Gastkommentar: Vom Reichtum zum Endstadium - Anmerkungen zur Entwicklung küstennaher Wiesenlandschaften

Der einstige Charaktervogel des Feuchtgrünlandes: Kiebitz – Foto/Archiv: Eilert Voß

Vom Reichtum zum Endstadium – Anmerkungen zur Entwicklung küstennaher Wiesenlandschaften, von Wolfgang Epple

(Fotos: Eilert Voss, Manfred Knake)

1992 war für mich, Biologe aus Baden-Württemberg, ein besonderes Jahr: Entgegen allgemeiner Bevölkerungsströme zogen wir aus dem Süden der Republik weit in den Norden, auf einen Resthof im Landkreis Wesermarsch, Luftlinie kaum 1, 5 km hinter dem Deich am Jadebusen. Aus dem waldreichen Keuperstufenland in die grünlandreiche Marsch – welch ein Szenenwechsel für einen „Orni“…
Das Besondere: Der Hof in der Norderschweier Moormarsch lag – zufällig – inmitten eines Wiesenbrüterschwerpunktes.

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Vogelschutzgebiet Rheiderland: Grünlandumbruch vernichtet Brutplätze

Grünlanderneuerung mit einer Drillmaschine (Einsaat) nach Schlitzen des Bodens , Bunder Hammrich, LK Leer, Feldhase auf der Flucht, 30. März 2020 – Foto (C): Eilert Voß

Die Mäuse waren es! Wenn man in Ostfriesland über Land fährt, kann man die Folgen sehen. Nein, keine Mauselöcher mehr aus den sehr trockenen Sommern 2018 und 2019. Die Mäuse hatten sich in diesen Sommern stark vermehrt und für Schäden an der Grasnarbe gesorgt. Als das Grünland noch überwiegend feuchtes Grünland und nicht so stark entwässert war wie heute, waren Mäuseschäden in diesem Ausmaß nicht bekannt. Und auch die Fressfeinde wie Greifvögel oder Eulen sind rarer geworden. Das Auslegen von Gift ist verboten. Das teilweise mäusegeschädigte Grünland konnte nach Landwirtschaftsangaben nicht mehr genug Futter für die Milchbetriebe liefern. Grünland umzupflügen ist eigentlich verboten, nun darf Bauer umpflügen und neu einsäen, ausnahmsweise, nach Antragstellung und nach Einzelfallprüfung, „höhere Gewalt“ heißt die Begründung.

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Umweltminister Olaf Lies (SPD) und die Windenergie: vom Saulus zum Paulus?

Wohnen auf dem Lande, hier im Landkreis Aurich – Foto: privat

Wie die Agentur dpd meldet, will sich der niedersächsische Umweltminister Olaf Lies (SPD) nach einer Telefonkonferenz mit seinen Länder-Umweltministerkollegen nun doch für größere Abstände von Windkraftanlagen zur Wohnbebauung einsetzen. Bis vor einer Woche noch hatte sich das Land Niedersachsen mit Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und Umweltminister Lies vehement gegen die von Bundeswirtschaftsminister Altmaier (CDU) vorgeschlagene verbindliche 1000 Meter-Abstandregelung von Windkraftanlagen zur Bebauung gewehrt.

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Meyer-Schiff ´Iona´: keine Zuschauer wegen Corona - landunter in den Brutgebieten

Meyer-Dampfer „Iona“ wird über die Ems an die Nordsee überführt, Höhe Petkum, Gänse verlassen fluchtartig das Schutzgebiet – Foto (C): Eilert Voß

Von den frühen Morgenstunden bis in den Vormittag des 19. März 2020 wurde das neue Kreuzfahrtschiff „Iona“ der Meyer Werft von Papenburg über die enge Unterems an das seeschifftiefe Wasser der Nordsee überführt. Abnehmer des Schiffes ist das britisch-amerikanische Unternehmen P&O-Cruises. Das Novum, als umweltfreundlich beworben, ist der Flüssiggasantrieb (LNG) des Schiffes. Was mit öko beworben wird, muss aber in den Auswirkungen nicht öko sein. Die Unterems gehört zum europäischen Vogelschutzgebiet V10, Emsmarsch von Leer bis Emden.

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Corona-Pandemie: vorübergehendes Aus für Tourismus

Der Tourismus kommt zum Erliegen, es wird ruhig an der Küste werden, auch zu Ostern. Das Corona-Virus ist die Ursache. Das Land Niedersachsen gab dazu am 18. März 2020 einen Erlass an alle Landkreise, die kreisfreien Städte und die Region Hannover heraus, der Näheres regelt (s.u.). Für die Branche bedeutet das nie dagewesene dramatische wirtschaftliche Einbußen. So makaber es aber klingt: Profitieren von der Pandemie und den damit verbundenen Einschränkungen werden die vom Massentourismus gefährdeten Bodenbrüter im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer, dazu gehören die bestandsbedrohten Sandregenpfeifer und Zwergseeschwalben. Keine störenden freilaufende Hunde, keine Menschenmassen in oder an den Schutzgebieten; eine ungewohnte Ruhe wird im Großschutzgebiet einkehren. Für eine begrenzte Zeit Natur Natur sein lassen, wer hätte noch vor kurzem gedacht, dass dies auf solch unerwartet-bizarre Weise Wirklichkeit würde…

Bleiben Sie also zuhause, nutzen Sie die Zwangspause zur Entschleunigung – und bleiben sie gesund, es wird nicht ewig dauern. Unser Titelfoto „Keep Calm And Carry On“ („Ruhe bewahren und weitermachen“) hat zwar keinen Bezug zur aktuellen Corona-Krise, kann aber als Motto in diesen schwierigen Zeiten gelten.

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´Am weiteren Ausbau der Windenergie führt kein Weg vorbei´: NABU und BUND mit am ´Runden Tisch´

Vorfahrt für Windenergie? Blick vom Küstenbadeort Bensersiel/LK Wittmund/NDS auf den Windpark Utgast, direkt am EU-Vogelschutzgebiet – Foto (C): Manfred Knake

Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) ist einer der politischen Lobbyisten für den weiteren Ausbau der Windenergie auf Landes- und Bundesebene, ein schon fanatisch zu nennender Windkraft-Hardliner, wie nicht wenige Kritiker sagen. Am 09. März 2019 fand ein „Runder Tisch“ in der Niedersächsischen Staatskanzlei in Hannover statt, der einigen Zündstoff bieten wird, für die betroffenen Windparkanwohner bis zur EU-Kommission. Die Absicht: Flächen für die Windkraftnutzung in Niedersachsen sollen verdoppelt und nun auch  Wälder für die Windkraftnutzung geöffnet werden. Die unten stehende Pressemitteilung des Niedersächsischen Ministeriums für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz vom 09. März 2020 mit dem Titel „An weiterem Ausbau der Windenergie führt kein Weg vorbei – Runder Tisch zur Zukunft der Windenergie stellt wichtige Weichen“  hat es in sich.

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´Santorini`-Havarie und Murphy´s Law

Die „Santorini“ treibt ruderlos in schwerer See vor Helgoland, 25. Feb. 2020 – Foto (C): Havariekommando

Am 25. Februar 2020 havarierte der unter der Flagge von Barbados registrierte Frachter „Santorini“ vor Helgoland in schwerer See. Das nicht beladene Schiff hatte das Ruder verloren und trieb manöverierunfähig in der Nordsee. Der Notschlepper „Nordic“ wurde von seiner Sturmposition zum Havaristen beordert. Es gelang, eine Notschleppverbindung herzustellen. Drei Feuerwehrleute der Feuerwehr Cuxhaven, darunter ein Notarzt, ein Einsatzleiter der Feuerwehr und ein Notfallsanitäter, wurden von einem Hubschrauber der Bundespolizei auf der „Santorini“ abgesetzt. Sie stellten die medizinische Versorgung sicher. Von den 23 Besatzungsmitgliedern an Bord waren 22 Personen unverletzt. Eine leichtverletzte Person wurde ambulant versorgt.

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Windkraft: 1000-Meter-Abstandsregel gekippt

Leben auf dem Lande: Utarp im LK Wittmund – Foto (C): Manfred Knake

Kommentar: Der auf Bundesebene diskutierte 1000-Meter-Abstand von Windenergieanlagen zur Wohnbebauung wird in Niedersachsen nur von einem Bruchteil der Anlagen erreicht. Von 6431 Windrädern zwischen Nordseeküste und Harz stehen nach Presseberichten nur 854 Anlagen 1000 oder mehr Meter von Wohnhäusern entfernt. 1582 Anlagen halten noch nicht einmal 400 Meter Abstand ein. Die Proteste und Klagen der Anlieger nehmen zu, sie fühlen sich in ihrer Gesundheit durch den messbaren tieffrequenten Schall beeinträchtigt.

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Wandern in der Technolandschaft bei Emden

Windpark „Wybelsumer Polder“ bei Emden – Foto (C): Eilert Voß

Ein Naturerlebnis der besonderen Art: Wandern in der Technolandschaft am Nordufer der Meeresbucht „Dollart“, Bestandteil des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer und „Weltnaturerbe“.

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Ems: und wieder eine Änderung des Planfeststellungsbeschlusses für die Meyer Werft

Yellow River Ems mit Stauwerk: verschlickt und ohne Sauerstoff – Foto (C): Voß

Naturschutz ist wieder einmal das Letzte für die Ems, und vermutlich auch beim Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), wo das „N“ für Naturschutz ganz hinten angehängt ist. Es geht um die Meyer Werft im binnenländischen Papenburg, die viel zu große Schiffe an einem dafür viel zu kleinen Fluss baut. Von 1998 bis 2002 wurde für die Werft bereits das Ems-Stauwerk zur Erhöhung des Wasserstandes für Schiffsüberführungen gebaut, das aber offiziell „Ems-Sperrwerk“ genannt wird, also ein Bauwerk für den Küstenschutz. „Sperrwerk“ musste es heißen, damit die EU-Kommission nicht einschritt, weil das Stauwerk in einem Natura-2000-Gebiet (Flora-Fauna-Habitat- und Vogelschutzgebiet) gebaut wurde und Küstenschutz vor Naturschutz rangiert.

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