27. Januar 2011

Geocaching: Schnitzeljagd auch in Schutzgebieten, von der Nationalparkverwaltung beworben

Geocaching: für Pflanzen und Tiere nicht ungefährlich

Geocaching ist eine neue Freizeitbeschäftigung mit rasch steigender Anhängerzahl. Geocaching ist so etwas wie eine elektronische Schnitzeljagd im Grünen mittels GPS, oder modernes Ostereiersuchen zu jeder Zeit an jedem Ort, zur jeder Jahreszeit, zu jeder Tages- und Nachtzeit. Das Wort Geocaching setzt sich aus dem griechischen Wort „geo“ (Erde) und dem englischem Wort „cache“ (Versteck) zusammen. Für diesen neuen Freizeitspaß werden zu dem Versteck gehörende geographische Informationen auf einer WebSeite  (z. B. international www.geocaching.com oder in Deutschland www.opencaching.de ) veröffentlicht. Mit Hilfe dieser Informationen und eines GPS-Empfängers und des Computers können diese Caches gefunden werden. In Deutschland sind bereits mehr als 150.000 solcher Caches eingerichtet. Im Jahr 2009 machten sich rund 25.000 Menschen auf die Suche nach diesen Caches.

An sich ist es ein schönes Hobby, wenn nicht Unverstand und Missachtung von Naturschutzgesetzen mit im Spiele wären. Häufig sieht man Geocacher auch in Schutzgebieten, wo sie an versteckten Plätzen ihre Caches deponieren und so in Unkenntnis der Artenschutzbestimmungen auch Pflanzenstandorte zertrampeln oder Tiere an ihren Brut-, Rast- oder Zufluchtstätten stören oder gar vertreiben, und das ist ungesetzlich. Geocacher kennen den Begriff „Cacherautobahn“, ein Hinweis auf einen deutlichen ausgeprägten Trampelpfad im Gelände, wo vorher Ruhe war. Ein Cache, also eine versteckte Dose mit Inhalt, lockt über die im Internet abrufbaren Koordinaten viele Geocacher ins Gelände, und zwar in die abgelegensten Bereiche, das ist ja gerade der Reiz des Spiels. Auf den Ostfriesischen Inseln, auf denen auch Urlauber zuhauf diesem Hobby nachgehen, wird das dann zum Problem, wenn die Schutzgebiete des Nationalparks Wattenmeer oder die Inselschutzdünen auf der Suche nach dem „Schatz“ rechtswidrig betreten werden.

Auch die Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen e. V. in Bad Münstereifel hat das Geocaching-Problem für den Naturschutz erkannt und bereits erhebliche Störungen und Vertreibungen mit Brutverlusten(!)  an Uhu-Brutfelsen ausgemacht. Der Uhu ist eine extrem gefährdete Eulenart, die nur noch mit ca. 1.500 Brutpaaren in Deutschland vorkommt. Das Schreiben der Eulenfreunde an Bundesumweltminister Röttgen zu diesem immer stärker werdenden Problem finden hier.

Dabei sind die Geocacher nicht die einzigen Sportsfreunde, die Schaden in der Natur anrichten, auch Kletterer wurden schon oft verbotswidrig in geschützen Gebieten an Uhufelsen angetroffen. Outdoorsportarten, von der Herstellerindustrie stark beworben, machen auch vor dem Wattenmeer und „Weltnaturerbe“ nicht halt. Hier sind es vor allem die Kitesurfer, die mit wenig Wasser unter dem Brett in die entlegensten Winkel des Wattenmeeres vordringen und mit ihren riesigen Zugdrachen weiträumig Vögel im Schutzgebiet vertreiben. Die Nationalparkverwaltung in Wilhelmshaven hat diese Sportart gar noch gefördert und in Bereichen des Nationalparks zugelassen, wo die Verwendung von Drachen nach dem Nationalparkgesetz eigentlich verboten ist.

Die Nationalparkverwaltung biedert sich auch beim Geocaching dem Zeitgeist an und bewirbt sogar das Geocaching im Nationalpark unter der Rubrik „Naturerleben für Kinder„: „Beim traditionellen Cache („Tradi“) gibt es solche Schatzkästchen. Earthcaches sind besondere Naturschätze, wie sie z. B. unser Nationalpark bietet, das heißt, der Ort selbst ist der Schatz!“ Eine Aufsicht durch Ranger findet allerdings so gut wie nicht statt. Von der Politik (und der Nationalparkverwaltung!) ist daher nach Einschätzung des Wattenrates wenig Hilfe zu erwarten. Naturschutz, obwohl mit Gesetzen und Verordnungen klar geregelt, fristet in Deutschland nur ein Nischendasein.

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