
Insel Memmert: Kreuzdüne mit Erinnerungskreuz an Otto Leege jr. und dem Wohnhaus des Vogelwärters – Foto: Manfred Knake
Die jetzt wieder aufgetischte Klima-Katastrophenummer ist schon zwei Jahre alt (Kreiszeitung, 08. Aug. 2024: Meeresspiegel steigt: Diese Insel in der Nordsee wird untergehen) und taucht nun wieder im Sommerloch 2026 auf: Die Rede ist von der kleinen Nordseeinsel Memmert. Sie liegt zwischen Juist und Borkum im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer. Memmert wird nur von einem Vogelwart bewohnt und darf ohne Genehmigung nicht betreten werden. Dort soll sich die Natur dynamisch ohne menschlichen Einfluss entwickeln können. Wattenrat-Mitarbeiter hatten eine enge Beziehung zu dieser Vogelschutzinsel und waren dort auch oft zu Gast.

Vogelwart Reiner Schopf im Sanddorndickicht, Memmert 2003 – Foto: Manfred Knake
Der frühere Vogelwart Reiner Schopf (verstorben 2024) lebte von 1973 bis 2003 auf der Insel, er war Mitbegründer des Wattenrates und hatte sich oft in den Medien deutlich-kritisch zum tatsächlichen Zustand dieses „Nationalparks“ und „seiner“ Insel geäußert (2006: Die achte Insel). Seine Stimme verstummte auch nicht, als er in Rente ging und ab 2003 ein neuer Vogelwart die Insel betreute.
Nur ein „Szenario“
Kernaussage des am 24. August 2026 in der Hamburger Morgenpost veröffentlichten Artikels „Klimawandel bedroht Vogelparadies: Diese Nordsee-Insel könnte verschwinden“ und bei t-online noch drastischer als Tatsachenmeldung „Steigender Meeresspiegel Kleine Nordsee-Insel wird versinken – keine Chance auf Rettung“ . Da ist es wieder, das aufgewärmte Untergangsszenario aus 2024, aktuell bei t-online 2026 so: „Memmert existiert bald nicht mehr In einer Simulation prognostiziert ein Forschungsteam der HafenCity Universität in Hamburg, dass Memmert schon im Jahr 2100 verschwunden sein wird. ….In einem extremen Szenario verschlingt das Meer über die Hälfte von Norderney und auch von Spiekeroog wäre dann kaum noch etwas übrig“
Also wieder so ein „Szenario“, kann sein, kann nicht sein, abhängig davon, mit welchen Daten man den Computer gefüttert hat, vorgestellt mit einer studentischen Masterarbeit!
Dünne Faktenlage
Bei näherer Betrachtungsweise ist das „Szenario“ zeitgeistiger Klimaalarmismus mit ganz dünner Faktenlage. Die Ursache des Meeresspiegelanstiegs geht tatsächlich ursprünglich auf einen Klimawandel zurück, aber der ist schon ca. 12.000 Jahre her. Damals endete die Weichselkaltzeit, der überwiegende Teil des heutigen Nordseegrundes (Doggerland) war in der Eiszeit von steinzeitlichen Jägern und Sammlern besiedelt, dort liefen Wollhaarmammuts, Wollhaarnashörner oder Riesenhirsche. Am Ende der Eiszeit begann das Holozän als geologisch jüngste Epoche der Erdgeschichte. Es folgten Warmzeiten, unterbrochen von kühleren Phasen. Derzeit erwärmt sich das Klima wieder nach der „Kleinen Eiszeit“, die vom 14. bis zum 19. Jahrhundert mit sehr strengen Wintern in Europa anhielt. Die derzeitige Erwärmung ist eine nur politisch herbeigeredete „Klimakrise“ und keine „Klimakatastrophe“.
Die Ursache: isostatische Bewegungen des Meeresgrundes
Und bis heute steigt der Meeresspiegel der Nordsee, mit derzeit ca. 2 mm im Jahr, mal mehr mal weniger, Transgression und Regression. „Dramatisch“, wie oft behauptet wird, ist das nicht, das geben die Pegel in Norderney und Cuxhaven nicht her. Ursache des Anstiegs ist nach dem Abtauen des Eispanzers das bis heute anhaltende Kippen des Nordseegrundes. Der Nordsee-Boden folgt ganz langsamen isostatischen Ausgleichsbewegungen als Folge des Abschmelzens der skandinavischen Eisbedeckung nach der letzten Eiszeit, Senkungen hier und Hebungen dort. In Teilen Skandinaviens, dort, wo der Meeresboden sich hebt, sinkt daher der Meeresspiegel.
Memmert, zunächst nur eine Sandbank

Otto Leege Foto: Archiv Wattenrat
Ohne den Anstieg des Meeresspiegels gäbe es das heutige Wattenmeer mit seinen Ostfriesischen Inseln gar nicht. Auch Memmert war lange Zeit nur eine größere Sandbank und wurde erst vom Juister Lehrer Otto Leege zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit Anpflanzungen zu einer kleinen Insel entwickelt, die dann 1924 einen staatlichen Schutzstatus erhielt, lange vor dem Nationalpark Wattenmeer. Westlich von Memmert liegt die Sandbank Kachelotplate, benannt nach dem französischen Wort „Cachalote“ für den Pottwal. Ostfriesland war von 1806 bis 1813 von napoleonischen Truppen besetzt, daher wohl die Namensgebung nach einer Pottwalstrandung.
Memmert kann jedoch durchaus verschwinden oder seine Lage durch „wandern“ oder „pendeln“ ändern, wie es schon mit anderen bewohnten Ostfriesischen Insel geschah. Nur wurden die touristisch genutzten Inseln inzwischen zur Sicherung der Infrastruktur durch Küstenschutzmaßnahmen festgelegt; nach jeder Sturmflut müssen diese Inseln, je nach der Schwere der natürlichen Dünenabbrüche, mit erheblichen Kosten wieder neu aufgespült werden. Nur liegt das Verschwinden oder die Verlagerung der Ostfriesischen Inseln nicht am „Klima“ sondern an Strömungsänderungen, an Wind und nagenden Wellen und der damit verbundenen Erosion.

Insel Juist: Dünenabbrüche nach einer Sturmflut – Foto: Hilta Moritz
Schon 2003: nur fantasiereicher Medienhype mit Memmert und der Kachelotplate
Die benachbarte Kachelotplate „wandert“ langsam an Memmert heran und kann sich eines Tages mit der Insel verbinden. Im Hitzesommer 2003 drehten die Medien ebenfalls ab, nur war es damals nicht die „Klimakrise“, sondern ebenfalls das Sommerloch, das sich mit dem Anwachsen der Kachelotplate zu einer möglichen neuen Insel beschäftige, z.B. hier in die Welt am 05. Aug. 2003: „Streit um die Nutzung der neuen Insel vor Juist – Nordsee-Eiland sorgt für Diskussionen – Naturschützer kontra Wirtschaftsmanager – Partymeile oder Reservat? “ Von einem Immobilienexperten kommt der Vorschlag, dort eines nicht allzu fernen Tages Häuser zu bauen. ´Ich würde die Kachelotplate gern anbieten´, sagte André Ebbighausen, Leiter der Oldenburger Landesbank-Filiale auf Juist, der WELT am Sonntag. Ebbighausen schätzt den Quadratmeterpreis auf 260 bis 300 Euro. „
Dieser Blödsinn muss wohl an der damaligen Hitze in nicht klimatisierten Redaktionsstuben gelegen haben, und den herbei geschriebenen Streit mit den Naturschützern gab es nie (Wattenrat im Sommer 2003: Die Kachelotplate: eine neue Insel? Das mediale Sommerloch öffnete sich und gebar heiße Luft)
Also auch diesmal: Viel heiße Luft im Sommer 2026 mit vielen heißen Tagen, entwichen durch die Rechercheschwäche aus einigen Redaktionsstuben mit einer längst vergessenen Masterarbeit aus Hamburg.