Ems: desaströse Schlickverklappung direkt am Naturschutzgebiet Unterems – Eilert Voß berichtet

Ems: Hopperbagger „DARSS“ vor dem Entladen des Schlicks, 23. Aug. 2026, 16:10, Höhe Borßum/Ems – Foto: Eilert Voß/Wattenrat

Eilert Voß wuchs an der Ems bei Emden auf und kennt den Fluss seit seiner Kindheit. Er hat auch die Zerstörungen des Flusssystems durch Begradigungen, durch die Ausbaggerungen vor allem für die riesigen Musikdampfer der Meyer Werft im binnenländischen Papenburg über Jahre dokumentiert. Seit Jahrzehnten erfasst er für die Staatliche Vogelschutzwarte im Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) die Bestände der Wat- und Schwimmvögel, oder den rapiden Niedergang der Arten im Emsästuar. Aktuell berichtet er über die Schlickverklappungen in der Ems, mit desaströsen Auswirkungen auf das lebendige Watt. Hier sein Bericht:

Schlickverklappung direkt am Naturschutzgebiet Unterems

Baggereien in sensiblen Gebieten der Ems sind leider an der Tagesordnung und werden von der Öffentlichkeit kaum noch als „Aufreger“ wahrgenommen. Das ist betrüblich und könnte darauf hinweisen, wie sehr sich Emsanwohner vom Wesen und Pulsschlag des einst intakten Flusses entfernten und ihre unmittelbare Mitverantwortung für den ökologischen Zustand der Ems aufgaben. Vielfältige Gründe liegen auf der Hand: der Widerstandswille der 80er-Jahre ist gebrochen, denn permanent im Gegenwind der Wirtschaftspolitik zu segeln ist mühselig, auf Dauer auch frustrierend und endet in der Staatsverdrossenheit. Junge Leute kennen ihn nicht mehr, den langsam fließenden Fluss mit seinen Windungen, Sandbänken, Steilufern, dem Fischreichtum und der tiefen Ruhe, mit der dieser Fluss Menschen besänftigen konnte und je nach Couleur, auch zu Aktivitäten aller Art animierte. Es gab in der Tat noch Zeiten, in denen der Fluss einen unverwechselbaren Menschenschlag formte. Mit tiefem Heimatgefühl und einem Willen, Land, Wasser und Natur für spätere Generationen zu erhalten und dafür zu streiten. Der gefräßige Pauschal-Tourismus existierte nicht als Ventil für allgemeinem Verdruss. Zivilflugzeuge waren spärlich in Diensten gestresster Otto-Normalverbraucher und flogen kaum in wärmere Sehnsuchtsländer. Ostfriesen hingegen, sahen sich kaum dazu veranlasst, der Eintönigkeit des Alltags und schon gar nicht der Monotonie ihrer Landschaft zu entfliehen. Über lange Zeiten war das Leben vor allem an und auf der Ems recht erträglich. Bürger gingen auf die Straße und protestierten, wenn es angebracht war. Dass heutzutage immer mehr geschwiegen wird, wenn nach erfolgten Emsvertiefungen und dem Bau eines Stauwehrs für viel zu große Kreuzfahrschiffe ein Marinehafen auf dem Natur-Kleinod des Rysumer Nackens ohne größere Störfeuer diskutiert wird, ist gefühlt wahrnehmbar, dass Anwohner mit der Ems fremdeln.

Lebendiges Dollart-Watt: u.a. Graugänse und Löffler – Foto: Eilert Voß/Wattenrat

Widerstand gegen das 1989 gescheiterte Dollarthafen-Projekt

In Zeiten des Widerstandes gegen das geplante Dollarthafen-Projekt war dies zum Glück noch anders! Wie sähe die Region Ems-Dollart heute aus, wäre die Industrialisierung des Geiserückens inmitten des Dollarts realisiert und würde eine südliche Verlegung der Ems in das Weltnaturerbe den Kultur- und Naturraum „Ems-Dollart“ beeinträchtigen? Nicht auszudenken, doch ein Protest der Emder Arbeitsgemeinschaft GRÜNE-KÜSTE, (AGK) mit Enthusiasten aus Handwerk, Büro, Kultur, FHO, Kirche und Berufsfischern aus Ditzum und dem benachbarten niederländischenTermunten torpedierte den Fortgang politischer Bestrebungen zur Realisierung des „Wahnsinns-Projekts“ im Dollart. Dies immer dann, wenn Wirtschaftspolitiker anreisten! Im Emder „Klub zum guten Endzweck“ traf man sich gelegentlich in der Absicht, störende „Hemmnisse“ zu beseitigen und stieß bereits auf der Ems auf protestierende Emsfischer oder Bauern, die sich samt Trecker vom Rheiderland aus mit der Ditzumer-Fähre nach Petkum „übersetzen“ ließen. Die absolut spektakuläre u. friedfertige Bauplatz-Besetzung des Dollarts mit einer 10 Meter hohen Wohnplattform, dem sogen. „Dreibein“, gilt im Jahr 1981 nur als beispielhafter Versuch, dass Ostfriesen und Groninger sich quer durch die Gesellschaft einig darin waren, die Zerstörung des Dollarts zu verhindern. In der Rückschau profitieren alle Ems und Dollart-Anwohner von diesem Durchhaltevermögen und nachträglich allen Widerständlern Dank dafür! Mitglieder des späteren Wattenrats waren daran beteiligt.

Baggern, baggern, baggern

Dass der Wattenrat dennoch das leidige Thema von Baggereien für die Papenburger-Meyerwerft aufgreift, ist einem besonderen Zufall zuzuschreiben: Am 23. August dieses Jahres befuhren zwei Mitarbeiter des Wattenrats den emsnahen Deichweg von Jarßum bis Borßum in gemächlichem Fußgängertempo. In der Flußmitte war ein schwer beladener Hopperbagger unterwegs, der sich von einer stinkenden Dieselwolke umgeben, seewärts schob. Zahlreiche Uferschnepfen stocherten im Schlick und zogen Würmer aus dem nassen Wattboden. Gegensätze in der Tat, die an der Ems alltäglich sind, denn trotz der jahrelangen Baggereien und Emsvertiefungen scheint die Ems noch so vital zu sein, dass oberflächlich betrachtet, alles in bester Ordnung sein könnte: Masterplan Ems hin– und vergebliche Stauwehrversuche zur Schlick-Reduzierung her. Mit dem Fahrrad am Borßumer-Siel angekommen, lockt eine Sitzbank, ein wenig die Sonne zu genießen und die Blicke weit in den Dollart zu richten. Steile und trittfeste Uferkanten der linken Emsseite werden mit einem Fernglas danach abgesucht, ob einige der mehr als hundert im Dollart lebenden Seehunde ins Blickfeld geraten. Nirgendwo sonst in der Gegend lassen sich an der Unterems so regelmäßig Robben beobachten. Während der interessanten Beschäftigung schiebt sich der bis an die höchste Tiefgangs-Marke beladene Hopperbagger, „DARSS“ ins Bild, verlangsamt die Fahrt und setzt zu einer Wende über Steuerbord an.

Hopperbagger „DARSS“ 10 Minuten nach der Schlickverklappung, 23.08.2026 – Foto: Eilert Voß/Wattenrat

Im selben Moment ist ein lautes, metallisches Geräusch vom Bagger hörbar, der die Ruhe am Siel stört und Schnepfen vom Borßumer-Emswatt vertreibt. Die Frage nach dem „was war das denn“ erklärt sich in Sekundenbruchteilen. Einem Korken gleich, den man ins Wasser wirft, steigt die „DARSS“ urplötzlich hochaufragend aus dem trüben Wasser der Ems. Als wäre das Baggerschiff über die Kiellinie in zwei Hälften zerbrochen, wirkt die aufgeklappte „DARSS“ wie ein überdimensional großer Greifer, deren Hälften sich jeweils an einem Gelenk nach außen bewegen und das Baggergut freigeben. Mag das in Uralt-Zeiten des Emder-Hafenumschlags von Eisenerz mit riesigen Verladebrücken noch sichtbar gewesen sein, doch keineswegs an diesem Ort in Höhe der Steinbuhnen am Borßumer-Siel. Unsichtbar für den Betrachter, entleert sich das Schiff in kürzester Zeit selbst. Die gebaggerte Fracht sinkt auf den Grund der Ems. Als wäre die Ems im Bereich zwischen der Knock und Papenburg nicht gebeutelt genug, überdecken tausende Tonnen Schlamm bodenbewohnende Organismen, macht letzten Emsfischen den Garaus und färbt das auflaufende Wasser Richtung Leer schwärzlich.

Ems, Höhe Borßum: Überschlickung des Watts nach der Verklappung durch die Baggerschiffe „DARSS“ und „ZINGST“, 12. Okt. 2026 – Foto: Eilert Voß/Wattenrat

Es ist nicht zu fassen: Mitarbeiter des Wattenrat werden unmittelbare Zeugen eines unglaublichen Vorgangs am helllichten Tag! Sie schauen dabei zu, dass eine Verklappung von Emsschlick bei einem Flutstrom geschieht, der 95 Minuten vorher begann. In sichtbaren Strudeln wird ein trübes Wasser-Schlamm-Gemisch stromaufwärts gedriftet; direkt hinein in geschützte Wattbereiche des nahe gelegenen Petkumer Schutzgebietes und weiter in Richtung Nationalparkflächen am nördlichen Dollartufer.

Rückschau in die 80er-Jahre, skandalöser Umgang mit der Natur

Rückschau: Bis Ende der 80er-Jahre wurden unweit der jetzigen Verklappungsstelle in Höhe von Borßum, Schlickschuten zu einer Dockstation geschleppt, von der aus sie rund um die Uhr entleert wurden. Über ein weit verzweigtes Rohrsystem verschwand der lästig gewordene Salz-Schlick im weit von Emden entfernten Binnenland. Der Schlick ertränkte 3400 Hektar Niedermoor und zerstörte Gewässer, wie das Teltenmeer, an dessen Name sich heute kaum jemand erinnert. Staatsbeamte des WSA wurden „Anno dazumal“ wegen der damalig wenig kritikwürdigen Entsorgungs-Praxis mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt und gelten bis in die heutige Zeit als Wegbereiter des Fortschritts in der Hafen- und Landwirtschaft. Niemand dachte in den 80er-Jahren jedoch daran, den Dreck aus der Ems an anderer Stelle wieder direkt in den Fluss zu kippen, zu absurd und kontraproduktiv wäre dies gewesen und ein Fall für die Rechnungsprüfung und den Staatsanwalt.

Der Ölskandal von 1974

Doch, doch; da war noch was: im Emder Hafen war eine Ölentsorgungsfirma aktiv, die den mit Ölsperren eingesammelten Ölschlamm wieder ins Hafenbecken zurück pumpte und zusätzlich Messuhren für den Schlamm manipulierte. Nicht ein schweres Umwelt-Delikt war ein Anlass der Entrüstung, nein: der Finanzminister und das Finanzamt wurden offensichtlich betrogen, da die Ölmengen und die Abrechnungen nach oben manipuliert wurden und, das führte zur Verurteilung des Straftäters. Nur bei den Hobbyfischern saß der Ärger tief, denn Untersuchungen ergaben, dass der im Hafen geangelte Aal mehr als zehnfach höher mit Quecksilber belastet ist, als ein Aal, der an der Ems in einer Reuse gefangen wurde).

Beweissicherung der aktuellen Überschlickung: Baggerschlamm erstickt lebendes Watt

Jarßumer Emswatt:, Natura-2000-Gebiet:  Baggerschlamm erstickt das Watt, 20. Oktober 2026 – Foto: Eilert Voß/Wattenrat

Was zur Beweissicherung der zufälligen Beobachtung am Borßumer-Siel umgehend geschieht, ist ein Screenshot der im Internet sichtbaren Schiffsbewegung der „DARSS“. Die beobachtete Wende des Baggers in Höhe von Borßum ist dokumentiert. Die Routen der „DARSS“ und des Schwesterschiffs, der „ZINGST“, wurden mit einer speziellen Kamera und eingeschalteter Sicherungsfunktion fotografiert: Der Bildbeleg ist somit gerichtsfest. Darüber hinaus belegen weitere Dokumentar-Fotos den Zustand der Jarßumer und Borßumer Schlickwatt-Flächen bis zum Tag, an dem die Schlickfracht unweit des NSG-Petkum entladen wurde.

Jarßumer Emswatt: Baggerschlamm mit Methangasaustritt? -Foto: Eilert Voß/Wattenrat

Nach dem 23. August und einer einwöchigen Urlaubsunterbrechung, wurden Jarßums Schlickwattbereiche ab und zu mit dem Rad abgefahren, doch Begegnungen mit den Verklappungsschiffen gab es keine mehr. Sehr wohl war auffällig, dass außer Brandgänsen, Watvögel die trocken gefallenen Schlickflächen zwischen Jarßum und Borßum weniger intensiv nutzen. Am 11. Oktober, 17:40 Uhr, sind nach dem HW-Stand um 13:46 Uhr weite Teile der Schlickflächen zwischen den Steinbuhnen vom NSG-Petkum und der Borßumer-Sielmuhde wasserfrei und einsehbar. Der Anblick löst bei den Wattenrat-Mitarbeitern ein Erschrecken über den Zustand der einst artenreichen Schlicklandschaft aus! Das Nahrungsgebiet durchziehender Limikolen und anderer Wasservögel ist 15-20 cm hoch mit weichem, sogen. „Schlick-Mud“ bedeckt, der je zur Hälfte aus Wasser und feinstem Sediment besteht. Offensichtlich ist ein großer Anteil der verklappten Schiffsladungen verdriftet und erstickt jegliches Bodenleben auf hunderten Hektar-Wattfläche. Letzte bodenlebenden Organismen, wie Schlickkrebse, die einst zu 10.000 Exemplaren pro Quadratmeter intaktes Schlickwatt besiedelten, sterben unter der Schlickfracht. Lebende Organismen sterben, da ihnen Sauerstoff fehlt, der in der Ems sowieso knapp geworden ist. Ihre Wohnröhren, die einer Erosion der Watten während Sturmfluten und Vereisungen im Winter entgegenwirkten, sind für längere Zeit zerstört, das Schlickwatt wird instabil! Den bis zu 4.000 Säbelschnäblern, der Island-Uferschnepfe, dem Dunklen-Wasserläufer und den Krickenten wurden direkt und in unmittelbarer Nähe zweier EU-Vogelschutzgebiete die Nahrungsgebiete reduziert. Die Überlagerung des historisch gewachsenen Schlickwatts mit Abfällen und Sedimenten der Emsbaggerei trifft die Vitalität einer angeschlagenen Rest-Naturlandschaft im unteren Bereich der Nahrungspyramide. Vernichtet sind oben auf dem Schlickwatt siedelnde Diatomeen oder Kieselalgen. Sie sind die Lebensgrundlage aller Tiere im und auf dem Wasser der Ems lebenden Tierarten, bis hin zum Seehund, der die Spitze einer Prädatoren-Gemeinschaft bildet. Dass zwei Emsbagger die Unterems als Deponie nutzen, ist nicht nachzuvollziehen. Zu klären ist, ob mit der Verklappung in Höhe von Borßum etwa von beiden Kapitänen der Baggerschiffe beabsichtigt war, mit der beobachteten Fahrt gegen den Flutstrom der Ems die Betriebskosten zu senken, teuren Dieseltreibstoff einzusparen und den Baggerbetrieb auf Kosten der Natur zu minimieren. Das wäre die naheliegende Vermutung. Schlimmer wäre es in der Tat, wenn die im Internet bei www.marinetraffic.de sichtbare Verklappungsstelle vom WSA-Emden oder anderen beteiligten Behörden genehmigt wäre.

Brandgänse suchen nach Nahrung im intakten Schlickwatt der Ems – Foto: Eilert Voß/Wattenrat

Am 12.10.26 wurde ein Ortstermin organisiert, an dem auch zwei für das NLWKN tätige Wasservogel-Zählerinnen teilnahmen. Das Erschrecken über den kläglichen Zustand der von Erosion geprägten und tief zerfurchten Schlickfläche war spürbar, denn eine derartige Zerstörung ist den fachlich versierten, ehrenamtlich tätigen Mitarbeiterinnen der niedersächsischen Wasservogel-Erfassung in ihrer jahrlangen Tätigkeit nicht begegnet und kaum vorstellbar gewesen. Jeder tägliche Flutstrom der Ems nagt an den überschlickten Flächen, schwemmt feinstes Sediment in den Fluss und verteilt sich über viele Kilometer in der Wassersäule der Ems. Der Schlamm wird andernorts abgelagert und der Kreislauf beginnt nach jeder Tide neu: dies zweimalig pro Tag! Völlig ungeklärt ist, ob die verklappten Sedimente unabhängig von der Erstickung bodenlebender Arten auch einer toxikologischen Bewertung standhalten. Erhöhen die Ablagerungen die Wahrscheinlichkeit anaerober Zustände, in deren Folge eine Entwicklung von Keimen der Clostridium-botulinum–Bakterien nicht auszuschließen wären? Die vom jetzigen Wattenrat im August 1982 dokumentierte Botulismus-Katastrophe an Dollart und Unterems, die mehr als 10.000 Enten aller Arten und Prädatoren wie Rohrweihen, Graureihern und Möwen dahinraffte, ist in bester (schlechter) Erinnerung. Das Drama und Tierleid wurde ebenfalls von einer sich verschlechternden Wasserqualität und Wärme-Einflüssen ausgelöst. Alles hängt mit allem an Ems und Dollart zusammen und bildet ein ökologisches Beziehungsgeflecht, oder wie vom Max-Planck-Institut benannt, ein „Nahrungs- und Wirkungsnetz“.

Ein Blick in die NSG-Verordnung

Ein Blick in die NSG-Verordnung zum Schutz des 2.000 Hektar großen Schutzgebietes an der Unterems verdeutlicht die Absicht zuständiger Umwelt-Verwaltungen und des Gesetzgebers und wäre, falls Interesse, hier abrufbar:

https://www.nlwkn.niedersachsen.de/naturschutzgebiete/naturschutzgebiet-unterems-154835.html

Nur ein kurzer Einblick an dieser Stelle:

Das gut 2.000 ha große Naturschutzgebiet umfasst den Unterlauf der Ems mit seinen Vordeichflächen und wenigen zusätzlichen Flächen in der Ledamündung. Es beginnt etwas südlich von Leer und endet bei der Mündung des Flusses in den Dollart. Im naturschutzfachlichen Zielkonzept des Gebietes steht die Förderung typischer Strukturen der „Ästuare“ (also des Übergangs vom Fluss ins Meer) wie Flachwasserzonen, Röhrichte und Auwälder gleichberechtigt neben der Erhaltung und Entwicklung der Funktionen für die Wiesenvögel auf anderen Flächen. Diese Zielsetzung betrifft schwerpunktmäßig Bereiche der Deichvorländer bei Petkum, Nendorp, Oldersum, Midlum, Nüttermoor und Bingum, die Emsinsel Bingumer Sand sowie die Salzwiesenstandorte. Und weiter: Das Naturschutzgebiet dient dem Schutz des FFH-Gebietes 002 „Unter- und Außenems“ sowie des EU-Vogelschutzgebietes V10 „Emsmarsch von Leer bis Emden“

Unter § 3 Verbote, liest sich das auf der Internetseite des NLWKN so:

(1) Gemäß § 23 Abs. 2 Satz 1 BNatSchG sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des NSG oder seiner Bestandteile oder zu einer nachhaltigen Störung führen können.

Resümee

Der Wattenrat ist nach der direkten Konfrontation mit der als ungeheuerlich empfundenen Verklappung von Baggergut zwischen dem Nationalpark-Gebiet des nördlichen Dollart der Überzeugung, dass der Tatbestand einer gravierenden Schädigung naturschutzrelevanter Areale innerhalb der Ems-Dollart-Schutzgebiete erfüllt ist. Die Zerstörung von Nahrungsbiotopen in Naturgebieten bestandsbedrohter Vogel-, Fisch- und Kleintierarten ist als Straftat einzustufen und wäre nach dem Rechtsempfinden der Zeugen des Vorfalls „strafbewehrt“ (§§ 69 und 71 Bundesnaturschutzgesetz). Der Wattenrat fordert örtliche Umweltbehörden und die EU-Kommission als Hüterin der Natura-2000-Richtlinien auf, unverzüglich zu handeln.

Eilert Voß, ehrenamtlicher Schwimmvogelzähler für die Staatliche Vogelschutzwarte im NLWKN, im Oktober 2026

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