5 Jahren „Weltnaturerbe“ soll auf der Insel Spiekeroog mit einer Lärmschutzverordnung das Böllern zu Silvester verboten werden. Das Nationalparkgesetz und das Bundesnaturschutzgesetz untersagen zwar ebenfalls die Störungen und Beunruhigungen von wildlebenden Tieren, und die Nationalparkverwaltung weist in jedem Jahr mit mit hilf- und wirkungslosen Appellen auf das Feuerwerksverbot hin, aber nun ist das auch endlich in der Kommunalpolitik angekommen. Auf anderen Inseln und den Küstenbadeorten am Festland werden sogar im Sommer zur Touristenbespaßungen Höhenfeuerwerke am Nationalpark gezündet, die weit in das Großschutzgebiet hineinwirken, auch diese Feuerwerke müssten abgestellt werden. Der nachstehende Bericht der Lokalzeitung enthält eine unrichtige Meldung: Es mag ja sein, dass den „Natur- und Umweltschutzverbänden“ die Feuerwerke „ein Dorn im Auge“ sind, die großen Verbände wie BUND oder NABU oder alle weiteren 13 „anerkannten“ Verbände in Niedersachsen haben sich aber bisher nicht öffentlich zu den Feuerwerken im Nationalpark geäußert. Es ist der Wattenrat Ostfriesland, der seit Jahren – auch mit im Sande verlaufenden Strafanzeigen- auf diesen Missstand hingewiesen hat. Wattenrat wirkt! weiter »

„5. Weltnaturerbeforum“: Tourismus statt Naturschutz im Nationalpark Wattenmeer

Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer: Naturschutz am Boden

Seit einigen Jahren gibt es ein „Weltnaturerbeforum“. Das klingt nach Natur und Verantwortung, hat aber mehr mit touristischer Schaumschlägerei als mit inhaltlichem Naturschutz zu tun. Zum 5. Treffen kamen „60 Akteure“ am 21. November 2014 in Neuharlingersiel zusammen. Da ging es um „Natur als Hauptreisegrund“, „Reisen und schützen“ oder um „Weltnaturerbe als Identitätsfaktor“, also ums Geschäft mit der Natur. Finanziert wurde diese Veranstaltung, dessen Programm besser zu einer Tourismusagentur passen würde, vom INTERREG IVB Projekt PROWAD. Projektpartner sind u.a. das trilaterale  staatliche Common Waddensea Secretariat (DK, D, NL) in Wilhelmshaven, das Niederländische Wirtschaftsministerium, das dänische Umweltministerium, die Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer, das Nationalparkamt Schleswig-Holstein und der World Wide Fund for Nature (WWF), es zahlt die Europäische Kommission. weiter »