Zugvogelspektakel

Die jährlichen „Zugvogeltage“ im Wattenmeer werfen mal wieder Ihre Schatten voraus. Das bietet Gelegenheit für die sonst im tatsächlichen Naturschutz eher träge Nationalparkverwaltung mit ihrem Chef Peter Südbeck, erneut zur Medien-Hochform aufzulaufen. Nun soll für die Zugvögel im nationalparkfernen Oldenburg Musik gemacht werden, mit Unterstützung einer Bank und einem Scheck über 10.000 Euro. […]

Zugvogeltage: kulinarische und andere Trittbrettfahrer

Löffler und Silberreiher im Dolart, Ruhezone des Nationalaprks, aber keine Ruhe durch Spaziergänger und Vogelgucker, Foto (C): Eilert Voß

Löffler und Silberreiher im Dollart, Ruhezone des Nationalparks, aber keine Ruhe durch Spaziergänger und Vogelgucker. Die hinter dem Deich gelegenen ehemaligen Hochwasserfluchtplätze werden von den Vögeln wegen der Windturbinen gemieden. Foto (C): Eilert Voß/Wattenrat

Morgen ist es wieder soweit:

Die Regional- und Lokalpresse überschlägt sich derzeit mit den Ankündigungen zu den 8. Zugvogeltagen“ im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer, die vom 08. bis zum 16. Oktober 2016 stattfinden.

Ungefähr 300 Veranstaltungen zwischen Cuxhaven und Greetsiel sind geplant, und so schafft man „Masse“: nachfolgend einige bemerkenswerte Zugvogel-Blüten, aus Platzgründen nur ausgewählt mit Veranstaltungen von der Insel Langeoog, bekannt aus der Presse durch die sommerlichen Feuerwerke: weiter »

Zugvogeltage: „Nachdem sie das Ziel aus den Augen verloren hatten, verdoppelten sie ihre Anstrengungen.“

Aneschossene Pfeifente, NAtionalpark Niedersächsisches Wattenmeer und "Weltnaturerbe", Foto (C): Eilert Voß

Angeschossene Pfeifente, Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer und „Weltnaturerbe“, Foto (C): Eilert Voß

Seit Wochen trommelt die Verwaltung des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer in den Medien für die 7. „Zugvogeltage“, die in diesem Jahr vom 10. bis zum 18. Oktober stattfinden. Eine kritische Auseinandersetzung mit der Gefährdung der Zugvögel findet aber nicht statt, auch nicht in begleitenden Kommentaren in der Presse. Von den Tourismusverbänden und Fremdenverkehrskommunen wird diese Veranstaltung ebenfalls beworben, vorgeblich gäbe es sogar „eine neue Allianz im Weltnaturerbe“ zwischen „Zugvogelschutz und Tourismus“, so der angekündigte Titel eines Vortrages am 15. Oktober auf Norderney. Und spätestens hier sollte man als Naturschützer misstrauisch werden. Es geht also weniger um die Zugvögel, als um die Besetzung eines neuen touristischen Marktsegmentes mit dem Label „Öko“ für eine kleine Zielgruppe der Naturinteressierten und der optisch hochgerüsteten Vogelgucker, neudeutsch „Birder“ genannt. weiter »

Der schmale Grat…

"Intensivstrand" Norderney, Foto (C): Eilert Voß

„Intensivstrand“ Norderney, Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer, Foto (C): Eilert Voß

…„zwischen hehrer Weltnaturerbe-Werbung und obszöner Ballermann-Reklame“ wird im Editorial der deutschlandweit verbreiteten Nationalpark Zeitung 03/2015 beleuchtet. weiter »

Tourismus: „Vögelurlaub macht man auf Borkum“

Bildzitat: Wirtschaftsbetriebe der Stadt Borkum

Bildzitat: Wirtschaftsbetriebe der Stadt Borkum

Vögelurlaub macht man auf Borkum“: Nun hat die „spätrömische Dekadenz“ auch die Touristiker in Ostfriesland, genauer gesagt die auf der Ferienininsel Borkum erreicht. Als Kontrapunkt zu den von der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer in Wilhelmshaven beworbenen Zugvogeltage wirbt Borkum mit dem bewusst missverständlich gewählten Slogan „Vögelurlaub macht man auf Borkum“ und will damit auch auf die jährlichen Zugvogeltage aufmerksam machen. Damit befindet sich Borkum nun im freien Fall auf das Niveau von Mallorca: Ballermann lässt grüßen! Der „Vögelurlaub“ soll ein beliebter Renner in den „Sozialen Medien sein; da fällt einem doch nur der Spruch ein, dass tausende Fliegen nicht irren können, wenn sie die Misthaufen besetzen. Und diese Werbekampagne „unter der Gürtellinie“ ist ein weiteres Indiz dafür, wie das Großschutzgebiet Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer, gleichzeitig „Weltnaturerbe“, in den Köpfen der Menschen ankommen soll oder schon angekommen ist… weiter »

Zugvogeltage im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer: auch Propagandaveranstaltung

Nächtlicher Gänsezug

Am 11. Oktober 2014 begannen die 6.  Zugvogeltage im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer. Der Wattenrat Ostfriesland begrüßt die Informationsveranstaltungen und Exkursionen, die für ein besseres Verständnis der Lebensverhältnisse von Gänsen, Enten und Watvögeln werben sollen. Dabei sollte aber nicht verschwiegen werden, dass die Vögel gerade im und am Nationalpark und „Weltnaturerbe“ oft keine ungestörten Rast-, Nahrungs- und Schlafplätze mehr vorfinden. Die Hochwasserrastplätze im nationalparknahen Binnenland wurden in den letzten Jahren systematisch und auch unter Missachtung des Naturschutzrechts mit Windparks überbaut. Diese Flächen fallen durch den Scheucheffekt der Rotoren als Rückzugsgebiete für die Zugvögel aus. weiter »

Zugvogeltage: keine heile Welt im Nationalpark Wattenmeer

Auch ein Zugvogel: Ein junger Merlin, eine Falkenart, hat einen Alpenstrandläufer erbeutet, Dollart, 2013

 Nun kommen die Touristen wieder in Scharen, um Zugvögel an der Küste zu bestaunen, einschließlich der sportlichen Variante „Aviathlon“. Das eigentlich begrüßenswerte Werben der Tourismusindustrie und der Nationalparkverwaltung in Wilhelmshaven für die Zugvögel im Nationalpark Wattenmeer ist eine Sache, der desolate Zustand vieler Salzwiesen, die Rast- und Äsungsflächen der Zugvögel im Nationalpark und „Weltnatuerbe“, ist eine andere. Viele eigentlich geschützte Salzwiesen werden immer noch vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten-  und Naturschutz (!) (NLWKN) für „Unterhaltungsmaßnahmen“ mit Kettenfahrzeugen zerwalzt, unter „Abstimmung“ mit der Nationalparkverwaltung und nicht in einen angemessenen Erhaltungszustand versetzt, wie es die EU-FFH-Richtlinie vorschreibt. Spaziergänger dürfen aus Artenschutzgründen diese Schutzzonen nicht betreten. Hungrige Gänse aus Nordeuropa oder Asien weichen dann auf landwirtschaftliche Nutzflächen aus. weiter »

Nicht nur am Martinstag: Zugvogelbratpfannenjäger und andere Missstände im Wattenmeer, ein Leserbrief

Erst Zugvogeltage, dann Bratpfanne: Das Ende einer Gans

Der Legende nach schnatterten die Gänse aufgeregt im Gänsestall, als der heilige Sankt Martin sich in Tours dort versteckte, um sich so seinem ihm angetragenen Amt als Bischof zu entziehen. Durch den Gänselärm wurde er entdeckt, das Amt war seins. Als „Dank“ für den verräterischen Lärm wird nun in vielen katholischen Landesteilen am 11. November eine Martinsgans verspeist, in der Regel eine Hausgans. Derzeit wird aber in vielen Landesteilen auch wieder Jagd auf wildlebende ziehende Gänse aus der Arktis gemacht, die noch vor wenigen Tagen anlässlich der „3. Zugvogeltage“, veranstaltet von der Verwaltung des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer , auf vielen Veranstaltungen an der Küste bewundert werden konnten. Vieler dieser Zugvögel sind nun bereits tot, deponiert in der Tiefkühltruhe oder wurden verspeist, verendet im Schrotfeuer vieler Jäger, mehr oder weniger legal (wenn sie bei Dunkelheit und Nebel erlegt wurden, ohne sie nach jagdbaren und nicht jagdbaren Arten unterscheiden zu können), auch in Vogelschutzgebieten, von der EU-Kommission und den Ländern ausgewiesene Refugien, die keine sind.

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Zugvogeltage: Gänseverscheuchen mit dem Reisebus „Vogelkieker“

Vogelkieker-Bus in Kehdingen, Naturerlebnis mit Vogelverscheuchen

Bitte das Edit 31.10.2010 ganz unten beachten: Die Zugvogeltage wurden auch auf die streng geschütze Vogelinsel Memmert bei Juist ausgedehnt, initiiert vom BUND!

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„Zurück zur Natur wollen alle, nur nicht zu Fuß“ war ein Spruch aus den Achtzigern, um den Zwiespalt zwischen Naturschutzansprüchen und gehfaul-satten Bildungsbürgern zu glossieren. Heute ist das Realsatire, und ein Geschäftsmodell. Der Verein zur Förderung von Naturerlebnissen e.V. in Stade  vermietet einen Reisebus, ein Schiff und einen kleinen Dieselzug, um das Volk näher an die Natur zu bringen, und um diese auch zu stören. Sponsoren sind u.a eine Windkraftbetreiberfirma (Deinste  Wind), ein Rotary Club und der Landkreis Stade. Niedersachsens berühmt-berüchtigter Umweltminister Sander lobt denn auch diese Art der Naturerschließung als „Erfolgsgeschichte für das Naturerleben in Niedersachsen“. Der Reisebus heißt „Vogelkieker“, ist mit bunten Vögeln bedruckt und fährt Gruppen dicht an Zugvögel heran, manchmal auch zu dicht, dass diese vertrieben werden. Nun soll der Bus auch gegen Bares anlässlich der „Zugvogeltage“ im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer eingesetzt werden.

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