17. Oktober 2018

„Austritt“aus dem Nationalpark Wattenmeer: Baltrumer CDU rudert zurück

Der von der Baltrumer CDU-Inselfraktion beantragte Nationalpark-Austritt der Insel hat sich erledigt, die Inselposse lief per dpa-Meldung durch die gesamte Republik, ganz ohne Sommerloch. Nun will die CDU-Fraktion doch keine Umwandlung der kleinen Nordseeinsel von einem Nationalpark in einen weniger geschützten „Naturpark“ mehr. Der Initiator des Antrages, Insel-Gastronom und Freizeit-Vogeljäger Jann Bengen (CDU), der die geschossenen Vögel in seinem Hotelrestaurant „Strandburg“ vermarket, ruderte und zog den Antrag im Rat der Gemeinde Baltrum zurück. Er fühle sich „mit Dreck beworfen“.

Laut NDR-Berichterstattung fühlen sich die Baltrumer vorgeblich durch den Nationalpark „gegängelt“, jetzt, nach 32 Jahren des Bestehens dieses Großschutzgebietes.

Der NDR  zitiert den Initiator Jann Bengen am 14. Oktober 2018 so:

„Ratsherr Jann Bengen sagte NDR 1 Niedersachsen, man habe gemerkt, dass das Ziel nicht zu erreichen sei. Es müsse in einer Demokratie aber möglich sein, dass man bestehende Schutzkonzepte auf seine Sinnhaftigkeit hinterfragt, ohne mit Dreck beworfen zu werden, so Bengen. Seine Partei werde jetzt den Antrag stellen, dass das Nationalparkgesetz überprüft und möglicherweise gelockert wird.“

Jetzt sollen es wohl die Partei-Amigos in Hannover richten, mit einer Änderung des Nationalparkgesetzes zugunsten der insularen Jagdleidenschaft auch auf Zugvögel in diesem EU-Vogelschutzgebiet.

Die vom NDR-Fernsehen in „Hallo Niedersachsen“ (Christina Gerlach, Studio Oldenburg) am 14.10.2018 dazu interviewte BUND-Mitarbeiterin im Baltrumer Nationalpark-Informationshaus schwafelte gar von einem „Kompromiss am Konferenztisch“, der „für beide Seiten tragbar ist“. Ein „tragbarer Kompromiss“ auch für die geschossenen oder nur angebleiten Zugvögel im Nationalpark und EU-Vogelschutzgebiet, garniert mit dem Etikett „Weltnaturerbe“? Von einer Mitarbeiterin eines großen Naturschutzverbandes hätte man eigentlich deutlichere Worte zur Jagd auch auf Zugvögel erwarten können. Dafür bewirbt die Dame, die offensichtlich voll in das überschaubare Inselsoziotop integriert ist, in ihrem Info-Haus die „Zugvogeltage“, mit denen Naturliebhaber das touristische Segment an der Küste ergänzen sollen. Damit wurde wieder einmal der Nachweis erbracht, dass sich Naturschutzverbände weit von ihren eigentlichen satzungsgemäßen Aufgaben entfernt haben.

Süddeutsche Zeitung, 16. Oktober 2018 10:43

Naturschutz – Baltrum
Baltrum-CDU zieht Antrag zum Nationalpark-Austritt zurück
Direkt aus dem dpa-Newskanal […] Kritiker hatten den Antrag als „skurril“ und „dreist“ zurückgewiesen. Als Hintergrund des CDU-Antrages machte der Naturschützer Manfred Knake vom Wattenrat die aktuelle Debatte über die Jagdpachtverträge im Nationalpark auf vier ostfriesischen Inseln aus. […]

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