
Foto: Manfred Knake
In Bayern soll die „Energiewende“ mit Windkraftanlagen gepushed werden, obwohl dort der Wind eigentlich nur schwach weht; die sog. „Windhöffigkeit“ ist im Vergleich zur Küste deutlich geringer. Damit ordentlich Wind und Druck vor den Genehmigungen entfacht wird, hat man in Bayern die „Windkümmerer“ erfunden. Die sollen zögerliche Kommunen, die zuständig für die Ausweisung der Windenergieflächen sind, so weit massieren und auf Windkraftlinie bringen, bis die Bedenken verflogen und genehmigt wird. Dahinter steckt die bayerische Landesregierung:
„Ein beschleunigter Ausbau der Windenergie ist zentraler Baustein für das Gelingen der Energiewende. Die Ziele von AUFWIND sind die Akzeptanz für Windenergieanlagen zu erhöhen, Ausbauhemmnisse systematisch abzubauen und durch verbesserte Rahmenbedingungen den Ausbau der Windenergie in Bayern anzuschieben – Um den notwendigen Ausbau der Windenergie anzuschieben, rief das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie Ende 2019 die Windenergieoffensive AUFWIND mit den Windkümmerern® ins Leben. Ziele von AUFWIND sind es, die Akzeptanz für Windenergieanlagen zu erhöhen, Ausbauhemmnisse systematisch abzubauen und durch verbesserte Rahmenbedingungen den Ausbau der Windenergie in Bayern voranzutreiben. Das Herzstück bilden dabei die Windkümmerer®, die von der bayerischen Landesagentur für Energie und Klimaschutz (LENK) koordiniert werden. Die Windkümmerer® beraten und unterstützen ausgewählte Kommunen bei ihren Vorhaben. Denn den Kommunen kommt beim Ausbau der Windenergie eine elementare Bedeutung zu: Sie können über ein Bauleitplanverfahren geeignete Flächen für Windräder ausweisen und stehen dabei mit den Menschen vor Ort im ständigen Dialog. Sie vermitteln, weshalb der Ausbau der Windkraft so bedeutsam ist und können durch kluge Konzepte erreichen, dass die Menschen in der Region auch wirtschaftlich von der Windenergieanlage profitieren[…] Wer sind die Windkümmerer®? Je Regierungsbezirk gibt es eine Windkümmerer®-Institution, die im Rahmen einer Ausschreibung basierend auf ihrer fachlichen Kompetenz ausgewählt wurde. Hierbei handelt es sich um Fachexpertinnen und Fachexperten, die auf langjährige Erfahrung in den Bereichen Windenergie und Zusammenarbeit mit Kommunen zurückblicken können.“
Man kann es auch so sehen: „Fachexpertinnen und Fachexperten“ aus Windkraftverbänden, Planungsbüros oder Projektieren beschwatzen die Windkraftskeptiker und -kritiker in den Kommunalparlamenten oder den windkraftkritischen Bürgerinitiativen so lange, bis der Widerstand aufgegeben wird – oder sie verbreiten einfach nur Propaganda im Sinne der eigenen Gewinnerwartung statt tatsächlicher Information über die Auswirkungen der Windenergie auf Natur- und Landschaft oder die vorgebliche Wirksamkeit der „Energiewende“ (die längst gescheitert ist) auf „das Klima“.
Keine bayerische Erfindung
„Windkümmerer“ der besonderen Art gab es in Niedersachsen schon lange vor der bayerischen Erfindung: Als in der Gemeinde Holtgast im Landkreis Wittmund in Niedersachsen (am Ort des Wattenrat-Büros) 1994 die Betreiberfirma „Germania Windpark“ des damaligen Windanlagenherstellers Tacke einen Windpark mit 47 Anlagen im Ortsteil Utgast plante, wurde die Zustimmung durch den Rat der Gemeinde mit einer in Aussicht gestellte Zahlung von Tacke in Höhe von 500.033 DM für die Gemeindekasse erkauft (aus dem Vertragstext: „Die politische Gemeinde Holtgast verpflichtet sich, alles zu tun, dass die Windenergieanlagen behördlich genehmigt werden“). Aus der eigentlich strafbaren Schmiergeld- und Korruptionsnummer wurde anschließend eine „Schenkung“ gemacht, eingefädelt durch den damaligen Oberkreisdirektor des Landkreises Wittmund zusammen mit der damaligen Bezirksregierung Weser-Ems in Oldenburg.
Ratsmitglieder werden Windkraft-Kommanditisten
In der Holtgaster Nachbargemeinde Holtriem (Westerholt) kümmerte sich ein Investor intensiv um die Zustimmung für seine Windkraftprojekte. Ratsmitglieder, die für die Windparks stimmten, wurden dann auch finanziell beteiligte Kommanditisten des Windparkinvestors, siehe hier. Die örtlichen Vereine unterstützte der Investor mit der „Norderland Stiftung“ und stellte sie ruhig. Die „Windkümmerer“, wenn auch mit anderen Namen, gab es in Ostfriesland schon lange vor der bayerischen Erfindung.
Eigentlich bräuchte das Land viel mehr Natur- und Landschaftsschutzkümmerer, die mit Hilfe der Medien die verheerenden Auswirkungen der Windkraftnutzung auf bestimmte Vogelarten, Fledermäuse und die Kulturlandschaft aufzeigten. Die in der Regel einseitig berichtenden Mainstreammedien gehören nicht dazu, ebensowenig die großen Naturschutzverbände wie BUND oder NABU. Die Naturschutzverbände sind Teil des Problems, weil sie den Windkraftausbau ebenfalls „beschleunigt“ unterstützen:„naturverträglich“ soll es ein, was nur eine Wunschvorstellung ist.
Link: Windkümmerer® – Unterstützer beim Ausbau der Windenergie