10 Jahre „Weltnaturerbe“ Wattenmeer – Kinderkram?

Hinweisschild an der A31 im Rheiderland/Ostfriesland, Foto (C): Eilert Voß

Das UNESCO-“Weltnaturerbe“ Wattenmeer wird zehn Jahre alt. Die UNESCO verleiht den Titel Welterbe Weltnaturerbe für Regionen, die aufgrund ihrer Einzigartigkeit weltweite Bedeutung haben. Der Vorschlag für diesen Titel wird bei der UNESCO von dem Staat eingereicht, in dem sich die besondere Region befindet. Gedanklicher Vater für die Wattenmeer- Titelverleihung in Deutschland war u.a. der ehemalige Bundestagsabgeordnete und niedersächsische Wirtschaftsminister Walter Hirche (FDP), der auch bis 2014 langjähriger Präsident der deutschen UNESCO-Kommission war. In Deutschland wurden die Wattenmeer-Nationalparke in Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen mit dem neuen Etikett 2007 geadelt. Verfolgt man die Vorgeschichte bis zur Ausweisung des Wattenmeeres als „Weltnaturerbe“ und die Entwicklung danach wird eines deutlich: Das Etikett „Weltnaturerbe“ auf dem Wattenmeer dient ausschließlich der Tourismusindustrie und wurde dankbar auf alle möglichen Fremdenverkehrsorte oder Veranstaltungen geklebt. „Weltnaturerbe Wattenmeer“ führt bei Suchmaschinen häufig zu Tourismusanbietern. Auch die Nationalparkverwaltungen sind auf den Tourismuszug aufgesprungen. Besucht man deren Webseiten, fallen die vielen touristischen Angebote auf, Naturschutzmaßnahmen sind eher spärlich anzutreffen. Dabei ist der immer noch steigende Tourismusstrom an der Küste eine der Hauptbelastungsfaktoren für die freilebende Tierwelt, die ein Nationalpark eigentlich schützen sollte. weiter »

Neue Wattenmeer-BI in Cuxhaven: Das Sandwatt verschlickt – gegensätzliche Darstellungen zur Ursache

Nicht nur vor Cuxhaven: Auch das Juister Watt verschlickt, vermutlich durch Wasserbaumaßnahmen und Baggergutverklappungen im „Weltnaturerbe“ Wattenmeer (Foto: privat).

Es gibt Neuigkeiten aus Cuxhaven: Am 23. Februar 2017 wurde die neue Bürgerinitiative „Rettet das Cux-Watt“ gegründet. Gerne verlinken wir zu deren WebSeite https://www.rettet-das-cux-watt.de/ . Der nachstehende Beitrag wurde mit freundlicher Genehmigung der Cuxhavener BI übernommen:

Das Watt braucht unsere Hilfe – jetzt!

Im Winter 2007/2008 war es zum ersten Mal sichtbar. Irgend etwas stimmt mit unserem Watt nicht. Auf unserem schönen festen Sandwatt tauchten vereinzelte Schlickfelder auf.

Eine von der Stadt Cuxhaven beauftragte Studie beim Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten-und Naturschutz (NLWKN, Forschungsstelle Küste) kam seinerzeit zu dem Ergebnis, dass die Verschlickung wahrscheinlich im Zusammenhang mit der Elbvertiefung steht. Diese habe vor der niedersächsischen Küste dazu geführt, die Strömungsgeschwindigkeiten und Mengen in den Prielen zu reduzieren, weshalb sich nun feine Schwebstoffe zu Schlick absetzen können. 2008-07-16 taz.de_Hamburg schickt Cuxhaven in den Schlick. weiter »

Rheiderland: ehemalige Bohrinsel im Dollart soll touristisch vermarktet werden

Wohnmobil auf der ehemaligen Bohrinsel in Dyksterhusen. Deutlich zu sehen ist, wie die rastenden Nonnengänse Abstand halten oder auffliegen. Foto (C): Eilert Voß

Der Dollart ist eine Meeresbucht im niederländisch-deutschen Grenzgebiet südlich von Emden. Die Bucht ist Teil des „Weltnaturerbes“ Wattenmeer und des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer sowie eines EU-Vogelschutzgebietes. Am Ostrand des Dollarts liegt die seit Jahrzehnten stillgelegte Bohrinsel der „Wintershall“ in Dyksterhusen, die immer noch durch eine Asphaltstraße erreichbar ist. Die Nationalparkverwaltung bewirbt sie als Beobachtungsplattform für Vögel, wogegen nichts einzuwenden ist. Kommunalpolitiker der Gemeinden Weener, Bunde und Jemgum im Rheiderland wollen dieses Relikt nun im Rahmen „einer eigenständigen Urlaubsregion mit Alleinstellungsmerkmal“ noch stärker touristisch nutzen, berichtete die Rheiderland Zeitung aus Weener am 16. Februar 2017. Man denke über ein Cafe´ mit Toiletteneinrichtung, eine Badestelle und eine Surfgelegenheit nach und könne sich eine „Einbindung der Umweltverbände gut vorstellen“, so ein Ortsbürgermeister. Spätestens ab diesem Satz ist Vorsicht geboten. weiter »

Zugvogeltage: kulinarische und andere Trittbrettfahrer

Löffler und Silberreiher im Dolart, Ruhezone des Nationalaprks, aber keine Ruhe durch Spaziergänger und Vogelgucker, Foto (C): Eilert Voß

Löffler und Silberreiher im Dollart, Ruhezone des Nationalparks, aber keine Ruhe durch Spaziergänger und Vogelgucker. Die hinter dem Deich gelegenen ehemaligen Hochwasserfluchtplätze werden von den Vögeln wegen der Windturbinen gemieden. Foto (C): Eilert Voß/Wattenrat

Morgen ist es wieder soweit:

Die Regional- und Lokalpresse überschlägt sich derzeit mit den Ankündigungen zu den 8. Zugvogeltagen“ im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer, die vom 08. bis zum 16. Oktober 2016 stattfinden.

Ungefähr 300 Veranstaltungen zwischen Cuxhaven und Greetsiel sind geplant, und so schafft man „Masse“: nachfolgend einige bemerkenswerte Zugvogel-Blüten, aus Platzgründen nur ausgewählt mit Veranstaltungen von der Insel Langeoog, bekannt aus der Presse durch die sommerlichen Feuerwerke: weiter »

Veröffentlichung: „Zum Einfluss von Kitesurfern auf Wasser- und Watvögel – eine Übersicht“

Kitespot Sahlenburg/Cuxhaven, Zwischenzone des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer, Foto (C): Eilert Voß/Wattenrat Ostfriesland

Kitespot Sahlenburg/Cuxhaven, Zwischenzone des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer, Foto (C): Eilert Voß/Wattenrat Ostfriesland

Heft 1/2016 des „Informationsdienstes Naturschutz Niedersachsen“, herausgegeben vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), erschien mit dem Titel „Zum Einfluss von Kitesurfern auf Wasser- und Watvögel – eine Übersicht“. Der Autor ist Thorsten Krüger, Mitarbeiter der Staatlichen Vogelschutzwarte im NLWKN. Das Heft enthält eine umfangreiche Literaturliste zu anthropogenen Störungen und deren Auswirkungen auf  Vögel. Dazu kommen Einzeluntersuchungen an bestimmten Küstenstandorten, auch im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer, zu Störungen durch Kitesurfer von verschiedenen Autoren. Überwiegend kommen die Untersuchungen, wenn auch z.T. vorsichtig formuliert, zum Ergebnis, dass das Kitesurfen für bestimmte Arten zu erheblichen Störungen führt. weiter »

Noch eine Nationalparkfeier: Propaganda statt Fakten

Drei_Affen_1Am 11. August 2016 fand in Cuxhaven die Festveranstaltung zum 30-jährigen Bestehen des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer statt, inszeniert vom Niedersächsischen Umweltministerium und der Nationalparkverwaltung in Wilhelmshaven.

Nun hat der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer angeblich sogar „Weltrang“ erreicht, die Berichterstattung  des gebührenfinanzierten Norddeutschen Rundfunks für das Abendmagazin „Hallo Niedersachsen“ aus Hannover zum Jubelfest war jedoch weitgehend recherchefrei. Der Evangelische Pressedienst (epd) interviewte den Festredner Uwe Garrels, Bürgermeister von Langeoog, ausgerechnet Langeoog. Es wurde sehr deutlich, dass es in diesem Nationalpark überwiegend um die Tourismusförderung geht, nichts anderes. Auch der Naturschutz im Wattenmeer hat eine Geschichte, die heute weitgehend vergessen ist, und die beginnt nicht mit der Ausweisung zum Nationalpark. Der Wattenrat Ostfriesland und die Vorläuferorganisation „Konferenz der Natur- und Umweltschutzverbände Ostfriesland“ sind oder waren die Chronisten der gezielten Entwicklung des Wattenmeeres und späteren Nationalparks zum Mega-Freizeitpark. Eine „naturpolitische Erfolgsgeschichte von Weltrang“ ist dieser Nationalpark aber mit Sicherheit nicht, wie uns die Propaganda des Umweltministeriums weismachen will, und das lässt sich belegen. weiter »

Luftnummer: Baltrums Bürgermeister will eine Seilbahn übers Watt

Da lacht sogar der Seehund! Foto (C): Eilert Voß

Da lacht sogar der Seehund! Foto (C): Eilert Voß

Nachtrag: Am 20. Sept. 2016 stimmte der Baltrumer Gemeinderat über das Seilbahnprojekt ab: Alle dagegen, bis auf den Bürgermeister. Damit wurde diese Schnapsidee zu den Akten gelegt.

Der Bürgermeister der Insel Baltrum, Berthold Tuitjer, hat ernsthaft eine Seilbahnverbindung vom Festland nach der Insel Baltrum vorgeschlagen, nicht am 1. April, sondern mitten im Sommerloch, gut platziert in der „Sauregurkenzeit“ vieler Medien. Nicht nur der Bürgermeister findet seinen Vorschlag gut, sondern auch der Wirtschaftsminister des Landes Niedersachsen, Olaf Lies (SPD). Der findet alles gut, was nach Profilierung klingt. Dieser Industriemarionetten-Politiker schwärmt auch für den milliardenteuren, aber nicht ausgelasteten Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven oder ist Politlobbyist des Auricher Windkraftanlagenherstellers, der nicht nur Ostfriesland mit Hilfe vieler Lokalpolitiker in eine rotierende und entstellte Industrielandschaft verwandelt hat. weiter »

Feuerwerk: Nachrichten aus dem Langeooger Soziotop

Langeoog-News-Screenshot-25Juli2016

Bildzitat (Screenshot), www.langeoognews.de, 25. Juli 2016

Es hat gerauscht und gekracht. Gerauscht hat es in der Presse von dpa bis in die Lokalzeitungen, und gekracht hat es über dem Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer und „Weltnaturerbe“, das vom Inseltourismus heftig beworben wird. Die Rede ist von der Insel Langeoog. Bereits am 04. Juli 2016 wurde im Informationsblatt der Insel „de Utkieker“ auf S. 153 angekündigt: „Ein Feuerwerk bildet den traditionellen Abschluss des Dörpfestes…“ Und zwar nicht irgendein Feuerwerk, sondern ein Großfeuerwerk der Kategorie 4, und das ließ schließlich am Abend des 24. Juli den Strand- und die ortsnahen Bereiche erzittern. Im Vorfeld des Feuerwerks hatte der Wattenrat Ostfriesland in einer Pressemitteilung daran erinnert, wie weit Höhenfeuerwerke in die Flächen des Großschutzgebietes hineinwirken – egal ob sie innerhalb oder direkt außerhalb an der Grenze des Nationalpark gezündet werden – und bei Brut- oder Zugvögeln, die bereits auf der Insel Station machen, durch die Explosions- und Lichteffekte eine enorme Panik auslösen, die die Tiere orientierungslos macht, in einem EU-Vogelschutzgebiet! Wissenschaftliche Untersuchungen gehen von einer Störwirkung von mehreren Kilometern aus. weiter »

30 Jahre Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer: Schutz und Schmutz im Nationalpark

Foto (C): Alice Wiegand, Wikipedia, CC BY - SA 3.0

Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer: durch viele abträgliche Nutzungen ausgequetscht wie eine Zitrone, Foto (C): Alice Wiegand, CC BY-SA3.0, Wikipedia

Wir berichteten bereits über die Veranstaltung „30-Jahre Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer“ der CDU-Fraktion im Niedersächsischen Landtag, die am 30. Mai 2016 in Wilhelmshaven stattfand. Thomas Schumacher, freier Journalist aus Leer, hat diese Veranstaltung ebenfalls besucht. Hier sein Kommentar, den er uns dankenswerterweise zur Verfügung stellte. Die Bilder wurden vom Wattenrat ausgesucht. Der Textbeitrag erschien in veränderter Form auch in der Zeitschrift „Waterkant“, Heft Juni 2016.

Schutz und Schmutz im Nationalpark

von Thomas Schumacher

30 Jahre Nationalpark, Biosphärenreservat, Weltnaturerbe, dem Wattenmeer sind große Titel angepappt. Die Gründung der deutschen maritimen Nationalparks war auch eine Reaktion auf Proteste gegen nationale und internationale Umweltkatastrophen. Bis heute ist der „Naturschutz“ an der norddeutschen Küste ein politisches Konsensmanagement zwischen Landwirtschaft, Tourismus, Industrie, Hafenwirtschaft – ja, und Naturschutz.

Der Auftritt hat Geschmäckle. Nicht wegen der vielleicht Hormon verseuchten Lachsschnittchen und den sicher mit Mikroplastik angereicherten maritimen amuses geules, die auf möglicherweise genmanipulierten Weißbrotscheiben gereicht wurden. Nein, wegen der Teilnehmer, die sie zum Anlass des 30. Geburtstages des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer im Besucherhaus des Wattenmeeres in Wilhelmshaven verschlangen. Die CDU Niedersachsens reklamiert den „zukunftsweisenden Naturschutz (Björn Thümler, CDU-Fraktionsvorsitzender)“ für sich. Deswegen hatte ihre Landtagsfraktion Ende Mai zum 30. Geburtstag des Nationalparks Wattenmeer geladen. IHK, Fischereiverbände, Jäger, Landkreise, Gemeindebürgermeister, Vertreter der Landwirtschaft, alle kamen um das vermeintliche Naturschutzgebiet zu loben und zu preisen. Vor drei Jahrzehnten hatten die meisten von ihnen den Nationalpark als institutionalisierte Hölle zu verhindern versucht. weiter »

Geschafft: der „Stumme Frühling“ im und am Nationalpark Wattenmeer

Der letzte Kiebitz in der Pufferzone des NSG "Petkumer Deichvorland" an der Ems, Foto (C): Eilert Voß

Mit Mist überstreut: Der letzte Kiebitz in der Pufferzone des NSG „Petkumer Deichvorland“ an der Ems, Foto (C): Eilert Voß

Während die Nationalparkverwaltung in Wilhelmshaven mit ihrem Leiter Peter Südbeck ständig die Erfolgs-Propagandatrommel für den Nationalpark, den Tourismus und das „Weltnaturerbe“ rührt, siechen viele Brutvogelarten des Wattenmeeres und des angrenzenden Binnenlandes  30 Jahre nach Einrichtung des Nationalparks unbemerkt von einer weitgehend ahnungslosen Öffentlichkeit dahin. Oder, um es mit Mark Twain zu sagen: „Nachdem sie das Ziel endgültig aus den Augen verloren hatten, verdoppelten sie ihre Anstrengungen“. Immer neue und nur scheinbare Erfolgsmeldungen übertünchen die deutlich wahrnehmbare Misere. Wo vor dreißig Jahren z.B. noch Rotschenkel, Kiebitze, Uferschnepfen oder Austernfischer zur Brutzeit auf den Weidezaunpfählen saßen oder in der Luft lautstark ihre Reviere markierten, ist heute weitgehend Ruhe eingekehrt.  weiter »