22. November 2011

Prof. Succow und die Offshore-Windenergie: „Keine Gefahr für Vögel“, Sitzstangen für Zugvögel!

Leuchtturm "Roter Sand" in der Außenweser bei Nebel, erbaut 1885, Höhe 28m über mittlerem Hochwasser. In unmittelbarer Nähe soll der Wattenmeer-Windpark "Nordergründe" entstehen: derzeitiger Planungsstand 18 Repower-Anlagen, 126m Rotordurchmesser, Gesamthöhe ca. 183 m

Eigentlich ist Prof. Dr. Michael Succow ja ein Leuchtturm des Naturschutzes im Lande. Der Biologe und Agrarwissenschaftler, ein ausgewiesener Moorfachmann aus Greifswald, hat im Osten in den „neuen Bundesländern“ der Republik zu Wendezeiten noch schnell Nationalparks aus der Taufe gehoben. In der Endphase der DDR wurde auf der letzten Ministerratsitzung  am 12. September 1990 das Nationalpark-Programm beschlossen, mit dem sieben Prozent der Fläche der damaligen DDR als Nationalpark oder Biosphärenreservat unter Schutz gestellt wurden. Succow war damals für kurze Zeit Stellvertreter des DDR-Ministers für Natur- und Umweltschutz.

Aber auch Leuchttürme kommen in die Jahre und können ihre Strahlkraft verlieren, durch unbedachte Aussagen zum Beispiel. Die „Frankfurter Rundschau“ interviewte ihn am 12. November 2011 zum Thema „Windenergie“, in dem er sich durchaus kritisch zu der Windkrafteuphorie äußerte: Interview mit Naturschutz-Papst Succow, „Öko-Energie kann auch ein Fluch sein

Aber dann kam´s:

Wie stehen Sie zur Offshore-Windkraft in Nord- und Ostsee? Von dort soll ja bald ein Viertel unseres Stroms kommen.

Das sehe ich eher positiv. Wenn die Offshore-Windparks einmal gebaut sind, entstehen damit auch Ruheräume für die Fische, wo sie vor der grassierenden Überfischung geschützt sind. Dort können sie ihre Kinder groß ziehen, ohne dass irgendjemand dort Fangnetze hineinwirft. Die Sorge, dass Vögel gefährdet werden, erscheint mir unbegründet.

Sie sehen keine Gefahr?

Ornithologen berichten, dass die Offshore-Windparks beim Vogelzug über die Ostsee von kleinen Vögeln als Rastplatz genutzt werden könnten, wenn Sturm oder Nebel herrschen. Dazu müssten die Windanlagen mit Rastvorrichtungen ausgerüstet sein, wo etwa die Rotkehlchen, Buchfinken und Braunellen einen Ruheplatz finden können. Das ist ein kleiner Nebeneffekt der Offshore-Parks, der mich versöhnlich stimmen könnte.

Auch die Standstreifen an den Autobahnen könnte man als Wanderwege herrichten und als „Ruheräume“ mit bequemen Sitzbänken versehen, um die Raserei „versöhnlicher“ zu gestalten. Oder, um beim Strom zu bleiben: Mittelspannungsmasten sind auch hervorragende Sitzstangen für Greifvögel oder Störche, aber tödlich, wenn es zum Masseschluss mit dem Flügel kommt. Nur kann man Windkraftanlagen (die Rotoren müssen sich nicht einmal drehen!) bei  Dunkelheit und Nebel kaum „entschärfen“, wenn abertausende Kleinvögel nachts über das Meer ziehen. Haben sich die erschöpften Vögel eine Windkraftanlage als Ruheplatz ausgesucht, überleben sie dies nur, wenn sich der Rotor nicht oder bei Schwachwind nur sehr langsam dreht. Geraten die Zugvögel in die Rotoren, werden sie getötet. Aber auch wenn das schnelldrehende Rotorblatt sie nicht trifft, platzen im windabgewandten Leebereich der Rotoren die Lungen der Vögel durch den gewaltigen Druckunterschied, das bekannte Barotrauma.  Die Kadaver wird man kaum je finden. Diese „versöhnlichen“ Rasteinrichtungen“ an Windkraftanlagen nach Prof. Succow sind also in Wirklichkeit tödliche Vogelfallen. Die Frage also:  Hat der Herr Professor, mit Verlaub, vielleicht ein (Wind-) Rad ab?

BARD-Nearshore: "Demonstrations"-Windkraftanlage im Nebel, Hooksiel/Wilhelmshaven, Nov. 2011

Diese Offshore-Dramatik wurde bereits untersucht, in den „Fino-Bird“- und „Minos“-Projekten, die Vögel verunglücken in dunklen oder nebligen Nächten nicht nur an den Rotoren, sondern schon am Mast:

Prof. Succow war einige Jahre lang Vizepräsident des Naturschutzbundes Deutschland (NABU). Der NABU (genau wie der BUND)  ist bekannt für seine zeitgeistigen Beliebigkeitssprüche zur Windenergienutzung, für die offenbar keine Landschaft zu schade ist. Der Naturschutzverband tut besorgt, agiert aber selbst als Ökostromanbieter und befürwortet sogar die Windenergienutzung in Natura-2000-Gebieten, also in EU-Vogelschutz- und FFH-Gebieten. Vielleicht erklärt dies Prof. Succows beschwichtigenden Vorschläge zu Windkraftanlagen auf See mit nachgerüsteten Ruheplätzen. Welche „Ornithologen“ er befragt haben will, wird leider nicht erläutert. Die Windenergieindustrie wird seine Anregungen sicher dankbar aufnehmen, imagefördernd ein paar Sitzstangen an die Masten anschweißen und dies über die PR-Abteilungen verbreiten lassen.

Übrigens werden auch Leuchttürme von ziehenden Vögeln als Rastplattformen beim anstrengenden Zug über See aufgesucht. Die gleißenden Lampengehäuse werden aber oft auch zu Todesfallen, häufig geraten Vögel in den blendenden Lichtschein des Leuchtturmes und prallen gegen die Glasflächen, oder sie verunglücken im Nebel an der Außenwand. Leuchttürme dienen aber der Schiffssicherheit, Windkraftanlagen jedoch produzieren noch nicht einmal verlässlich abrufbaren Strom und sind nur bei mitlaufenden gas- oder kohlebefeuerten Regel- oder „Schattenkrafwerken“ betriebsfähig und bilden als künstliche Riffe im Meer ein zusätzliches Kollisionsrisiko für Schiffe.

Eine wesentlich deutlichere Einschätzung der Windenergie kam unlängst von einem der Royals aus dem Vereinigten Königreich. Prinz Philip, Duke of Edinburgh, Ehemann der Queen, äußerte sich unmissverständlich im „Telegraph“ vom 19. Nov. 2011: Windparks seien „völlig nutzlos, vollständig von Fördermitteln abhängig und eine absolute Schande“, sagte er zu einem führenden Mitarbeiter eines Unternehmen für erneuerbare Energien.

The Telegraph, 19. Oct. 2011

Wind farms are useless, says Duke of Edinburgh

The Duke of Edinburgh has made a fierce attack on wind farms, describing them as “absolutely useless”.

Ob die Queen über die deutliche Ansage ihre Ehemannes „amused“ war, wurde nicht berichtet. Und Prof. Succow ist ja auch noch keine neunzig wie Prinz Philip, er kann ja noch dazulernen!

Links:

* BUND fällt schon wieder um: Klageverzicht und Vergleich bei Wattenmeerwindpark “Nordergründe”. Schämt Euch!

und, wie sich die Zeiten ändern, ein Interview mit Prof. Succow aus dem Jahr 2000, als er „ziemlich fertig mit Deutschland“ war:

* Professor Michael Succow
Windkraftprogramm überspannt und unverantwortlich/NABU-Vizepräsident fordert Windkraftanlagen-freie Räume
Interwiev von Klaus Hart für den Raben Ralf, Berlin, 2000

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