3. September 2011

Salzwiese zwischen Dornumersiel und Bensersiel hat sich erholt, aber wie lange?

Salzwiese bei Dornumersiel (LK Aurich): links Quecke, rechts Strandaster

Diese Salzwiese vor dem Seedeich östlich von Dornumersiel im LK Aurich hat sich  innerhalb nur eines Jahres prächtig entwickelt, auf einem Teilbereich.  Große Flächen des oberen Teils der Salzwiese waren und sind nach wie vor mit der Strandquecke ((Agropyron litorale) überwachsen und verdienen den Namen „Salzwiese“ gar nicht mehr, weil die typischen Pflanzen der Salzwiese weitgehend fehlen. Ursache ist die starke Entwässerung durch senkrecht zum Seedeich in Richtung  Watt verlaufende Gräben („Grüppen“) und die fehlende extensive Beweidung als „Pflegeschnitt“.

Ab der Gemarkung „Westerbur“ in Richtung Bensersiel war die Salzwiese stark überweidet, dafür aber wegen der Kurzrasigkeit mit Andelgras (Puccinellia maritima) eine gut angenommene Äsungsfläche für Ringel- und Nonnengänse.

Juni 2010: kurzrasige überweidete Salzwiese vor der Einzäunung

Vor mehr als einem Jahr wurde dieser kurzrasige Salzwiesenbereich mit einem Elektrozaun eingezäunt und hat sich seitdem völlig verändert. Auffallend sind die Hochstauden der Strandaster (Aster tripolium). Weiter in Richtung Bensersiel geht die dort tiefliegendere Salzwiese  in einen Schlickgrasrasen (Spartina spec.) über.

Strandastern dominieren nun auf dieser Salzwiese

Das Problem: Falls diese neue schöne Salzwiese im „Weltnaturerbe“ nicht gepflegt, also weiter stark entwässert und nicht extensiv (!) beweidet wird, wird sie in ein paar Jahren genauso desolat aussehen wie die völlig verqueckte Salzwiese östlich von Dornumersiel und weder für Brutvögel oder Insekten attraktiv sein. Allerdings werden Rastvögel die neu entstandene Hochstaudenfläche meiden, sie werden nur den wattnahen unteren Teil der Salzwiese nutzen können.

Insekten wie dieser "Fuchs" sind wieder in der Salzwiese heimisch

Und verqueckte Salzwiesen gibt es nicht nur in Dornumersiel, sie sind an der Küste im „Weltnaturerbe“ wegen mangelnder Pflege und unzureichendem „Salzwiesenmanagement“ durch die Nationalparkverwaltung in Wilhelmshaven weit verbreitet.

Salzwiese östlich Dornumersiel: Strandquecke bis zum Horizont

Die Strandquecke ist ein mehrjähriges Gras, das dichte, bis zu einem Meter hohe geschlossene Bestände in der oberen Salzwiesenzone bildet. Sie verträgt keine Staunässe und kommt auf trockeneren Standorten vor. Strandqueckenbestände kommen in vielfältigen Variationen vor. Manche Varianten haben graue oder bläuliche Wachsüberzüge auf den Blättern. Queckenfluren sind überrwiegend frei von anderen Pflanzenarten, da junge Quecken hoch wirksame Wuchshemmstoffe in den Boden abgeben, die das Wachstum anderer Pflanzen bremsen. Strandqueckenfluren treten vor allem dort auf, wo die Schafbeweidung auf den Salzwiesen eingestellt  wurde, um der eigentlich vorgesehenen natürlichen Pflanzenentwicklung im Nationalpark Wattenmeer wieder Platz zu machen. Wo noch 1990 kurz gefressene Salzwiesen überwogen, erstrecken sich heute weiträumige Strandquecken“steppen“.

Link: NLWKN: Naturschutzfachbehörde macht Salzwiese im Nationalpark platt, für Spaziergänger verboten, für Kettenfahrzeuge erlaubt

Update 2014: Es kam, wie es kommen musste: Seit mehr als einem Jahr verqueckt auch diese Salzwiese durch die zu intensive Begrüppung und fehlende Beweidung wieder stetig. Als „Pilotprojekt“ wird nun ein Teil der Salzwiese östlich von Dornumersoiel auf 10 Hektar von der Deichschäferei Ostbense versuchsweise mit Schafen beweidet, allerdings müsste auch die Begrüppung, also die Anlage und Unterhaltung von Entwässerungsgräben, zusätzlich reduziert werden. Wattenrat wirkt!

 

 

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