 Jagdfalke; Foto (C): Birgit Droste
“Der Falke” ist eine renommierte Zeitschrift für Vogelbeobachter, mit langer Geschichte. Schon in der ehemaligen DDR war er das vielgelesene Organ für Ornithologie. Im Dezemberheft 2011 war die Auswirkung von Windenergieanlagen auf Vögel das zentrale Thema. Wer nun meint, dass der „Falke“ dieses Thema tatsächlich angemessen aufgearbeitet hat, wurde enttäuscht. Die „Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen“ (EGE) hat die bessere Weitsicht und den besseren Durchblick bei diesem Thema bewiesen. Deren Rezension veröffentlichen wir nachfolgend, wir danken den Eulenfreunden für die Überlassung des Beitrages. Und wer wissen will, wie die erwähnte norddeutsche Landschaft schon vor vielen Jahren mit politischer Hilfe und Umgehung naturschutzrechlicher Vorgaben unter die Windräder geraten ist, kann das im Beitrag der Norddeutschen Naturschutzakademie – NNA Berichte 3/96- nachlesen.
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Hier beim Wattenrat berichteten wir am 10. Juli 2011 über Bestandsrückgänge von Vogelarten im Wattenmeer durch vorgebliche Klimaeinflüsse (Vögel des Wattenmeeres: Bestandsrückgang durch “Klima”?). Dazu hatte das Internationale Wattenmeersekretariat (Common Waddensea Secretariat, CWSS) in Wilhelmshaven am 06. Juli 2011 eine Pressemitteilung zur Abnahme und Zunahme bestimmter Vogelarten im Wattenmeer veröffentlicht. Auch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) bedient politisch korrekt die Öffentlichkeit. Diese Bundesbehörde griff ebenfalls das Thema „Klima“ auf und sorgte sich um Bestandrückgänge bei Vögeln. In der Schriftenreihe „Naturschutz und biologische Vielfalt“ des Bundesamts für Naturschutz (BfN) erschien als Band 98 eine Literaturstudie von Rabitsch et al. zum Thema „Auswirkungen des rezenten Klimawandels auf die Fauna in Deutschland“. Am 18. März 2011 stellte das BfN diese Studie in einer Zusammenfassung vor.
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 Trotz Werbeetikett "Weltnaturerbe": Austernfischer werden weniger im Wattenmeer (Bensersiel, Strandportal)
Das Internationale Wattenmeersekretariat (Common Waddensea Secretariat, CWSS) in Wilhelmshaven veröffentlichte am 06. Juli 201 eine Pressemitteilung zur Abnahme und Zunahme bestimmter Vogelarten im Wattenmeer: „Von den 34 gezählten Vogelarten nehmen 14 Arten, darunter z.B. Austernfischer, Säbelschnäbler, Seeregenpfeifer, Silbermöwe und andere Möwenarten in ihren Beständen deutlich ab, während 20 Arten wie z.B. Löffler, Pfuhlschnepfe, Sanderling und Kiebitzregenpfeifer eine Zunahme aufweisen. Besonders Arten, die in Nord-, Zentral- oder Westeuropa brüten und überwintern, scheinen von Bedingungen in Nord-Westeuropa oder dem Wattenmeer selbst beeinträchtigt zu sein und liegen negativ im Trend.“
Für Vogelarten, die im Watt nach Nahrung suchen, gäbe es für Schleswig-Holstein und Niedersachsen einen negativen Trend. Das CWSS kommt zu dem Schluss:
„Hier konnte ein Zusammenhang zwischen Trend und Sedimentzusammensetzung, welche sich in den letzten 20 Jahren aufgrund klimatischer Veränderungen verändert hat, festgestellt werden.“ […] Auch wenn die Ergebnisse darauf hinweisen, dass einige Gründe für die negativen Trends sicherlich im Wattenmeer oder in der Klimaänderung zu finden sind, so muss gleichzeitig verstärkt nach Ursachen entlang der Vogelzuglinien gesucht und entsprechend gehandelt werden.“
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 Wiesenweihe im Suchflug
Wiesen- und Kornweihen sind äußerst bestandsbedrohte Greifvogelarten in Deutschland. Sie sind Bodenbrüter, die im Gras oder Getreide versteckten Nester oder Jungvögel werden leicht von Fahrern landwirtschaftlicher Maschinen übersehen und so häufig vernichtet. Seit einigen Jahren kommt als neue Gefährdung der Zubau der Landschaft mit Windkraftanlagen hinzu, in deren Rotoren die Altvögel geraten können oder durch das „Barotrauma“, den unterschiedlichen Luftdruck vor und hinter dem Rotor durch einen Lungenriss zu Tode kommen können. Verunglückt ein Altvogel, ist die Brut verloren, weil nicht genug Futter herangeschafft wird. Im Landkreis Aurich, wo sich mehr als fünfhundert Windkraftanlagen drehen, gibt es mehrere dokumentierte Fälle von Weihen als Anflugopfer. Schon im letzten Jahr kam an der gleichen Stelle eine Wiesenweihe ums Leben.
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 Sumpfohreule im Stacheldraht
Vor einem Jahr berichteten wir von einer löblichen Maßnahme auf der Insel Borkum im Nationalpark Wattenmeer, wo für Vögel tödliche Stacheldrahtzäune gegen glatte Elektrozäune ausgetauscht wurden. Diese Maßnahme wird sukzessive seit mehreren Jahren von der Nationalparkverwaltung auch auf anderen Inseln durchgeführt. Aktuell wurden jetzt auf der Insel Spiekeroog 10 Kilometer Stacheldrahtzäune ausgetauscht. Gerade für tieffliegende Greifvögel wie Weihen oder Sumpfohreulen bedeuten Stacheldrahtzäune eine tödliche Gefahr. Die Maßnahme kommt auch privaten Pferdehaltern auf der Insel zugute, da man Pferde wegen der Verletzungsgefahr eigentlich nicht hinter Stacheldraht hält. Nur beteiligen sich die Pferdehalter finanziell nicht an der Austauschmaßnahme, die auch zur Unversehrtheit ihrer vierbeinigen Sportgeräte beiträgt. Eigentum sollte auch in diesem Falle verpflichten. Die Kosten des Zaunaustausches trägt ausschließlich der Steuerzahler: Aus dem ohnehin sehr mageren Naturschutzhaushaltes des Landes wird die Maßnahme mit 90.000 Euro bezahlt. Bei geschätzten mehreren hundert Kilometern Stacheldrahtzäunen auf den Inseln und am Festland, bei dem geringen Tempo des Austausches sowie der mageren Naturschutzkassenlage des Landes werden die beauftragten Firmen noch einige Jahrzehnte zu tun haben, um auch noch den letzten Stacheldrahtzaun zu entfernen. Hoffentlich gibt es bis dahin noch Weihen und Sumpfohreulen an der Küste.
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 Nonnengänse am Wind"park" Wybelsumer Polder/Emden: erhebliches Kollisionsrisiko bei Nebel, Dunkelheit und Starkwind
Ein Kommentar von Manfred Knake
Vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) nichts Neues: Schon wieder umgefallen gegen Bares! Der Wattenrat kennt seine Pappenheimer, wir hatten das Gekungel gegen Geld bereits in unserem Beitrag vom 18. September 2010 vorausgesagt. Der BUND, der mit Hilfe des WWF gegen den Nearshore-Wind“park“-Standort „Nordergründe“ im Wattenmeer zwischen Cuxhaven und Wangerooge beim Verwaltungsgericht Oldenburg Klage eingereicht hatte, zog die Klage nach jahrelanger politischer Massage nun zurück. Im Watt, exakt 560 m entfernt vom Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer können nun 18 ca. 183 m hohe Windkraftanlagen der Herstellerfirma “Repower” mitten in einem Seevogellebensraum gebaut werden. Die betroffenen Vogelarten unterscheiden nicht zwischen politisch ausgehandelten Nationalpark- oder Weltnaturerbegrenzen und dem großräumigen Lebensraum Wattenmeer. Das Kollisionrisiko für Vögel ist gerade bei Nebel und Dunkelheit erheblich. Und schlimmer noch: Falls ein Tanker mit Ruderschaden in das Windturbinenfeld geraten sollte, könnte das für die Küste eine Ölpest bedeuten. Das alles ist dem BUND (und dem WWF) bekannt. Der BUND als “Freunde der Erde” setzt sich nun über seine früheren Bedenken hinweg macht den Weg frei, zu einem renditemotivierten erheblichen Eingriff in das Wattenmeer. weiter »
 Nonnengänse an der Ems
Die Europäische Union hat ein Leitlinien-Dokument zur Windenergieentwicklung in Natura-2000-Gebieten (also Flora-Fauna-Habiat- und Vogelschutzgebiete) herausgegeben. Hier in Ostfriesland sieht es trotz dieser Richtlinien, die Natur europaweit schützen soll, in einigen Vogelschutzgebieten verheerend aus, riesige Wind“parks“, von Planungsbüros betreiberkonform schönbegutachtet, stehen mitten in den Schutzgebieten.
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 Nonnengänse vor einer Windkraftanlage im EU-Vogelschutzgebiet "Wybelsumer Polder" bei Emden
Gestern bekam die Windenergielobby eine neues Geschenk vom Bundesumweltministerium: Bundesweit wurde ein dpa-Bericht veröffentlicht, der sich auf eine 1 Million Euro teure Studie des BMU bezieht, nachdem „Windräder keine Vogelschredder“ sein sollen.
Die BMU-Statistik sagt aus, es gäbe „in den vergangenen Jahren“ 146 Rotmilane, 163 Mäusebussarde, 25 Wintergoldhähnchen, 87 Tauben und 30 Stockenten, die tot unter deutschen Windrädern gefunden wurden. Ein flächendeckendes Phänomen sei das nicht, der „Mythos vom Massensterben“ sei damit widerlegt. In Deutschland stürben die meisten Vögel eher, weil sie gegen Gebäude oder Autos flögen oder von Katzen gefressen würden.
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 Äsende Blässgänse mehr als 500 m vor den Windkraftanlagen im Wybelsumer Polder, außerhalb der Kompensationsflächen (bitte die optische Verkürzung durch das Teleobjektiv beachten!)
Der schon wieder! Es ist schon unglaublich dreist, wie der Mitinhaber des Planungsbüros Schmal und Ratzbor (Lehrte), Günter Ratzbor, durch Europa tingelt und die Vereinbarkeit von Windenergieanlagen und Vogelschutz schönredet. Ratzbor ist auch Projektleiter Windenergie beim Deutschen Naturschutzring (DNR). Am Beispiel eines “ostfriesischen Polders” (gemeint ist der Wybelsumer Polder, Teil eines EU-Vogelschutzgebietes bei Emden) versuchte er auf der Husumer Windmesse den Nachweis mit den Worten zu führen “neuere Untersuchungen in einem ostfriesischen Polder [kommen] zu dem Ergebnis , [dass] insgesamt weder eine Beeinträchtigung als Äsungsfläche festgestellt werden konnte, noch kam es zur Unterbrechung bei den Pendelflügen der Vögel über den Anlagen im Polder´”. Und das ist falsch!
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Löffler über Borkum: Glück gehabt, diesmal
Windkraftanlagen wurden im wahrsten Sinne des Wortes ohne Rücksicht auf Verluste auch mitten in EU-Vogelschutzgebieten gebaut, an der ostfriesischen Küste drehen sich inzwischen hunderte der Vogelschredder. Nicht nur die Gefahr des Anfluges, auch der Scheucheffekt für bestimmte, nicht alle Arten, ist enorm. Watvögel wie Große Brachvögel oder Goldregenpfeifer, die jährlich [...]
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