4. November 2011

Geocaching: Umweltminister Sander völlig ohne Karten

Caches verschiedener Schwierigskeitsgrade im Bereich Ostfriesland, Quelle: Geocaching.com (Screenshot)

Der Freizeitspaß Geocaching boomt. Die elektronische Schnitzeljagd mit Hilfe eines GPS-Gerätes und Computers, bei der im Internet hinterlegte Koordinaten zu einem „Cache“ (englisch für Versteck, Lager oder Schatz) führen, erfreut sich immer größerer Beliebtheit, kann aber auch auf Abwege führen, wenn man sich nicht an die Regeln hält. Naturschutzgebiete oder Nationalparks sollten für Cacher tabu sein, hier besteht die Gefahr, dass Tiere gestört und Pflanzen zertrampelt werden. Im Land Niedersachsen allerdings lässt man mit der vom Land verkündeten Naturtourismus-Doktrin auch in Schutzgebieten nichts aus, was auch noch die letzten Winkel des Landes „erlebbar“ machen soll, und diese Winkel sind genau die Rückzugsgebiete vieler Tier- und Pflanzenarten.

Umweltminister Hans-Heinrich Sander höchstpersönlich ließ sich von einem GPS-Gerät zu einem Versteck führen und will durch sein Ministerium im nächsten Jahr aktiv dazu beitragen, Caches anzulegen.

dpa, Donnerstag, 20.10.2011
Land will Jugendliche mit Geocaching für die Natur begeistern

Mit digitalen Schnitzeljagden, dem sogenannten Geocaching, will das Land Niedersachsen insbesondere junge Menschen in die Natur locken. […]
Im kommenden Jahr wolle das Umweltministerium in den niedersächsischen Naturparks kleine Schätze verstecken. „Die Gefahr ist nur, dass am Ende keiner mehr Karten lesen kann, wenn das GPS-Gerät auf einmal nicht mehr geht“, sagte Sander, der bei seiner ersten Geocaching-Wanderung sehr erfolgreich war. […]

Die nachgeordnete Verwaltung des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer in Wilhelmshaven hat offensichtlich in vorauseilendem Gehorsam schon die Touristen aufgefordert, selbst in diesem Großschutzgebiet ihr Hobby auszuleben:

Earthcaches sind besondere Naturschätze, wie sie z. B. unser Nationalpark bietet, das heißt, der Ort selbst ist der Schatz! Auf www.geocaching.com (und  www.geocaching.de) erfährst du, wie man diese Caches findet oder einen eigenen Cache versteckt. Außerdem gibt es Informationen, wie man mit diesem aufregenden und lustigen Hobby anfängt.

Hier sind die Links zu einigen Tradis und Earthcaches im Wattenmeer. Kennst du noch mehr?

Wer mit naturschutzgeübten Augen durch den Nationalpark geht, erkennt diese Schatzsucher sofort: Personen, die scheinbar orientierungslos mit suchendem Blick durch die Schutzgebiete laufen, sind in der Regel Geocacher auf der Suche nach ihrem „Schatz“.

Die oben abgebildete Karte zeigt in der Grobansicht die derzeit versteckten Caches im ostfriesischen Bereich einschließlich der Inseln, die alle zum überwiegenden Teil zum Nationalpark Wattenmeer gehören.

Die „Europäische Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen“ (EGE) hat auf ihrer WebSeite sehr pointiert dargestellt, was Cacher in Schutzgebieten anrichten können: Anlässlich eines Vortrages „Geocaching und Eulenartenschutz“ bei der 27. Jahrestagung der „Deutschen Arbeitsgemeinschaft zum Schutz der Eulen e. V.“ (AG Eulen) wurde am 22. Oktober 2011 in Marsberg im Sauerland Klartext geredet:

Erstens: Es ist wichtig, Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit und nicht zuletzt die Gruppe der Geocacher über die von ihr verursachte neuartige Artenschutzproblematik aufzuklären. Zweitens: Die Geocacher müssen sich endlich selbst verpflichten, ihre Freizeitaktivität in sensiblen Bereichen auszuschließen. Drittens: Die Geocaching-Plattformen müssen im Falle von Hinweisen auf problematische Caches rasch reagieren, diese löschen und die kritischen Bereiche dauerhaft sperren. Die Strategien wurden in dem Vortrag eingehend aufgezeigt.

Den kompletten Vortrag können Sie hier nachlesen: Geocaching und Eulenartenschutz Probleme und Lösungsmöglichkeiten

 

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