11. Juli 2010

„Weltnaturerbe“ Wattenmeer: das Sommerloch mit Abschlussdeich und neuen Stränden gestopft

Die hochsommerlichen Temperaturen schlagen bei einigen Zeitgenossen wohl aufs Hirn. Das Sommerloch gebar im derzeit  subtropischen Ostfriesland absonderliche Vorschläge, die direkt das „Weltnaturerbe“ Wattenmeer, ganz nebenbei auch Nationalpark, Biosphärenreservat, FFH- und EU-Vogelschutzgebiet, tangieren. Nationales und internationales Naturschutzrecht sind für einige Mitbürger vernachlässigbare Kriterien, wenn es um die eigenen Erholungsinteressen geht. Die Ostfriesen Zeitung in Leer heizt damit wieder einmal die Diskussion um noch mehr Nutzungen in einem ohnehin vom Massentourismus gebeutelten Gebiet an. Jeder Hans und Franz  hat eine Meinung und einen Vorschlag, wie man noch mehr Nutzungen  im „Weltnaturerbe“ Wattenmeer unterbringen könnte, ohne aber die Rechtsgrundlagen zu kennen.

Fun und vertriebene Brandenten im "Weltnaturerbe": Norderney, Juli 2010

Wassersportler wollen  den Dollart abdeichen, ein Neu-Greetsieler will einen Badestrand  in der Ruhezone des Nationalparks an der Leybuchtnase, und nun auch noch ein Sandstrand im Nationalpark in Upleward/LK Aurich auf Wunsch des Urlaubers B. Noch jemand mit Vorschlägen? Vielleicht jemand, der ständig bei Rot über die  Ampeln fahren möchte? Dann bitte an die Ostfriesen Zeitung wenden, die druckt jeden Unsinn, sogar mit  Foto. Nur zu den Beeinträchtigungen durch den Massentourismus und  dessen Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenarten im „Weltnaturerbe“ Wattenmeer schweigt sie sich beharrlich aus.

Badestrand an der Leybucht-Nase?

Badestrand (rot) am Leyhörn in der Ruhezone des Nationalparks?

Alle Jahre wieder kommt jemand auf die Idee, in Greetsiel einen Badestrand einzurichten oder das Naturschutzgebiet zu öffnen , diesmal von einem zugezogenen Neu-Greetsieler vorgetragen, der die Historie gar nicht kennt. Es gibt seit dem Bau der „Leybuchtnase“ einen Planfestellungsbeschluss, und der sieht Badestrände im Naturschutzgebiet „Leyhörn“ oder im angrenzenden Nationalpark Wattenmeer nicht vor. Das Betreten des Watts, hier strengste Schutzzone („Ruhezone“), auf dem der „Badestrand“ im Nationalpark („Welterbe!) aufgespült werden soll, ist aus Naturschutzgründen schlicht verboten. Derzeit ist dieser Abschnitt für den Besucherverkehr abgesperrt, weil hier hochgradig bestandbedrohte Sandregenpfeifer brüten, völlig unbekannte Wesen für Strandbewegte.

Ostfriesen Zeitung, online, 10. Juli 2010

Vorschlag für einen Strand bei Greetsiel

Von Fritz Harders

Heinrich Winzberg hat Idee für Badezone beim Leysiel der Interessengemeinschaft vorgestellt. Überall sei er mit seinen Überlegungen auf Interesse und offene Ohren gestoßen. Nur aus der Politik und dem Krummhörner Rathaus sei bislang keine Reaktion gekommen.

Greetsiel – Alle Sielorte an der ostfriesischen Küste haben Sandstrände aufgeschüttet, die die Nordsee erlebbar machen und den Tourismus fördern. Warum ausgerechnet Greetsiel auf diese Möglichkeit verzichtet, ist für Heinrich Winzberg, der seit einigen Jahren in dem Fischerdorf wohnt, nicht nachvollziehbar. Dabei macht er einen Vorschlag, den er auch schon zuständigen Behörden und Verbänden vorgestellt und mit der Interessengemeinschaft Greetsiel erörtert hat. Der Strand könnte nach dieser Idee am 1990 errichteten Deich zur Seeschleuse Leysiel aufgefahren werden […] Ein Strand von etwa 200 bis 300 Metern, 100 Meter zum offenen Wasser hin angelegt, eingegrenzt von Steindämmen, sei nach Einschätzung desNiedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten undNaturschutz (NLWKN) keinen gefährdenden Strömungen und Verschlickungen ausgesetzt. Die Antwort habe er bereits vom NLWKN erhalten.

Ein neuer Strand bei Upleward, LK Aurich?

In Upleward in der Krummhörn gibt es den „Trockenstrand“, binnendeichs. Außendeichs liegt die Zwischenzone, also Schutzzone des Nationalparks. In unmittelbarer Nähe liegt die in Ostfriesland bekannte „Muschelschillbank“ in der Ruhezone, der strengsten Schutzzone des Nationalparks. Hier brüten oder rasten z.T. hochgradig gefährdete Küstenvogelarten, ständig gestört von Kitesurfern, die hier trotz des Verbotes im Nationalparkgesetz von der Nationalparkverwaltung eine Spielwiese im Watt zugewiesen bekommen haben. Das fördert weitere Begehrlichkeiten der touristischen Nutzung.

Ostfriesen Zeitung, 07. Juli 2010

„Sand an Badestelle Upleward auffahren“

URLAUB Einziger Zugang zur Nordsee führt über viel zu schmale Treppe am Deich Ulrich Baumeister aus Manslagt beklagt, dass man am Ufer sofort bis zu den Waden im Schlick versackt. Die Kurtaxe sei in der Krummhörn durch nichts gerechtfertigt.

VON FRITZ HARDERS

KRUMMHÖRN – Außendeichs beim Uplewarder Trockenstrand ist die einzige offizielle Stelle an der Krummhörner Küste, an der man in die Nordsee kann. Die Badestelle ist nach Meinung von Ulrich Baumeister aber wenig einladend. Dabei ist es nicht so sehr die unlängst vom ADAC verbreitete Meldung über die schlechte Wasserqualität dort, die ihn die Kritik üben lässt. Vielmehr wünscht sich Ulrich Baumeister, der seit etwa 20 Jahren in Manslagt eine Ferienwohnung hat, dass die Gemeinde Krummhörn im Bereich der Mittel treppe Sand aufspülen lässt, „damit man nicht sofort bis zu den Waden im Schlick versinkt“. […]

Ein Abschlussdeich für den Dollart?

Dollart mit Abschlussdeich (rot eingezeichnet)?

Der Dollart ist eine Meeresbucht der Emsmündung und Teilbereich des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer, FFH- und EU-Vogelschutzgebiet und  teilweise „Weltnaturerbe“. Mit der Abdeichung würde sich dieses tideabhängige  See- und Brackwasserästuar völlig zu einem Binnensee verändern und sich als riesiges Wassersportgebiet statt Schutzgebiet entwickeln. Die Wassersportler wollen den Teufel Ems-Kanal mit dem Beelzebub Abschlussdeich austreiben, das ist der eigentliche „Blödsinn“!

Ostfriesen Zeitung, S.12, 02. Juli 2010

Die Wassersportler wollen einen Abschlussdeich

SCHIFFFAHRT Arbeitskreis Ems hält Kanal zwischen Leer und Papenburg für die falsche Lösung

„Hier wird Geld verprasst, das man wesentlich sinnvoller einsetzen könnte“, sagt Vorsitzender Michael Suhre.

OSTFRIESLAND – Dem Arbeitskreis Ems, dem Zusammenschluss aller 38 Wassersportvereine im ostfriesischen Revier zwischen Papenburg und Wilhelmshaven, reicht die „inhaltlose und unkonstruktive Diskussion“ um einen Emskanal zwischen Papenburg und Leer. Er reagiert damit auf die Nachricht, dass die Umweltverbände WWF, BUND und Nabu rund eine Million Euro für ein weiteres Emskanal- Gutachten ausgeben wollen . […] „Hier wird Geld einfach verprasst. Geld, das man wesentlich sinnvoller einsetzen könnte“, schreibt Vorsitzender Michael Suhre (Holtland) in einer Pressemitteilung.[…] Die ostfriesischen Wassersportler sehen für die Probleme der Ems, nämlich die Verschlickung und deren teure Bekämpfung durch ständiges Baggern, nur eine Lösung: „Wir brauchen einen Abschlussdeich zwischen Eemshaven undder Krummhörn. Alles andere ist völliger Blödsinn“, schreibt Suhre. […]

Comments are closed.