7. September 2014

Windenergie: Abstand zur Bebauung, Herr Kettwig ist besorgt

Hans-Dieter Kettwig, Geschäftsführer des Windanlagenbauers Enercon in Aurich, ist besorgt. Er ist besorgt um die Mindestabstände seiner gigantischen windabhängigen Stromgeneratoren zur Wohnbebauung. Herr Kettwig sorgt sich aber nicht um die Anwohner, die nervenden Rotorenlärm, ständiges Blinken, rotierenden Schattenwurf und den Wertverlust ihrer Häuser ertragen müssen. Nein, er sorgt sich darum, dass ihm und seinem Geschäftsmodell der Platz zum Aufstellen seiner Riesenrotoren, die angeblich Atomkraftwerke ersetzen sollen, ausgehen könnte.

Die Bundesländer Bayern und Sachsen haben im Bundesrat kürzlich erreicht, dass durch eine sog. „Länderöffnungsklausel“ im Baugesetzbuch die Abstände der Windmonster zur Bebauung auf das Zehnfache der gesamten Anlagenhöhe (bis zur Rotorspitze) festgelegt werden können, „können“, wohlgemerkt. Das Baugesetzbuch wurde am 01. August 2014 dahingehend geändert, dass die Bundesländer über die Mindestabstände entscheiden. Windkraftwerke der neuen Generation erreichen Bauhöhen von über 200 m, daskönnte dann einen Abstand von 2000 m zur Bebauung bedeuten, und das findet Herr Kettwig nicht lustig. In seiner Enercon-Hauspostille „Windblatt“ (Ausgabe 3-2014, S. 10) schreibt er: „Die seit Jahren gelebte Praxis der Regionalplanung bzw. kommunalen Flächennutzungs- und Bebauungsplanung hat zu guten Ergebnissen geführt. Letztlich wissen die Menschen vor Ort am besten, was für sie gut ist. Mit einer landesweiten Regelung spricht eine Landesregierung ihren Kommunen auch die Kompetenz ab, vor Ort kluge Entscheidungen zu treffen.“

Die „gelebte Praxis“ sieht aber so aus, dass Investoren zunächst ganz still und leise an den Anwohner vorbei die neuen Windparkflächen kaufen oder anpachten; störende Häuser, die Anlagen verhindern könnten, werden kuzerhand aufgekauft. Die Umweltverträglichkeitsuntersuchungen werden vom Investor bezahlt und fallen nicht selten entsprechend positiv in seinem Sinne aus. Dann, wenn die Investoren alles im Sack haben, heben die von Kettwig gelobten „Menschen vor Ort“ – gemeint sind die in der Regel völlig unbedarften örtlichen Ratsmitglieder – ihre Hände für die nur noch benötigten Flächennutzungspläne. Das geht üblicherweise flott und „wie geschmiert“ über die Ratsbühnen dieser angeblich kompetenten Marionettentheater, die eigentlich die gewählten kommunalen „Volksvertreter“ sein sollten. Nur das sind die nach Herrn Kettwig „klugen Entscheidungen“ und die „guten Ergebnisse“ für die Investoren mit Enercon-Maschinen. Diese Entscheidungen führen aber zur langjährigen Minderung der Lebensqualität für die betroffenen Anwohner, zu Lasten der Landschaft und der Natur. Und in kurzer Zeit wachsen vor den völlig überraschten Anwohnern die neuen Anlagen wie Pilze aus dem Boden. Atomkraft-, Kohle- oder Gaskraftwerke können diese nur vom launischen Wind betriebenen Anlagen nicht ersetzen, obwohl der weitgehend uninformierten Öffentlichkeit dieses Märchen „akzeptanzfördernd“ weiterhin eingehämmert wird. Zu einer verlässlichen Stromversorgung sind die Windanlagen völlig ungeeignet, da hat auch etwas mit Physik zu tun. Link: Fakten statt Energieromantik

Die Zwischeninstanz Bezirksregierung oberhalb des kommunalen Klüngels, die als Kontrollinstanz früher Einfluss auf diesen Wildwuchs von Windparks genommen hatte, wurde 2005 von der damaligen CDU-FDP-Regierung unter Ministerpräsident Wulff (der später auch nicht Bundespräsident konnte) abgeschafft und die Entscheidungen auf die untersten kommunalen Ebenen verlagert, mitten in den örtlichen Klüngel hinein. Die Nummer wurde
„Verwaltungsmodernisierung und „Stärkung der kommunalen Selbstverwaltung“ genannt!

In Niedersachsen mit seinem grünen Umweltminister wird Herr Kettwig offene Ohren finden: Das durchideologisierte Windland Niedersachsen sieht nur einen lächerlich geringen Abstand der Windriesen von 400 m zur Bebauung vor. Umweltminister Wenzel, der augenscheinlich auch nur „Klima“ und „Erneuerbare“ kann, will die Windenergie weiter ausbauen, bis zur Verdoppelung und Verdreifachung. Eine Arbeitsgruppe, überwiegend aus Vertretern und Zuarbeitern der windigen Industrie, arbeitet an einem Windenergieerlass im Lande, grüne Klientelpolitik pur. Für die betroffenen Landschaftsteile wird das verheerend sein. Die Monsteranlagen werden bei den lächerlich geringen niedersächsischen Abständen optisch vor dem Gartenzaun stehen. Es formiert sich aber immer mehr Protest gegen diesen rotierenden Windwahn im Lande. Mit „Klima, Fukushima, Atomkraft“ oder „Energiewende“ hat das nichts zu tun, es geht nur um den Profit aus der garantierten Subvention für die Anlagenbetreiber aus dem Erneuerbare Energien Gesetz (EEG), die die Branche am Leben hält, eine Lizenz zum Gelddrucken.

P.S.: Enercon-Geschäftsführer Hans-Dieter Kettwig ist selbst Betreiber der Windkraftfirma „Windpark Brandung III GmbH & Co. KG“ in Großefehn/LK Aurich!

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