Der Seehund: Werbeträger und Opfer des Massentourismus

Seehunde und Krabbenkutter, Borkum Plate – Foto C): Eilert Voß

Der Seehund ist der Sympathieträger des Wattenmeeres, heutzutage jedenfalls. Bis in die siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts wurde er bejagt, als Konkurrent der Fischer. Der „Europäische Seehund“ (Phoca vitulina), wie er korrekt heißt, hat sich in den letzten Jahrzehnten trotz zwischenzeitlicher Bestandseinbrüche durch einen staupeänhlichen Virus prächtig vermehrt – durch die Einstellung der Jagd. Probleme machen den Meeressäugern der immer noch wachsende Massentourismus, der bereits im Juni mit dem Beginn der Sommerferien gewaltig Fahrt aufnimmt, ausgerechnet zur Wurf- und Säugezeit der Seehunde. Wattwanderer, tieffliegende Hubschrauber, an Wurfplätzen anlandende Sportbootfahrer oder Surfer stören an den Liegeplätzen und können so das Muttertier vom Jungtier trennen. Unbedachte Touristen hätscheln vermeintlich verlassene Junghunde, sodass sich das Muttertier nicht mehr an den verlassenen Junghund und laut klagenden „Heuler“ herantraut.

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Höhenfeuerwerk über dem Nationalpark in Bensersiel: NABU schweigt

Symbolfoto – Pixabay

Man feiert sich mal wieder einen Wolf an der Küste, die Zeitungen sind voll von Berichten von Bespaßungsaktionen rund um den Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer, der von der Tourismusindustrie als „Weltnaturerbe“ vermarktet wird, ohne auch nur mit einem Quäntchen zum Schutz dieses Gebietes beizutragen. Aktuell rummste und blitze es wieder in Bensersiel (Stadt Esens) auf dem Dorfplatz, nur wenige hunderte Meter vom Schutzgebiet entfernt. Es musste mal wieder ein Höhenfeuerwerk sein, das kilometerweit in den Nationalpark hineinwirkt und die dort rastenden Zugvögel zu Panikfluchten veranlasst. Am 06. August ergötzte sich die Masse der Urlauber am Feuerwerk. Da in Bensersiel der Naturschutz im Saale des „Wattenhuus“ (Nationalparkhaus-Haus des Naturschutzbundes Deutschland, NABU-Landesverband Niedersachsen) zusammen mit der Stadt Esens betrieben wird, fragte der Wattenrat bei der Hausleiterin nach einer Bewertung dieses Spektakels über dem Großschutzgebiet an.

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Welt-Rangertag am 31. Juli 2019: Weichgespültes von Presse und Nationalparkverwaltung

Nationalpark Ranger, USA – Screenshot, Bildzitat, https://eu.usatoday.com/story/news/nation/2019/06/29/national-parks-rangers-vanishing-putting-visitors-risk/1503627001/, abgerufen am 30. Juli 2019

Am 31. Juli ist Welt-Rangertag. So sieht die Nationalparkverwaltung in Wilhelmshaven ihre Wattenmeer-Ranger, Zitat: „Während die Nationalpark-Ranger*innen im Wattenmeer gut ausgestattet sind und laufend fortgebildet werden, sieht dies in anderen Teilen der Welt ganz anders aus.“ Zur Pressemitteilung hier

Wie bitte? Werden Ranger in anderen Ländern (sogar in sog. „Entwicklungsländern“) etwa nicht aus- und fortgebildet? In einigen Ländern haben Ranger Polizeigewalt („law enforcement“) und leisten – notwendigerweise – echte Polizeiarbeit im Naturschutz. Dazu gehört die Ahndung von Jagdverstößen und die Verfolgung von Übertretungen der jeweiligen Park-Regeln.

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GEO-Rezension: Thema Windenergie -´Gut fürs Klima, schlecht für die Natur?´

Screenshot: GEO-August 2019

Das Magazin GEO thematisiert nach 30.000 installierten Windkraftanlagen in Deutschland nun auch den Konflikt Windenergie und Naturschutz im Augustheft 2019: „Gut fürs Klima, schlecht für die Natur? Wie wir das Dilemma der Windkraft lösen.“ Gelöst wird zwar im GEO-Beitrag wenig, deshalb empfiehlt der Wattenrat den kritischen Rezensionstext, veröffentlicht bei der Europäischen Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen (EGE), den wir mit freundlicher Genehmigung übernehmen. Die im Text verwendeten Fotos sind vom Wattenrat und nicht Bestandteil des EGE-Textes.

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Norderney: die volle Dröhnung

Screenshot-Bildzitat: Ostfriesischer Kurier, Norden, 24. Juli 2019

Schon Wilhelm Busch wusste: „Musik wird oft nicht schön gefunden, weil sie stets mit Geräusch verbunden. (aus: „Der Maulwurf“, 1872).
Mit erheblichen Geräuschen ist in den nächsten Tagen auch im Großschutzgebiet Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer und „Weltnaturerbe“ zu rechnen, die Tourismus-Bespaßungsindustrie läuft auf Hochtouren. Seit gestern wummern z.B. die Bässe über den Strand von Norderney, „Summertime#19“ heißt der fünftägige „Ausnahmezustand“ auf der Insel, mit „Party, Konzerten und Entertainment“; der Nationalpark wird zur „Kulisse“ degradiert.

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Delfzjil: niederländisches Verwaltungsgericht kippt weitere Industrialisierungspläne an der Ems

Blick auf den „Chemie-Park“ (Ausschnitt) in Delfzijl/NL an der Ems, Natura-2000-Gebiet – Foto (C): Eilert Voß

Das oberste niederländische Verwaltungsgericht „Raad von State“ stoppte den Flächennutzungsplan (Bestemmingsplan) für die Erweiterung eines Industriegebietes in Delfzjil an der Ems. Der Rat der Stadt Delfzjil hatte den Plan 2017 verabschiedet. Dagegen geklagt hatten die Bürgerinitiative Saubere Luft Ostfriesland, die niederländische „Vereniging van Zuivere Energie Westerwolde“ und die „Gasunie Transport“. Wie die niederländische Zeitung „Dagblad van het Noorden“ aus Groningen am 17. Juli 2019 berichtet, liegt das geplante Industriegebiet „Oosterhorn“ südöstlich des Zentrums von Delfzijl an der Ems.

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Schlafstrandkörbe im Nationalpark zum Zweiten: aus illegal wird legal

Schlafstrandkrob, Insel Norderney, Aug. 2018 – Foto (C): privat

Mitten im Winter, in der weitgehend touristenlosen Zeit im und am Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer, berichtete der Wattenrat bereits über die neueste Marketingnummer der kräftig angegrauten „weißen Industrie“: Schlafstrandkörbe: hier

Dabei werden diese speziellen Strandkörbe schon seit zwei Jahren, nicht nur auf den Inseln, vermarktet, allerdings oftmals ohne Rechtsgrundlage. Das Campen auch in der Erholungszone des Nationalparks, den Stränden, ist laut § 15 des Nationalparkgesetzes verboten, aber was heißt das heutzutage schon.

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Norderney: Inselsicherung durch Strandaufspülung - ´Building with Nature´

Norderney: Strandaufspülung 2012 – Foto: Screenshot, Bildzitat, Archiv NLWKN, abgerufen am 17. Juli 2019

Es wird wieder gespült und gebaggert im Nationalpark, diesmal auf der Insel Norderney. Aus der nahen Robbenplate im Watt wird das Sediment entnommen. Zur Verwendung kommt schweres Gerät: Saugbagger, Spühlrohrleitungen, LKWs, Radlader und Kettenbagger werden zur Inselsicherung eingesetzt. Damit es ein bisschen nach Natur klingt, verkauft der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLKWN) die notwendigen Sandaufspülungen auf Norderney im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer und „Weltnaturerbe“ mit dem angelsächsischen Begriff „Building with Nature“ (Großbritannien liegt ja auch nur 370 km von Norderney entfernt…). Das Kind bekommt den nach Natur klingenden Öko-Namen, obwohl dies in Wirklichkeit ein schwerer und wenig dynamischer Eingriff in das Ökosystem dieses Großschutzgebietes ist.

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Heiße Luft: ´Wir verlieren die Kontrolle über das Klimasystem´

Tagesschau bei Facebook

Öffentlich-rechtlicher Irrsinn mit Methode: Die ARD-Tagesschau zitiert unkommentiert Prof. Dr. Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK, eingetragener Verein), das vom Bund und den Ländern anteilig finanziert wird. Zitat Rahmstorf: „Wir verlieren die Kontrolle über das Klimasystem“. Das PIK gilt als Klima-Think-Tank und Einflüsterer der Politik und wird von den unkritischen Medien immer wieder gerne genommen.

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Dornumersiel will Schleuse für den Mahlbusen - im EU-Vogelschutzgebiet

Der Mahlbusen (gelbe Markierung Bildmitte) in Dornumersiel – Foto: google earth

Im Küstenbadeort Dornumersiel (Gemeinde Dornum im Landkreis Aurich) möchte man den Mahlbusen – ein Süßwassersee und Vorfluter – mit einer Schleuse an das Fahrwasser im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer („Weltnaturerbe“) anbinden. Das Projekt gärt schon seit Jahren, scheiterte aber immer an der Finanzierung. Den niedersächsischen Landespolitikern des Unterausschusses für Häfen und Schifffahrt, die nun das Projekt begrüßen (siehe Pressebericht unten), ist in ihrer Euphorie aber offensichtlich einiges entgangen: Der Mahlbusen ist Teil des europäischen Vogelschutzgebietes V63 „Ostfriesische Seemarschen von Norden bis Esens“ und darf ohne vorhergehende und nach dem Bundesnaturschutzgesetz vorgeschriebene FFH-Verträglichkeitsprüfung (Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie der EU) baulich nicht nachteilig verändert werden.

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