4. Juni 2010

NABU und BUND als Propagandisten der Windenergie gegen den Vogelschutz

Rechtes Emsufer (Dollart): Wind"park" im faktischen Vogelschutzgebiet an der Ems

Der „mitgliederstärkste“ Naturschutzverband NABU ist an Beliebigkeit kaum noch zu überbieten. Während sich lokale und regionale Naturschützer vehement gegen den weiteren Ausbau der Windkraft und die Industriealisierung ehemals unbebauter Kulturlandschaften wenden, während eine große Zahl von direkt betroffenen Bürgerinnen und Bürgern in zahlreichen Initiativen als Anwohner von lärmenden Windparks gerade in Brandenburg Front machen gegen den völlig überzogenen Ausbau der Windkraft, die nur für die Betreiber und die Kommunen über die Gewerbesteuer lukrativ ist, während sich die „Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten“ für größere Abstände zu Vogelbrut- und Rastgebieten ausspricht, macht sich z.B. der NABU-Brandenburg zusammen mit dem BUND gemein mit den Nutzerinteressen. Der NABU Niedersachsen zieht nach und macht sich ebenfalls zum Windkraft-Propagandisten mit Sowohl-als-auch-Rhetorik.

Vorgeschoben wird wieder einmal der ominöse „Klimaschutz“. Auf das Wetter und in Folge auf den statistischen Wert der Wetter-Langezeitentwicklung haben aber Windkraftwerke keinen messbaren Einfluss. Für jedes installierte Megawatt Windkraftleistung muss als Faustregel 1 Megawatt Regelenergie aus Wärmekraftwerken vorgehalten werden, um das Stromnetz stabil zu halten. Das bedeutet zusätzlichen Bedarf an Kohle oder Gas. Um den Windstrom abführen zu können, müssen neue riesige Höchstspannungsleitungstrassen durchs Land geschlagen werden; für die geplanten Offshore-Windpark sind das allein 800 km neue Leitungstrassen durch Deutschland. Das alles unterstützt der NABU als „anerkannter“ Naturschutzverband.

Linkes Emsufer (Dollart): Wind"park" mit Gaskraftwerken und Kohlekraftwerk (im Bau) im Industriegebiet Eemshaven/NL am linken Ufer der Ems (Dollart)

Viele völlig unkritische NABU-Mitglieder wurden durch bezahlte Drückerkolonnen an Haustüren geworben, viele Karteileichen säumen also die NABU-Politik. Nur die biedere Mitgliederstruktur von Nistkastenaufhängern und Gartenvogelerfassern in mehrheitlich konfliktscheuen Untergliederungen machen solche fragwürdigen Funktionärsaussagen erst möglich. In Brandenburg gar biedert man sich an die Landesregierung mit ihren rigorosen Ausbauplänen geradezu an. Warum? Welche Abhängigkeiten gibt es dort?

In Niedersachsen und im Besonderen an der Wattenmeerküste  hat sich der NABU bisher nicht gegen Windkraftwerke auch in Vogelschutzgebieten mit Protesten oder Initiativen gewandt, es bleibt bei unverbindlichen Eiereien in der Öffentlichkeit.

Hier eine Leseprobe von der WebSeite des NABU-Brandenburgs:

http://brandenburg.nabu.de/naturschutz/energie/windenergie/12312.html

Umstellung auf Erneuerbare ohne Alternative

NABU und BUND verabschieden Windkraft-Positionspapier

Einige Vogelarten haben sich mit den Windrädern arrangiert. Andere wie der Schreiadler reagieren höchst empfindlich.

10. Mai 2010 – Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und der Naturschutzbund (NABU) haben heute in Potsdam betont, dass es zur Umsetzung der Energiestrategie des Landes im Bereich der Erneuerbaren Energien keine Alternative gibt. Dabei kann die Landesregierung mit der Unterstützung der beiden Naturschutzverbände rechnen.
Die konkrete Ausgestaltung muss nach Überzeugung von BUND-Landesgeschäftsführer Axel Kruschat differenziert betrachtet werden, da jede Art der Energieerzeugung auch ein Potenzial zu Fehlentwicklungen beinhaltet. Kruschat sieht hier eine besondere Verantwortung der Regionalen Planungsgemeinschaften und fordert die Aufnahme verbindlicher Klimaschutzziele in die Landesplanung. […]

Nordkurier, Uckermark, Brandenburg

Artikel vom 02.06.2010

Nabu spricht sich für große Windparks aus Potsdam (froe). Windenergieregionen statt allerorts verspargelte Landschaft: Die von Naturschutzverbänden geforderte Verdichtung bestehender Windparks statt einer Vielzahl neuer Eignungsgebiete stößt in der Landespolitik auf Zuspruch. Dabei zeichnet sich schon jetzt ab, die Planungsregionen werden die Zielmarke von zwei Prozent Landesfläche für Windenergie nach bisherigen Maßgaben nicht erreichen.

In der rot-roten Regierungskoalition wird daher offen darüber nachgedacht, wo neue Flächen für Wind- und Solarparks geschaffen werden können, um langfristig den Ausstieg aus der klimaschädlichen Braunkohleverstromung voranzutreiben. Im Gespräch sind aufgeweichte Restriktionen im Naturschutz und eine Vorrangregelung für Öko-Energieanlagen, als Wind-Standorte Wälder und Militärbrachen. Umweltministerium Anita Tack (Linke) wird koalitionsintern sogar kritisiert, weil sie zwei Prozent der Landesfläche zur Wildnis erklären will. […] Nabu-Landeschef Tom Kirschey sagte, es sei besser neue Anlagen in Regionen mit vielfach bestehenden Windparks zu bauen, als an anderer Stelle in noch nicht verspargelte Landschaften. Wälder und die zahlreichen Schutzgebiete sind für die Umweltverbände dagegen weiter tabu. Bei den Regierungsparteien und der Opposition herrscht weitgehend Einigkeit, die Naturschützer stoßen auf Zustimmung. So fordert Kirschey den Abstand zwischen Windparks von fünf Kilometern aufzuheben, weil dies für die Energiegewinnung und den Umweltschutz nicht sinnvoll sei.[…]

Wie in einer konzertierten Aktion zieht der NABU-Niedersachsen ebenfalls am 04.Juni 2010 nach: Man unterstützt (!) das Repowering, also den Ersatz von größeren gegen kleinere Anlagen, obwohl man um die Probleme um den Vogelschutz gerade am Beispiel der Gefährdung der Weihen weiß.

Allerdings gab NABU-Landesvorsitzender Dr. Buschmann zu bedenken, dass die größeren Anlagen auch unvorgesehene Risiken in sich bergen können. So mehren sich beispielsweise Hinweise, dass sich die seltene Wiesenweihe von kleinen Anlagen nicht beeindrucken lässt, aber durchaus den Rotoren größerer Anlagen zum Opfer fällt…

..was natürlich fachlich völliger Unsinn ist, auch die „kleinen“ Anlagen sind  bis 80m hoch und gefährden Greifvögel.

Auch der Offshore-Wind“park“ „Alpha Ventus“ vor Borkum wird ausdrücklich begrüßt, die Aussagen sind an Beliebigkeit und Effekthascherei kaum zu überbieten; die Katastrophe von Tschernobyl und die Errichtung von „Alpha Ventus“ haben nichts miteinander zu tun, Windkraftwerke können keine Atomkraftwerke ersetzen, also ein reines Propagandakonstrukt des niedersächsischen NABU-Vorsitzenden. Und gerade Offshore-Wind“parks“ gefährden ziehende Vögel erheblich.

„Diese Inbetriebnahme kommt einen Tag nach dem Jahrestag von Tschernobyl zur rechten Zeit, da die großen Energiekonzerne derzeit offenbar lieber auf eine Verlängerung der Laufzeiten von veralteten Atommeilern setzen als auf den Bau von neuen Windparks auf dem Meer“, erklärte Dr. Holger Buschmann, Landesvorsitzender NABU Niedersachsen.[…]

Neben den möglichen Auswirkungen auf Meeressäuger, wie zum Beispiel die Schweinswale, sind insbesondere die Effekte auf die Vogelwelt Gegenstand jüngerer Forschung. Nichtsdestotrotz sind auf diesem Gebiet dringend weitere Forschungsanstrengungen notwendig. “Begleitforschung ist also notwendiger denn je, und keinesfalls als Kosmetik einzustufen”, sagte NABU-Landesvorsitzender Dr. Buschmann.

Der NABU hätte mindestens zwanzig Jahre lang Zeit gehabt, sich gegen die Industriealisierung ganzer vorher unbebauter Landstriche mit riesigen Windkraftanlagen auch in EU-Vogelschutzgebieten zu positionieren. Nichts ist geschehen, jetzt wird die zunehmende Kritik aus Wissenschaft und Bevölkerung an den Riesenrotoren mit lauer Betroffenheitsrhetorik aufgegriffen, aber nicht gehandelt. NABU? Nein Danke!

Links:

* (Der erste Beitrag auf der Seite des Wattenrates):  Wie eine Landschaft unter die Windräder gekommen ist (1996) http://www.wattenrat.de/wind/wind01a.htm

* Länder-Arbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten: Abstandsregelung für Windenergieanlagen zu bedeutsamen Vogellebensräumen sowie Brutplätzen ausgewählter Vogelarten (2007)

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