22. April 2013

Brutvögel des Wattenmeeres stark rückläufig, Tendenz weiter steigend, Ursache: Mensch

Keine Chance für Bodenbrüter: Freizeitspaß im Schutzgebiet, Rysum, Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer

Nun haben es auch die staatlichen „Naturschützer“ des Internationalen Wattenmeersekretariats der Staaten D, DK und NL mit Sitz in Wilhelmshaven (Common Waddensea Secretariat) gemerkt: Die Anzahl der Brutvögel im Wattenmeerbereich sinkt, trotz Großschutzgebiet „Nationalpark“ und „Weltnaturerbe“. Die Ursachen seien „vielfältig“, z.B. Überflutungen, Verfolgung durch Fressfeinde (Prädatoren), Störungen, Veränderungen in den Lebensräumen, und „besondere örtliche Gründe“. Als Maßnahmen werden die Wiederherstellung der natürlichen Überflutungsräume auf Feuchtgrünland und in den Salzwiesen sowie die Begrenzung der negativen Auswirkungen des Einflusses von Prädatoren und die Begrenzung von Störungen in den wichtigen Brutgebieten empfohlen.

Diese Forderungen sind nicht neu, ein Jahrzehnte alter Hut, der immer wieder mit ähnlichen Forderungen auf den Trilateralen Ministerkonferenzen zum Schutz des Wattenmeeres aufgesetzt, aber nie umgesetzt wurde, staatliche Veranstaltungen ohne Auswirkungen auf die Tiere des Wattenmeeres.

Norderney: fliegende Pinguine statt Regenpfeifer

Fakt ist, dass der Lebensraum dieser Tiere im Wattenmeer enorm durch Freizeitaktivitäten des Massentourismus in den Wattenmeer-Nationalparks („Weltnaturerbe“) eingeschränkt wird, allein ca. 40 Millionen Tourismus-Übernachtungen zwischen Cuxhaven und Emden werden jährlich gezählt. Dieser Massenmtourismus geht einher mit starkem Sportboot- und Sportflugzeugaufkommen, Lenkdrachen, Kitesurfern, kommerziellen Wattwanderungen, feilaufenden Hunden und im Gelände spielenden Geocachern. Das Wattenmeergebiet ist zum weithin sichtbaren Übungsplatz der Spaßgesellschaft geworden und verkommen, nur wollen das die Verantwortlichen nicht wahrhaben.

Inselflugplatz Juist: Starts und Landungen wie auf einem Verkehrsflughafen

Strandbrüter wie Zwergseeschwalbe oder Sandregenpfeifer sind die stärksten Verlierer. Dazu kommt die mangelnde Aufsicht durch Ranger in diesem Großschutzgebiet (sechs im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer, ohne Kompetenzen, ohne Fahrzeuge), die eindeutig politisch nicht gewollt ist. Mit Überflutungen leben die Tiere seit dem Beginn ihrer Existenz, die Überflutung haben, wenn überhaupt, nicht in dem Umfang zugenommen, dass Arten in der Existenz gefährdet sind; einen „dramatischen“  Meerespiegelanstieg gibt es zudem nur in der Katatstrophenpresse, nicht aber im Wattenmeer, und auch natürlich vorkommende Prädatoren sind den Brutvögeln seit Anbeginn ihrer Existenz nicht fremd. Aber der Zustand vieler Salzwiesen vor den Deichen, ehemals große Brutgebiete für Watvögel, ist häufig durch Entwässerungsmaßnahmen, Aufgabe der Beweidung und die damit verbundene Überwucherung mit Quecke desolat und nun für Brutvögel wenig geeignet.

Quecke statt Salzwiese: Ruhezone, strengste Schutzzone im Nationalpark bei Dornumersiel/LK Aurich

Davor wurden die Salzwiesen bis auf die Grasnarbe überweidet, zum Nachteil der Blütenpflanzen. Die ortsfremden Naturschutzverbände und der WWF forderten die völlige Einstellung der Beweidung und die Wiederherstellung des vermeintlichen „Ablaufs der natürlichen Prozesse“; das führte zum derzeitigen beklagenswerten Zustand der Salzwiesen. Die Entwässerungsgräben (Grüppen) werden auch in den strengsten Schutzzonen des Nationalparks mit Kettenfahrzeugen und angebauten Fräsen gezogen, dabei wird die Vegetation geschädigt. Eine Reduzierung der Entwässerung und die Einführung der extensiven Beweidung würde dieses Problem schnell lösen und den Brutvögeln wieder neue Lebensräume schaffen. Auch dieses Problem ist seit Jahrzehnten bekannt.

Grüppenfräse zieht Entwässerungsgräben im Nationalpark Nds. Wattenmeer, Dollart - Das Deichvorland wird mit schwarzem Aushub zugeschleudert, Verursacher: Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz!

Tiefer Entwässerungsgraben und Jungvogelfalle im Nationalpark Nds. Wattenmeer, Dollart - Verursacher: Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz!

An den seeseitigen Deichfuß werden immer mehr gepflasterte „Teekabfuhrwege“ zur Entfernung des Treibsels mit schwerem Gerät gebaut.

Erschließung mit Teekwegbau, direkt an der Ruhezone des Nationalparks, östl. Neßmersiel, LK Aurich, März 2008

Diese Wege werden auch von Fußgängern und Radfahrern gerne genutzt. Durch die ständigen Strörungen werden so  weiträumig Brutvögel aus den Deichvorländereien vertrieben.

Gülleeintrag mit schwerem Gerät in der Brutzeit: Natur- und EU-Vogelschutzgebiet "Emsauen", Buschplatz/Ems, April 2010

Statt dieses menschengemachten Probleme in aller Deutlichkeit zu benennen, werden ganz bequem „Überflutungen“ (die es immer mal wieder im Frühjahr gibt) und „Nesträuber“, von den staatlichen „Naturschützern“ des Wattenmeersekratriats in Wilhelmshaven vorgeschoben.  Auf den Inseln machen Hauskatzen und von Jägern ausgesetzte oder entkommene Frettchen (Marder) und ausgesetzte Igel den Bodenbrütern das Leben schwer. Seit Jahrzehnten wird versäumt, endlich eine qualifizierte Aufsicht, kontrollierte Lenkungsmaßnahmen und dringend notwendige Lebensraumverbesserungen in die Wege zu leiten. Das wäre auch Aufgabe der Nationalparkverwaltung in Wilhelmshaven, die mit ständig neuen Tourismusprojekten, Müllsammelaktionen oder Zulassung von Kitesurfern in Schutzzonen in den Medien von sich reden macht, statt sich z.B. für die Aufsicht durch Ranger mit hoheitlichen Aufgaben oder die Wiederherstellung der Salzwiesen einzusetzen. Auch von den „anerkannten“ Naturschutzverbänden hört man wenig Inhaltliches dazu.

Norderney: Golf statt Bodenbrüter

In den Binnenlandbereichen gleich hinter dem Deich haben Austernfischer, Kiebitz oder Uferschnepfe auch kaum noch eine Überlebenschance. Die industrialisierte Landwirtschaft mit ihren schweren Maschinen, die bereits zur Brutzeit eingesetzt werden, lassen keine Bruten mehr hochkommen. Wind“parks“ hinter den Deichen töten Weihen und andere Vögel und vertreiben dort weiträumig Brut- oder Rastvögel. Die Bestände der Vögel überaltern, sterben und lassen keinen ausreichenden Nachwuchs zurück.

Rotierende Marschenlandschaft: Blick von Langeoog aufs Festland

Hier energisch gegenzusteuern wäre durch den Status „Weltnaturerbe“ eigentlich dringend geboten, dieses Prädikat wird aber ausschließlich für noch mehr Tourismusvermarktung genutzt. Stattdessen wird jedes Jahr aufs Neue geschwätzt und der Abgesang auf die Arten mit wechselnden Argumenten wiederholt, nur entsprechend gehandelt wird nicht, um die seit langem bekannten Missstände endlich „nachhaltig“ abzustellen. 2011 war es noch das Zeitgeistthema“Klima“, das angeblich zum Bestandrückgang der Arten im Wattenmeer führte: Vögel des Wattenmeeres: Bestandsrückgang durch “Klima”?

Die staatliche Institution „Wattenmeersekretriat“ hat sich in dieser Form als völlig überflüssig erwiesen und könnte ersatzlos und kostensparend gestrichen und geschlossen werden. Das Fehlen dieser Behörde würde kaum auffallen.

18. April 2013

Wadden Sea Breeding Birds at Risk

Latest trends in breeding bird numbers show that 2/3 of all internationally monitored species breeding in the Wadden Sea have declining numbers. The trend over the past ten years even indicates that the rate of decline has recently accelerated, e.g. in species like Oystercatcher, Avocet, and Arctic Tern. Breeding birds like Ruff, Dunlin and Common Snipe are now on the brink of extinction. If the current negative trends continue, more species are threatened to disappear from the Wadden Sea. e.g. Hen Harrier.

On 18 April breeding bird experts and conservation managers of the Wadden Sea countries Denmark, The Netherlands and Germany came together at the International Wadden Sea workshop “Breeding Birds in Trouble”. Aims of the workshop was to identify the most pressing issues, discuss causes, solutions and consequences and take initiative to develop an action plan, which will give practical advice on proper management of specific breeding bird species and their habitats. The workshop stated that in many species, a low breeding success is a major cause for the declining numbers. Reasons are diverse, but many species face predation and flooding, in combination with, depleted food stocks, disturbances, changes of habitats and specific local reasons. According to the experts the most promising and practicable measures against further declining of breeding bird species are restoration of the natural tidal water regime in grasslands and saltmarshes for meadow birds, reduction of the negative impact of predators on Wadden Sea islands and limitation of disturbance in important breeding areas.

Recommendations and the action plan developed by the workshop will be forwarded to the 12th Trilateral Governmental Wadden Sea Conference in Denmark, February 2014.

The workshop was initiated by the Joint Monitoring Breeding Bird Group in the framework of the Trilateral Wadden Sea Cooperation.

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