Frohe Ostern, mit Einschränkungen...

Albrecht Dürer, 1502

Hier an der Küste ist das Wetter seit Tagen sonnig, dabei noch etwas kühl und windig. Und Ostern steht vor der Tür. Freie Tage und gutes Wetter locken denn auch tausende Kurzurlauber an die Küste. Die Hotel- und Pensionsbetriebe in den Küstenorten und auf den Inseln sind so gut wie ausgebucht. Was für die Erholungssuchenden en masse verlockend nach stressfreien Tagen klingt, wird sich für die sog. „freilebende Tierwelt“ wieder einmal als enorm stressende Belastung erweisen. Auch im und am Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer, der seit zehn Jahren umsatzfördernd als „Weltnaturerbe“ touristisch verhökert wird, hat die Brutzeit begonnen, genauer noch „Brut- und Setzzeit“, wie es die Jäger sagen. Auf den Inseln beginnen Möwen, Seeschwalben, Watvögel , unter ihnen die letzten Sand- und Seeregenpfeifer, mit dem Brutgeschäft.

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40 Jahre europäische Vogelschutzrichtlinie – war da was?

Blick in das Vogelschutzgebiet V63 bei Bensersiel: illegal gebaute Umgehungsstraße im Vogelschutzgebiet, rechtlich angreifbare Genehmigungspraxis des Windparks Utgast/Gemeinde Holtgast direkt am Vogelschutzgebiet, Foto (C): Manfred Knake

Am 02. April 2019 wurde die europäische Vogelschutzrichtlinie (VRL) 40 Jahre alt. Sie trat 1979 in Kraft. Diese EU-Richtlinie sollte den schon damals erkennbaren Rückgang der biologischen Vielfalt bremsen, nicht zuletzt verursacht durch die Intensivlandwirtschaft in der Europäischen Union. Die VRL wurde und wird bis heute nicht ausreichend von der verantwortlichen Politik beachtet. Das bekannte Schlusslicht bei der nationalen Umsetzung der Richtlinie in Landschafts- oder Naturschutzgebiete ist wieder einmal das Bundesland Niedersachsen. Hier wurden in der Regierung Wulff (CDU) mit dem berühmt-berüchtigten Umweltminister Hans Heinrich Sander (FDP, inzwischen verstorben) 2003 die Bezirksregierungen und das Niedersächsische Landesamt für Ökologie (NLÖ) aufgelöst und die Zuständigkeiten für der Umsetzung der Vogelschutzrichtlinie „nach unten“ auf die Landkreise – und damit auf den kommunalen Klüngel – übertragen. Hier hielt man die Vogelschutz- und auch die FFH-Richtlinie (Natura-2000-Richtlinien) lange Zeit für eine unverbindliche Handlungsempfehlung aus Brüssel. Brüssel schien weit, weiter als der Mond, den man immerhin sehen kann.

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Klima-Preis: 10.000 Euro für heiße Luft

Screenshot-Bildzitat: Ostfriesen Zeitung, online, 03. April 2019

Die Zeitung „Die Zeit“ hat einen Preis verliehen, fakten- und recherchefrei. Preisträger ist das Langeooger Gastronomenehepaar Recktenwald („Biohotel“). Sie klagen gemeinsam mit Familien aus anderen Ländern und Kontinenten gegen die Klimapolitik, nein, nicht gegen Petrus, sondern gegen die Europäische Union. Die Frage ist, wer hinter dieser konzertierten Inszenierung steckt und die Klage finanziert. Das Ehepaar fürchtet den Untergang seiner Insel wegen zunehmender Stürme und des Meeresspiegelanstiegs. Fakten zum beschworenen angeblichen Insel- Untergang zählen nicht mehr, nur noch Emotionen und Ängste, immer wieder gerne genommen und geschürt, das zahlte sich nun sogar finanziell aus: Das Ehepaar Recktenwald bekam den „Zeit-Wissen-Preis“ mit dem Titel „Mut zur Nachhaltigkeit“ in der Kategorie „Handeln“, dotiert mit 10.000 Euro.

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Angespülte Trottellummen sind verhungert - Ursachen?

Brutfelsen der Trottellummen auf Farne Island/Northumberland, Foto (C): Archiv Eilert Voß/Wattenrat

Wissenschaftler der Universitäten Wageningen und Utrecht in den Niederlanden gaben Ende März 2019 bekannt, dass ca. 20.000 Trottellummen (Uria algae) im Januar 2019 auf See verhungert sind. Die Vögel wurden Ende Januar in den Niederlanden und Deutschland angespült. Vermutlich waren es noch wesentlich mehr Vögel, von denen nur ein Bruchteil an die Küsten gelangte. Über die Ursachen des Verhungerns schweigen sich Universitäten und die Medienberichte aber aus. Eine Ursache könnte die Überfischung der Futtertiere der Alkenvögel sein.

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Projekt ´Delfinarium´ in Wilhelmshaven von Nationalparkleiter Südbeck vorgestellt

Nationalparkleiter Peter Südbeck erläutert das Projekt „Delfinarium“ in Wilhelmshaven – Foto (C): Eilert Voß/Wattenrat

Anlässlich des ersten Spatenstiches für das neue Wattenmeer- und UNESCO-Weltnaturerbezentrum in Wilhelmshaven stellte Peter Südbeck, Leiter des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer, im Beisein der niedersächsischen Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten und Regionale Entwicklung Birgit Honé (SPD), Mitglied im Beirat der Niedersächsischen Wattenmeerstiftung, ein ergänzendes Projekt vor, das in Kürze neben dem neuen Zentrum verwirklicht werden soll. Südbeck: „Wir werden hier ein Delfinarium mit den Sympathieträgern des Wattenmeers und der südlichen Nordsee verwirklichen und dazu eigens dafür der Natur entnommene Schweinswale in ausreichend große Becken nach neuesten Tierschutzstandards umsetzen.

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´Nationalpark-Partnerschaft´: Bekennerschreiben von Spiekeroog

Foto: Pixabay

War sie etwa Scheintod, „die vor 10 Jahren besiegelte Nationalpark-Partnerschaft“ der Verwaltung des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer mit der Insel Spiekeroog, die nun „wieder mehr mit Leben gefüllt werden“ soll? Jetzt gibt es sogar ein Bekennerschreiben von der Insel: „Der Rat der Inselgemeinde steht geschlossen hinter dem Schutzgebiet“. Donnerschlag, es bedarf offenbar eigentlich inhaltsleerer „Partnerschaften“, um das auch auf den Inseln gültige Nationalparkgesetz durchzusetzen. Muss man sich in Zukunft auch zur Straßenverkehrsordnung „bekennen“, um sie einzuhalten?

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Ranger-Fachtagung ´Tourismus in Schutzgebieten´ auf Langeoog- Weichgespültes von der Nationalparkverwaltung

Lemon Squeezer: typischer Ranger-Hut

Vom 13. bis 15. März 2019 fand auf der Insel Langeoog im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer die Fachtagung „Tourismus in Schutzgebieten – Herausforderung oder Chance in der Gebietsbetreuung“ statt. Veranstalter war der Bundesverband Naturwacht (German Ranger Association) .Weiter unten finden sie eine „informative“ Pressemitteilung der Nationalparkverwaltung aus Wilhelmshaven dazu (mit Gender*) sowie einen Zeitungsbericht aus der Lokalzeitung. Inhaltlich erfährt die Leserschaft nur wenig von den so zitierten „spannenden Fachvorträgen“ der Veranstaltung, dafür aber, dass sich die Teilnehmer „im Krebsgang“ bei „Bewegungsspielen am Strand“ fortbewegten; das erfreut auch Grundschulkinder bei Naturerlebnisspielen.

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Naturschützer auf der ostfriesischen Halbinsel: Onno Poppinga (SPD) und Landrat Sven Ambrosy (SPD)

Screenshot_Bildzitat: Anzeiger für Harlingerland, Wittmund, 16. März 2019

Wo Naturschutz draufsteht, muss nicht immer Naturschutz drin sein. Beispiel: der Naturschutzhof in Wittmund, sein neuer Besitzer sowie die Naturschutzstiftung Friesland, Wittmund, Wilhelmshaven, in der auch die Jever-Brauerei mitmischt (siehe auch Wattenrat vom September 2006, hier). Der Käufer und Besitzer des im nachfolgenden Presseartikel genannten „Naturschutzhofes“ im Wittmunder Wald  ist Onno Poppinga, SPD (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Agrarwissenschaftler!). Hier fand unlängst eine Ehrung statt (Zeitungsartikel s.u.), die aber hier nicht kommentiert werden soll.

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Biosphärenreservate an der Küste: noch ein UNESCO-Etikett?

Foto: Pixabay

Seit einiger Zeit bewirbt der Leiter des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer, Peter Südbeck, den Beitritt von Küstenkommunen zu einem UNESCO-Biosphärenreservat außerhalb des Nationalparks hinter den Deichen im Binnenland. Der Nationalpark wurde bereits mit den Etiketten „UNESCO-Biosphärenreservat“ und „UNESCO-Weltnaturerbe“ versehen. Biosphärenreservate sind von der UNESCO anerkannte großräumige und für bestimmte Landschaftstypen charakteristische Gebiete, die in wesentlichen Teilen ihres Gebiets die Voraussetzungen eines Naturschutzgebiets oder eines Landschaftsschutzgebiets erfüllen, in den der Mensch wirtschaftet, in denen Bildung betrieben und geforscht werden soll und – man lese und staune – beispielhaft der Entwicklung und Erprobung von die Naturgüter besonders schonenden Wirtschaftsweisen dienen. Die UNESCO nennt das „Modellregionen“- „Man and his Biosphere“ (MAB) – die man aber nicht, wie die europäischen Natura-2000-Gebiete, einführen muss, sondern kann. Mit diesem Etikett wäre dann der Küstenraum von Wilhelmshaven bis Emden beispielhaft geschützt, zumindest auf dem UNESCO-Papier.

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Kornweihe kurz vor dem Aus, im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer

Kornweihe, männlich (Circus cyaneus) – Foto: Wikipedia

Die Kornweihe ist ein Greifvogel, der in Deutschland kurz vor dem Aussterben steht. Nein, nicht das immer wieder bemühte „Klima“, sondern die Zerstörung der natürlichen Lebensumwelt ist die Ursache für das langsame Verschwinden dieser Art. Als Bodenbrüter leidet dieser Vogel besonders unter der Intensivierung der Landwirtschaft, Rückzugsgebiete waren daher Moore oder die Dünenlandschaften der Inseln. Aber auch auf den Inseln, im Großschutzgebiet Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer, europäisches Vogelschutzgebiet und „Weltnaturerbe“, schwindet die Art dramatisch. Bereits 2013 legte die Nationalparkverwaltung ein auf vier Jahre befristetes Schutzprogramm auf, vergeblich. Jetzt, 2019, kam die Ernüchterung: In einer Pressemitteilung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) zusammen mit der Nationalparkverwaltung (Pressemitteilung ganz unten) und deren Leiter Peter Südbeck wird erneut der dramatische Rückgang der Kornweihe auf den Ostfriesischen Inseln beklagt, „trotz optimaler Brut- und Nahrungsbedingungen – Die Ursachen des Rückgangs wurden nicht untersucht“. weiter »