Die „Ostfriesische Landschaft“ und der Wattenrat – eine Anfrage

Intensivlandwirtschaft und Überdüngung, Vernichtung der Bodenbrüter und die Bodenverdichtung, hier ein Winterbild mit Nonnengänsen – Foto: Eilert Voß/Wattenrat

Die Ostfriesische Landschaft ist ein Höherer Kommunalverband in Niedersachsen mit Sitz in Aurich. Er umfasst die drei ostfriesischen Landkreise Aurich, Leer und Wittmund und die ebenfalls ostfriesische Stadt Emden. Sie ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts und hat ihren Sitz im Landschaftshaus in Aurich […] Die Ostfriesische Landschaft ist Nachfolgerin der Ostfriesischen Landstände. Bis ins 19. Jahrhundert war sie mit weitreichenden politischen Rechten ausgestattet. Danach hat sich die Ostfriesische Landschaft vom ständischen Landtag zum regionalen Kulturparlament entwickelt. Sie erfüllt Aufgaben insbesondere auf den Gebieten der Kultur, Wissenschaft und Bildung in und für Ostfriesland.“ (Wikipedia)

Klingt gut, nur wird die Ostfriesische Landschaft heute von Kommunalpolitikern dominiert, also Parteipolitikern, die zur tatsächlichen umgebenden realen „Landschaft“, die sie vertreten sollen, erkennbar kein besonderes Verhältnis mehr haben.

Man sehe sich nur um, wie Ostfriesland durch die Windenergiewirtschaft und die Intensivlandwirtschaft entstellt wurde, mit der Unterstützung vieler Kommunalpolitiker, die über die Flächennutzungspläne abstimmen. Dieser Zustand wird heute bereits als „normal“ angesehen.

Windpark Ochtersum/SG Holtriem/LK Witmund/NDS, Ausschnitt, Okt. 2016 – Foto: Manfred Knake

Umso erstaunlicher war man beim Wattenrat, als am 29. Dez. 2025 eine Anfrage zur Mitarbeit des Wattenrates im Ausschuss für Landwirtschaft und Naturschutz einging, die Sie nachfolgend lesen können. Nein, Mitarbeiter des Wattenrates werden nicht in diesem Ausschuss mitarbeiten, die Antwort auf die Anfrage finden Sie ganz unten:

29. Dez. 2025 (per Mail)

Liebes Team,

ich wünsche Ihnen ein gutes und friedliches Jahresende und alles Gute für 2026.

In der Ostfriesischen Landschaft besteht ein Ausschuss für Landwirtschaft und Naturschutz, dessen Aufgabe es ist, unterschiedliche Interessen ausgewogen zu berücksichtigen und tragfähige Lösungen zu entwickeln.

https://www.ostfriesischelandschaft.de/arbeitsgruppen/landwirtschaft-naturschutz/

In der aktuellen Zusammensetzung entsteht jedoch aus meiner Sicht ein strukturelles Ungleichgewicht:

Die vertretenen Naturschutzpositionen sind überwiegend populations- und nutzungsorientiert geprägt (Jägerschaft und Fischerei), während Perspektiven eines konsequenten, am individuellen Tierwohl orientierten Tier- und Naturschutzes kaum oder gar nicht vertreten sind.

Dies führt dazu, dass wichtige ethische, fachliche und gesellschaftliche Aspekte des Tier- und Naturschutzes in den Beratungen nur unzureichend berücksichtigt werden. Gerade vor dem Hintergrund zunehmender öffentlicher Sensibilität für Tierwohl, Biodiversität und Nutzungskonflikte halte ich eine pluralere fachliche Einbindung für dringend geboten.

Ich möchte Sie daher fragen,

– ob Sie eine solche Problematik aus Ihrer Arbeit kennen,

– ob Sie eine fachliche Einschätzung zur Bedeutung ausgewogener Gremienbesetzungen teilen,

– und ob grundsätzlich Interesse bestünde, sich beratend, unterstützend oder vermittelnd in einen solchen Kontext einzubringen (z. B. durch Stellungnahmen, Empfehlungen oder direkte Kontaktaufnahme mit dem Ausschuss).

Gerne stelle ich Ihnen bei Interesse weiterführende Informationen zur Struktur und Zusammensetzung des Ausschusses zur Verfügung.

Ich danke Ihnen herzlich für Ihre Zeit und freue mich über eine Rückmeldung.

Mit freundlichen Grüßen

*.*

Hiweisschild an der A31 im Rheiderland/Ostfriesland – Foto: Eilert Voß/Wattenrat

Und hier unsere Antwort:

Guten Tag, *.*

zunächst bedanke ich mich, dass Sie an den Wattenrat für eine evtl. Mitarbeit im Ausschuss für Landwirtschaft und Naturschutz der Ostfriesischen Landschaft gedacht haben, in dem auch die Jägerschaft und die Angler Mitglieder sind. 
Es ist ja hinlänglich bekannt, dass sich Jägerschaft und Sportfischer (sic!) als Naturnutzer gerne das Mäntelchen des Naturschutzes umhängen und auch als sog. „anerkannte Naturschutzverbände“ firmieren(und damit klagebefugt sind). 

Bisher hat sich die Ostfriesische Landschaft, die ja zweifellos allein durch ihre Zusammensetzung von parteipolitischen Interessen dominiert wird, wenig oder gar nicht des Themas „Biodiversität“ oder des Artenschutzes angenommen. 

Daran ändert auch der Hinweis auf die seit 2011 bestehende Arbeitsgruppe „Landwirtschaft und Naturschutz“ (https://www.ostfriesischelandschaft.de/arbeitsgruppen/landwirtschaft-naturschutz/) nichts. Ich zitiere von deren WebSeite: 

“Die 2011 gegründete Arbeitsgruppe „Landwirtschaft und Naturschutz in Ostfriesland“ beschäftigt sich mit Themen an der Schnittstelle zwischen Landwirtschaft und Naturschutz. Von besonderer Bedeutung ist hierbei die Frage des Wiesenvogelschutzes in Ostfriesland. Weitere Themen sind beispielsweise das Regionalmarketing, der „Niedersächsische Weg“ oder die Reform der Grundzüge gemeinsamer Agrarpolitik (GAP), kurz Agrarreform genannt. Für die Arbeitsgruppe zuständiger Landschaftsrat: Holger Heymann“ 

Herr Heymann (SPD) ist bekanntlich Landrat des LK Wittmund. Im Landkreis Wittmund gibt es seit Jahren keine ehrenamtliche Landschaftswacht oder einen Naturschutzbeauftragten mehr. Wie im Landkreis Wittmund naturschutzrechtliche Hürden am Beispiel des repowerten Windparks Utgast/Samtgemeinde Esens „umgangen“ wurden, ist hier nachlesbar: https://www.wattenrat.de/2017/01/07/windpark-utgast-genehmigungspraxis-des-landkreises-wittmund-in-der-kritik/ 
Der Bau der illegalen Umgehungsstraße in Bensersiel/Stadt Esens/LK Wittmund in einem europäischen Vogelschutzgebiet mit der fehlenden Wittmunder Kommunalaufsicht und dem Versuch der nachträglichen „Heilung“ machte bundesweite Schlagzeilen: https://www.bverwg.de/pm/2014/23 und hier: 
https://www.schwarzbuch.de/aufgedeckt/steuergeldverschwendung-alle-faelle/details/teure-einigung-beim-laengsten-schwarzbau-deutschlands 

Die Mitgliederliste der Arbeitsgruppe spricht mehrheitlich gegen die eigentlich notwendigen dringenden Verbesserungen des erwähnten Wiesenvogelschutzes, der auch in den ausgewiesenen EU-Vogelschutzgebieten nicht annähernd funktioniert. Ursache: enge Verquickung zwischen Politik und Landwirtschaft zum Nachteil des Wiesenvogelschutzes unter Missachtung der rechtlichen EU-Vorgaben, nur ein Beispiel hier: 
https://www.wattenrat.de/2018/05/07/rheiderland-gaensefrass-und-wiesenvoegel-bauernlamento-auf-hohem-niveau/ oder hier, betreffend den Grünlandumbruch: 

https://www.wattenrat.de/2020/04/03/vogelschutzgebiet-rheiderland-gruenlandumbruch-vernichtet-brutplaetze/ 

Aktuell auch hier in der Zeitschrift „Nationalpark“ (Autoren Voß und Knake) : https://www.wattenrat.de/wp-content/uploads/2025/12/NP_04-25_THEMEN_Kuestenvoegel.pdf 

Der erwähnte „Niedersächsische Weg“ ist ein Holzweg, von wenigen Funktionären der Landwirtschaft, des BUND und NABU sowie Landespolitikern (Herr Lies, SPD, ist derzeitiger Ministerpräsident) ausgekungelt, um damit das parallel laufende „Volksbegehren Artenvielfalt“  erfolgreich zu torpedieren und zu verhindern. Die Landwirtschaftslobby hatte das Volksbegehren vorher scharf kritisiert. Profitiert haben die erwähnten Naturschutzverbände, u.a. mit der Zusage von weiteren Naturschutzstationen: https://www.wattenrat.de/2025/05/31/artenschutz-fuenf-jahre-niedersaechsischer-weg-war-da-was/ 

Die Jägerschaft in Ostfriesland ist auch nicht bekannt für ihre fachliche Naturschutzarbeit am Beispiel des Vogelschutzes, siehe u.a. hier: https://www.wattenrat.de/2023/03/22/steinkaeuze-fuer-ostfriesland-ein-fragwuerdiges-projekt-der-jaegerschaft/ und hier: https://www.wattenrat.de/2023/03/22/steinkaeuze-fuer-ostfriesland-ein-fragwuerdiges-projekt-der-jaegerschaft/ , oder hier: https://www.wattenrat.de/2024/10/04/auswilderung-von-rebhuehnern-im-landkreis-wittmund-wie-sinnvoll-ist-das/ 

Zudem werden immer wieder Verstöße gegen das Jagdgesetz von unserem Mitarbeiter Eilert Voß registriert, u.a. hier veröffentlicht: 

https://www.wattenrat.de/2025/11/26/gaensejagd-wieder-fehlabschuesse-im-naturschutzgebiet-unterems-strafanzeige/ oder das behördliche Wegsehen bei Jagdverstößen: https://www.wattenrat.de/2011/03/19/nebeljagd-auf-ganse-an-der-ems-jagd-unterliegt-keiner-behordenaufsicht/ 

Der an Irrsinn grenzende Beitrag eines Jägers, der auch im Vorstand des „Friesischen Verbands  für Naturschutz e.V.“ (der aber eine Jägervereinigung ist) agiert, wirft ein Schlaglicht auf den Bewusstseinsstand in der Jägerschaft, die legal Waffen führen darf!: 

https://www.wattenrat.de/2024/07/28/tierarzt-dr-hansjoerg-heeren-vom-fvn-besingt-den-wolf-von-norderney/ 

Ob NABU oder BUND nur als Feigenblatt oder Statisten des Naturschutzes in der Arbeitsgruppe der Ostfriesischen Landschaft mitwirken, lasse ich mal dahingestellt. Diese Verbände haben bis heute wenig dazu beigetragen, auf die gravierenden Missstände im Küstennaturschutz hinzuweisen oder von ihrem Verbandsklagerecht Gebrauch zu machen. Der BUND ist zudem eng verbandelt mit der Windenergiewirtschaft, die in Ostfriesland zu den bekannten Auswüchsen der Landschaftszerstörung und den bekannten Auswirkungen auf den Artenschutz beigetragen hat. (https://www.wattenrat.de/2019/05/25/bund-vorsitzender-prof-hubert-weiger-will-ausbau-der-erneuerbaren-energien-entfesseln/) 

Aktuell wurden das Bundesnaturschutzgesetz und das Baugesetzbuch zunächst unter der abgewählten Ampelregierung an die Forderungen der Windenergiewirtschaft zum Nachteil des Natur- und Artenschutzes „angepasst“: 

https://www.wattenrat.de/2024/03/29/naturschutz-erinnerung-an-das-osterpaket-von-2022/ 

und dies von der CDU/SPD Regierung fortgeführt. Auf Bundesebene wird an der Verwässerung der Eingriffsregelung (Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen) und der Abschaffung des lästigen Verbandsklagerechts gearbeitet. 

Vor diesem Hintergrund sieht der personell überschaubar aufgestellte Wattenrat keine Möglichkeiten mehr, sich sinnvoll und wirksam an der Arbeit der Ostfriesischen Landschaft zu beteiligen, es wäre Zeitverschwendung. Es ist bereits fünf nach zwölf im Naturschutz. Wir sind nur noch die Chronisten des Niedergangs. 

Ich wünsche Ihnen ein gesundes und friedliches neues Jahr 2026.



Manfred Knake

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