
Screenprint https://www.tennet.eu/de/langeoogostbense
Der staatliche niederländische Netzbetreiber TenneT B.V und die Dortmunder Amprion GmbH als Übertragungsnetzbetreiber errichten Netzanschlüsse für Offshore-Windparks in der Nordsee und den Anlandepunkten in gemeinsamen Trassenkorridoren an Land. Derzeit läuft das Planfeststellungsverfahren für das Windenergie-Offshore-Netzanbindungssystem BalWin5 auf der Insel Langeoog, durch das Watt des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer bis zum Anlandungsbereich Ostbense im Landkreis Wittmund. Mit den Bauarbeiten für die Kabelverlegung soll 2027 auf Langeoog begonnen werden:
„Für die Unterquerung der Insel Langeoog kommt das Horizontalbohrverfahren (englisch: Horizontal Directional Drilling / HDD) zum Einsatz. Bei dieser Bohrtechnik wird das Kabel in einem unterirdischen Bohrkanal verlegt. Offene Bauarbeiten an der Oberfläche werden so vermieden beziehungsweise begrenzt“, so auf der Tennet-Webseite.
Bei Amprion findet sich diese Darstellung, und damit wird es schon energiegewendet-ideologisch. Amprion: „Den Windstrom an Land bringen – Langeoog als Teil der Energiewende
Damit Deutschland seine Klimaziele erreicht, sollen Windparks auf See im Jahr 2045 so viel elektrische Leistung bereitstellen wie etwa 80 große Kohlekraftwerke. Dafür braucht es nicht nur neue Offshore-Windparks, sondern auch neue Leitungen, die sie mit dem Übertragungsnetz verbinden. Der Insel Langeoog kommt hierbei eine besondere Bedeutung zu, da die Leitungen auf ihrem Weg von den Offshore-Windparks in der Nordsee bis in die Verbrauchszentren von Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Hessen die Insel im ´Langeoog-Korridor´ unterqueren.“
Einfluss aufs „Klima“?
Ob Windkraft auf See (oder an Land) überhaupt Einfluss auf das großräumige Wettergeschehen, die Temperaturbeeinflussung im Zehntelgradbereich und in der langfristigen Folge auf das Klima haben kann, ist überaus fraglich. Windkraft ist ein Geschäftsmodell, mit Steuergeldern in hoher Milliardenhöhe unterstützt. Und Windparks können keine verlässlich einspeisenden Wärmkraftwerke ersetzen, da sie den elektrischen Strom nicht bedarfsgerecht, nur windabhängig, einspeisen können, deshalb heißt die Windenergie auch Windenergie.
Widerstand auf der Insel Langeoog
Auf der Insel Langeoog im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer, EU- Vogelschutz- und FFH-Gebiet und „Weltnaturerbe“, regt sich Widerstand gegen die Horizontalbohrungen unter der Insel hindurch. Die Insel ist nicht, wie andere Ostfriesische Inseln, an eine Trinkwasserleitung vom Festland angeschlossen. Die Insulaner beziehen ihr Trinkwasser aus einer Süßwasserlinse im Inselkern. Die Insel lebt vom Tourismus und dem hohen Gästeaufkommen, eine Gefährdung der Trinkwasserversorgung wäre das Aus.

Olaf Hube vom neu gegründeten NABU auf Langeoog – Foto: privat (mit freundlicher Genehmigung)
NABU-Ortsgruppe auf Langeoog gegründet
Im Oktober 2026 wurde eine NABU-Ortsgruppe auf Langeoog gegründet, die eine Klage gegen das Projekt der Horizontalbohrung erwägt. Neben den befürchteten Auswirkungen auf die Wasserversorgung macht die neue NABU-Gruppe auch auf die Auswirkungen der Bauarbeiten auf streng geschützte Vogelarten auf der Insel aufmerksam. Da liegt die Schnittmenge zwischen den Langeooger Bedenken und denen des Wattenrates.
TenneT und Amprion weisen die Befürchtungen zurück, nur werden sie bei der Bewertung der Eingriffsfolgen beim Anlandepunkt Ostbense auf dem Festland im EU Vogelschutzgebiet V63 „Ostfriesische Seemarschen von Norden bis Esens“ sehr spärlich. Hier werden mehrere Hektar große Binnendeichsflächen im Schutzgebiet an der Schnittstelle zu Nationalpark Wattenmeer für die Arbeitslogistik in Anspruch genommen werden, für mehrere Jahre. Es wird eine Baustraße und ein Lagerplatz für Rohre, Kabel, Container und Baumaschinen entstehen. Wie das bereits am Anladepunkt bei Dornumersiel im Landkreis Aurich, ebenfalls im EU-Vogelschutzgebiet V63, für die Verlegearbeiten von Baltrum aus aussieht, hat der Wattenrat hier dokumentiert.

Tennet/Amprion Kabelanbindung westl. Dornumersiel, April 2026. Ca. 1 km lange schwerlastfähige Schotterstraße. Im Hintergrund großflächiger Maschinen- Abstellplatz im Vogelschutzgebiet V63, rechts der Seedeich – Foto: Manfred Knake/Wattenrat
Die Baustraße ist dort ca. 1km lang, geschottert, große Flächen werden für lagernde Kabelstränge, Container oder Baumaschinen in Anspruch genommen. Brut, Nahrungs- und Rastflächen (Hochwasserrastplätze) für streng geschützte Vogelarten wie die durchziehenden Großen Brachvögel oder den Goldregenpfeifer werden für Jahre ausfallen, arktische Gänse verlieren Teile ihre Nahrungsflächen. Genau diese Auswirkungen wird das auch am Anlandepunkt am Festland in Ostbense haben, dort brüten u.a. auch streng geschützte Rohrsängerarten im Schilf. So kommt der Naturschutz „nachhaltig“ auch mit Leitungsanbindungen wieder unter die Windräder, die weiter weg auf See stehen und dort zu Massenkollisionen für Zugvögel führen können.
Eingriffsfolgen weggegutachtet
Die zuständige Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr führt das Planfeststellungsverfahren durch, ein bekanntes Gutachterbüro aus Oldenburg hat wesentliche Auswirkungen auf den Naturschutz ausgeschlossen. Ersatzmaßnahmen für die Baumaßnahme, sog. „kohärenzsichernde Maßnahmen“ bei Eingriffen in FFH- oder Vogelschutzgebiete seien nicht notwendig. Das Büro ist bei Naturschützern „umstritten“.
Naturschutzfachliche Stellungnahmen sind auf dem Weg
Das gemeinsame Naturschutzbüro „Labün“ (Landesbüro Naturschutz) einiger niedersächsischer Naturschutzverbände in Hannover bereitet eine Stellungnahme zum laufenden Planfeststellungsverfahren vor. Der Wattenrat hat seine Stellungnahme bereits der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr vorgelegt, die sie hier lesen können.
Schon frühere Eingriffe in das Vogelschutzgebiet
Verfolgt man die bereits erfolgten Eingriffe in das Vogelschutzgebiet V63 „Ostfriesischen Seemarsch von Norden bis Esens durch das Repowering eines großen Windparks in Utgast/Gem. Holtgast/LK Wittmund direkt am Vogelschutzgebiet ohne die Datenerfassung von Vögeln und Fledermäusen, oder den gerichtlichen festgestellten rechtswidrigen Bau der Umgehungsstraße Bensersiel/Stadt Esens, oder 2024 die Durchführung der Europameisterschaft der Friesensportler zur Brutzeit am Deich bei zwischen Neuharlingersiel und Ostbense ohne eine ausreichende Verträglichkeitsprüfung (Schirmherr war der damalige Ministerpräsident Stefan Weil, SPD), muss man zum Schluss kommen, dass Naturschutz auch in europäischen Schutzgebieten nur auf dem Papier besteht.