4. Oktober 2011

Papst Benedikt XVI.: „Irgendetwas in unserem Umgang mit der Natur stimmt nicht“

Franz von Assisi, Holzrelief im Kloster Klodzko, Polen

Heute am 04. Oktober gedenken die katholische- und die anglikanische Kirche Franz von Assisi, dem Schutzpatron auch des Natur- und Umweltschutzes. Der Wattenrat, mehr mit den leider häufigen Versäumnissen weltlicher Instanzen im Umgang mit der Natur und dem Naturschutz beschäftigt, nimmt den heutigen Gedenktag zum Anlass, sich mit geistigen und geistlichen Anregungen aus dem Hause des Vatikans, in diesem Falle des Pontifex zu beschäftigen. Papst Benedikt XVI. würdigte in seiner Rede vor dem Deutschen Bundestag am 22. September 2011 die „ökologische Bewegung“, ohne sich dabei parteipolitisch festzulegen, also kein Grund für die Partei der Grünen, voreilig zu frohlocken.

Er stellte treffend fest,  „dass irgendetwas in unserem Umgang mit der Natur nicht stimmt“. Auch die Mitarbeiter des Wattenrates haben die Wurzeln in dieser „Bewegung“ und wissen aus langjähriger arbeitsreicher Erfahrung, dass sich beim Naturschutz im Lande kaum noch etwas bewegt oder bewegen lässt und uns die Erkenntnis des Papstes daher nicht fremd ist. Nur ist dem Wattenrat deutlicher als dem Papst bewusst , was genau beim Schutz der Wattenmeernatur im Argen liegt.  Die Europäische Gesellschaft zur  Erhaltung der Eulen (EGE) hat sich ausführlich mit dem Papstbesuch in Deutschland und seiner Rede beschäftigt. Mit freundlicher Genehmigung der Eulenfreunde haben wir deren Bild und Text übernommen:

Papst Benedikt XVI. hat am 22. September 2011 bedenkenswerte Worte an die Abgeordneten des Deutschen Bundestages gerichtet. In seiner Rede würdigt der Papst die ökologische Bewegung in der deutschen Politik seit den 70er Jahren als Reaktion darauf, „dass irgendetwas in unserem Umgang mit der Natur nicht stimmt“ und als einen im übertragenen Sinne „Schrei nach frischer Luft“. Die EGE ist wie andere Umweltorganisationen Teil dieser ökologischen Bewegung.

Die Rede des Papstes ist eine tiefgehende Reflektion über die Quelle des Rechts, die Vernunft und letztlich über den Menschen selbst und die Maßstäbe seines Handelns. Aus dieser Rede könnte deshalb auch die ökologische Bewegung, würde sie nicht im Vordergründigen verhaftet bleiben, eine Orientierung beziehen. Klicken Sie bitte hier, wenn Sie die Rede des Papstes lesen möchten.

Ein beträchtlicher Teil der Abgeordneten ist der Rede ferngeblieben, was einiges über diese Abgeordneten und wohl auch über die Gruppen und Gruppierungen sagt, die sie ins Amt gebracht haben. Dieselben Abgeordneten hätten hingegen vermutlich dem Dalai Lama im Bundestag einen begeisterten Empfang bereitet, würden sie nicht die Reaktionen der Volksrepublik China für die deutsche Exportwirtschaft fürchten.

Der Vorgang erinnert an einen großen Heiligen des Mittelalters: Giovanni Battista Bernardone, den die Welt als Franz von Assisi kennt. Als die Menschen ihn nicht hören wollten, hat er der Legende nach den Vögeln gepredigt: Die Aufnahme aus dem Franziskanerkloster im polnischen Klodzko zeigt diese Szene.

1980 hat Papst Johannes Paul II. Franz von Assisi zum Fürsprecher der Naturschützer bestimmt. Sein Gedenktag ist der 4. Oktober. Das Datum fällt nicht zufällig mit dem Welttierschutztag zusammen. Tatsächlich ist das Leben des Heiligen ein radikaler Gegenentwurf zur Vergötzung des Marktes, zum Eigentum ohne Sozialbindung und zur Freiheit ohne Verantwortung. Auch das verbindet die Rede des Papstes aus Deutschland mit dem Außenseiter aus Assisi.

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