2. Juni 2019

NABU: Verbandspräsident Olaf Tschimpke muss gehen

Olaf Tschimpke, NABU-Präsident – Foto (C): Bayerischer Rundfunk, Mediathek (Screenshot-Bildzitat, abgerufen am 02. Juni 2019)

Noch ist Olaf Tschimpke Präsident des Naturschutzbundes Deutschland (NABU), früher Deutscher Bund für Vogelschutz (DBV). Er muss den Verband verlassen, nicht ganz freiwillig, mehr hier. Olaf Tschimpke war vor seinem Posten als NABU-Bundesvorsitzender zunächst ab 1985 Geschäftsführer und 2000 Vorsitzender des NABU-Landesverbandes Niedersachsen. Nach Insider-Angaben soll er damals den Niedersachsen-NABU finanziell an die Wand gefahren haben. Der NABU ist längst nicht nur mehr „ehrenamtlich“ tätig, er ist ein Naturschutzkonzern, der seinen hauptamtlichen Mitarbeitern Gehälter zahlt und seinen ehrenamtlichen Mitgliedern auch das gute Umweltgewissen vermittelt.

Viele der nach NABU-Angaben 720.000 Mitglieder und Förderer sind Karteileichen. Die Geschäftsstelle residiert in Berlin. NABU-Mitglieder werden auch mit fragwürdigen Drückerkolonnen einer professionellen Werbeagentur (Agentur Wesser, Stuttgart) und professionellen Mailings im Internet zur Adressengewinnung wie „Die Stunde der Gartenvögel“ gewonnen. Die Medien veröffentlichen diese Werbeaktionen im redaktionellen Teil und in der Regel, ohne die tatsächlichen Hintergründe und Absichten zu nennen. Der NDR dagegen hatte schon einmal „nachgebohrt“. Marketing ist ein wesentlicher Bestandteil der NABU-Politik. Die stellvertretende Geschäftsführerin Angelika Richter ist Leiterin des Fachbereiches Kommunikation beim NABU. Sie ist verantwortlich für die Außendarstellung, das Marketing und die Mitgliederwerbung des Verbandes auf Bundesebene.

Olaf Tschimpke wird eine große Nähe zur Politik der Bundesregierung nachgesagt, die nicht gerade naturschutzfreundlich ist. Olaf Tschimpke soll nun auf einen neuen, ebenfalls lukrativen Posten geschoben werden, an die Spitze der „NABU International Naturschutzstiftung“ mit gleichem Gehalt von ca. 150.000 Euro. Die NABU-Untergliederungen, Kreis- und Ortsverbände, arbeiten ehrenamtlich.

Tschimpkes Vorgänger auf Bundesebene war von 1992 bis 2003 Jochen Flasbarth, der dann ab 2003 von Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) zum Abteilungsleiter Naturschutz und nachhaltige Naturnutzung im Umweltministerium berufen wurde. 2013 wechselte Flasbarth als beamteter Staatssekretär in das Bundesumweltministerium.

Und noch ein NABU-Karrieresprung: Der frühere NRW-NABU-Landesvorsitzende Josef Tumbrinck wechselte im April 2019 ins Bundesumweltministerium (BMU) nach Bonn. 23 Jahre war er Landesvorsitzender des NABU in Nordrhein-Westfalen. Er wurde Unterabteilungsleiter für Naturschutz im BMU. Wie man sieht, wirkt der NABU auch als Karrieresprungbrett in die behördlichen regierungsnahen Positionen.

Windenergienutzung in der Samtgemeinde Holtriem (Westerholt) im LK Wittmund/NDS – Foto (C): Manfred Knake

Der Neue

Der designierte „neue“ NABU-Präsident ist Jörg-Andreas Krüger, Jahrgang 1968. Derzeit ist er in der Geschäftsleitung des WWF-Deutschland zuständig für die Klima- Energie- und Landwirtschaftspolitik. Krüger äußerte sich in dem oben verlinkten Beitrag schon mal kritisch zur Windenergienutzung und der bisherigen NABU-Position. Dieses brisante Themenfeld der „Energiewende“ hat der NABU seit Jahren mit unsäglicher Eierei „sowohl als auch“ bearbeitet. Zitat aus dem oben verlinkten Beitrag:

„So nicht – das muss die Botschaft ganz klar sein.“ Es gelte, alle Formen der Landnutzung mitzubetrachten. „Wir haben Landschaften, die sind vom Belastungsniveau her als Ökosystem zu 120, 150 Prozent belastet.“ Und beständig kämen neue Belastungen hinzu: “So kann das nicht funktionieren. Biodiversität zu schützen, heißt eben auch, sie zuhause zu schützen, selbst wenn wir hierzulande nicht so eine weltweit bedeutsame Artenvielfalt haben wie es sie in Costa Rica oder Brasilien gibt. Aber wir haben eine Verantwortung, die müssen wir auch in Deutschland leben.“ Einen Schlüssel sieht der gelernte Landschaftsarchitekt in einer besseren Planung auf regionaler Ebene. Es bedürfe eines neuen Anlaufs, nachdem in den letzten Jahrzehnten „wahnsinnig viel Porzellan zerschlagen worden ist“. Die bevorstehende erste große Welle des Auslaufens der Förderung für alte Windräder und das anstehende Repowering vieler Anlagen bieten nach Krügers Überzeugung einen guten Hebel: „Das muss man nutzen, um die schlimmsten Standorte einfach nicht mehr existieren zu lassen.“

Wie wahr. Nur kommt diese Einsicht bei derzeit ca. 30.000 Windkraftanlagen in Deutschland, dem abertausendfachen Fledermaus- und Vogeltod an den Rotoren, recht spät. Es sind die zahlreichen Bürgerinitiativen, die seit langem gegen die Zerstörung der Landschaft und die gesundheitlichen Belastungen der Anwohner Front machen, manchmal auch gegen den NABU mit seinen „weichen“ Positionen.

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