„Viele Verlierer, wenige Gewinner: Der neue Blick auf die Brutvögel im Wattenmeer“

Salzwiese im Nationalpark, strengste Schutzzone, zwischen Dornumersiel und Bensersiel: links vom Zaun Quecke, rechts vom Zaun Quecke

Zum Lesen empfohlen:

Riffreporter, 26. März 2026:

Viele Verlierer, wenige Gewinner: Der neue Blick auf die Brutvögel im Wattenmeer

Der aktuelle Monitoringbericht zeigt eine anhaltende Krise im Ökosystem Wattenmeer. Während nur wenige Arten zulegen, kämpfen die meisten mit rückläufigen Beständen. Kees Koffijberg von der niederländischen Vogelmonitoring-Organisation Sovon hat den Bericht zur Lage der Brutvögel im Wattenmeer geleitet.[…]

https://www.riffreporter.de/de/umwelt/brutvogel-wattenmeer-bestandsrueckgang

Kommentar dazu:

Der Lebensraum der Wiesenbrüter erstreckt sich auch parallel zum Wattenmeer hinter den Seedeichen auf landwirtschaflich genutzten Flächen. Der Rückgang der Limikolenbruten (z.B. Kiebitz, Rotschenkel, Uferschnepfe) durch die Intensivierung der Landwirtschaft kommt im Artikel nicht vor, ebenso fehlt der Hinweis auf den erbärmlichen Zustand der z.T. stark entwässerten Salzwiesen vor den Deichen im Nationalpark , die von Quecke überwuchert und für Brutvögel wenig attraktiv sind. Ursächlich werden Prädatoren wie Ratten und Füchse für den Rückgang verantwortlich gemacht, was sicherlich auch zutrifft. Ob es gelungen ist, den dramatischen Rückgang des Seeregenpfeifers zu stoppen, ist zudem fraglich: „Beim Seeregenpfeifer ist es gelungen, den Abwärtstrend zu stoppen. Im wichtigsten Brutgebiet der Art im Wattenmeer, in Schleswig-Holstein, ist der Bestand stabil.“ Auf welchem Niveau? Und in Niedersachsen? Hier sollen es weniger als 20 Brutpaare sein, Stand 2011. Nicht nur hier ist er nach wie vor vom Aussterben bedroht.

Norderney: Flussseeschwalben- und Sandregenpfeiferbruten, gesichert hinter einem Zaun – Foto: Eilert Voß/Wattenrat

Der Massentourismus an der Küste und auf den Inseln (Nationalpark und Weltnaturerbe!) lässt kaum noch Raum für Strandbrüter wie Seeregenpfeifer, Sandregenpfeifer oder Zwergseeschwalben. Die letzten verbliebenen Brutpaare müssen mit Zäunen geschützt werden. Ob dann tatsächlich ein Bruterfolg zu verzeichnen ist, ist eine ganz andere Frage.

13. Mai 2018, Borkum, Südstrand, strengste Schutzzone im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer (Ruhezone, Zone I): Ignoranz trifft Strandbrüterschutz, zwei Brutpaare Zwergseeschwalben“erfolgreich“ vertrieben. Foto: Eilert Voß/Wattenrat

Und natürlich der unumgängliche Klimawandel, für den, politisch instrumentalisiert, die „Treibhausgase“ verantwortlich gemacht werden, obwohl für Klimaveränderung ganz andere Faktoren wie die Sonnenaktivität, großräumige Meeresströmungen oder atmosphärische Zirkulationsveränderungen ursächlich und Treibhausgase, wenn überhaupt, nur marginal beteiligt sind.

Die Salzwiesen vor den Deichen (siehe oben) wachsen durch Sedimentablagerungen mit dem nacheiszeitlich immer noch steigenden Meeresspiegel von derzeit ca. 2mm im Jahr mit. Mit Klimaveränderungen von Kalt- zu Warmzeiten leben die Vögel seit Jahrtausenden. Sie haben auch die nacheiszeitliche Überflutung des Doggerlandes, wo heute die Nordsee ist, mit dem Verlust eines einst riesigen, von steinzeitlichen Menschen dünnbesiedelten Lebensraumes,  überlebt.

Das Wattenmeer steht enorm unter Druck. Tourismus, Ölförderung, Gasbohrungen und Offshore-Wind an seiner Wassergrenze, Windräder unmittelbar an Land: Dennoch würde ich sagen, dass das Wattenmeer noch seinem Anspruch und seinem Schutzversprechen an die Natur gerecht wird.“ Das nennt man wohl Optimismus.

Und aus der Nationalparkverwaltung in Wilhelmshaven kommt frohe Kunde, Tourismus wirkt:

02.07.2026,  Pressemitteilung der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer
Artenvielfalt im Nationalpark beeindruckend

Expert*innen zählen mehr als 600 Tier- und Pflanzenarten vor Schillig

https://www.nationalpark-wattenmeer.de/news/artenvielfalt-im-nationalpark-beeindruckend/

„„Dass wir hier auf dem Festland unmittelbar neben touristisch stark genutzten Bereichen eine hohe Zahl an verschiedenen Arten nachweisen konnten, ist ein großartiges Zeichen: „Nationalpark wirkt!“, erklärte Benedikt Wiggering in der abschließenden Runde. „Die besondere Beschaffenheit von Schillig zeigt uns, wie dynamisch und anpassungsfähig die Natur an unserer Küste ist und welche Auswirkungen auf die Artenvielfalt damit zusammenhängen.““

 

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