Hammriche: ein Abgesang

Energiegewendet: Borßumer Hammrich bei Emden/Unterems, Aug. 2021 – Foto (C): Eilert Voß

Das schreibt Wikipedia zum Begriff „Hammrich“: „Hammrich (auch: Hammer, Plattdüütsch: Hammerk) werden in Ostfriesland und im Wangerland die ebenen und großräumigen Wiesen und Weideflächen mit wenig bzw. ohne jegliche Bebauung genannt. Die Bezeichnung ‚Hammrich‘ steht in Ostfriesland für als Wiese oder Weide genutztes Niederungsland (oft auch moorig) im Übergang von der Geest zur Marsch. Es handelt sich dabei um eine typisch ostfriesische Landschaft, die von kleinen Gewässern, den Schlooten sowie Tiefs durchzogen wird. Die Landschaft wurde im letzten Jahrhundert durch den Bau von Strommasten, der Autobahn A 31, Eisenbahntrassen und neuerdings gelegentlichen Windparks vom Erscheinungsbild stark zerschnitten.“

Wie es um die ehemals landschaftstypischen Hammriche tatsächlich bestellt ist, beschreibt unser Mitstreiter Eilert Voß am Beispiel von Flächen im Bereich Aurich, Emden bis Leer. Fazit: Landschafts- oder Naturschutz ist auch hier nur eine hohle Phrase.

„…..der Niedergang der Hammriche zwischen Emden-Aurich und Leer hat eine lange Geschichte und spitzte sich zu, als 1954 mit der Überspülung unzähliger Feuchtwiesen und kleiner Binnenmeere mit Emsschlick begonnen wurde. Im Rahmen dieser „Flurbereinigungen“ wurden Unterschöpfwerke gebaut und den Niedermoor-Wiesen das Wasser entzogen. Höhere Viehbestände, die Umstellung vom Festmist auf den Flüssig-Dung (vulgo Gülle), der Verzicht auf Heuwiesen, der Grünlandumbruch und die Neueinsaat monotoner Industriegräser führte zu einem Kollaps der einstigen Artenvielfalt von Pflanzen, Insekten, Wiesenvögeln u. Wasserlebewesen. In der Weite der einst offenen Hammriche und in den Wasserläufen der 1. bis 3. Ordnung ist eine „Diversität“ in der Breite des früheren Artenspektrums kaum noch vorhanden.

Oldersumer Hammrich/Unterems: alles für den Öko-Strom, Bau der Tennet-Offshoretrasse, August 2021 – Foto (C): Eilert Voß

Mit Ausnahme der 3.800 ha großen, überspülten u. zerstörten Feuchtwiesen-Flächen, befinden sich die nicht überspülten, tiefer liegenden landwirtschaftlichen Nutzflächen ebenfalls in einem jämmerlichen Zustand, da zu stark entwässert wird und die moderne Milchwirtschaft nur funktioniert, wenn die Wirtschaftsfläche für schweres Gerät ganzjährig befahrbar ist. Bis zum Bau der ersten Windkraftanlagen in den Hammrichen hätte die Politik immer noch die Möglichkeit gehabt, mit einer Agrar-Reform die landschaftszerstörende Wirtschaftsweise der Milchbauern zu beenden, das gesamte Einzugsgebiet des Feentjer-Tiefs konsequent zu vernässen und sich nicht nur auf klitzekleine Reste zu beschränken, bei denen bereits unüberhörbar ist, dass Bauern mit 200 Treckern anrücken, wenn nur 1 Hektar Naturschutzgebietsfläche neu geschaffen werden soll!

Oldersumder Hammrich/Unterems: schwerlastfähiger Wegebau für die TENNET-Offshoretrasse, August 2021 – Foto (C): Eilert Voß

Mit der Preisgabe der Hammriche an die Energiewirtschaft sind alle Überlegungen Makulatur, die Niederungsgebiete im Dreieck Emden/Aurich/Leer naturnah zu entwickeln. Windbarone und TENNET setzen nur einen Schlusspunkt! Die Investitionen in diese Geldmaschinen sind gigantisch und kein Investor wird auf diesen Mehrwert verzichten. Egal, ob die WKAs, Gittermasten und Starkstromkabel sich dem Vogelzug vom Dollart Richtung Nord in den Weg stellen. Wenn dem „Eigentum“ mit einem höherwertigen „Naturschutzrecht“ nicht beizukommen ist, werden beste Argumente für den Artenschutz weiter in den Dreck getreten. Kein Politiker in diesen Tagen, begreift die Dramatik und hätte den Mut, die Vokabel „Enteignung“ überhaupt in den Mund zu nehmen und damit seine Karriere im Keim zu ersticken. […] Der Niedergang des großen Feuchtgebietes rechts und links des Feentjer-Tiefs ist so vielschichtig und eine Wendung zum Guten so unwahrscheinlich, dass ich mir nicht die Zeit nehmen möchte, all das aufzudröseln, was Lobbyisten und Politiker über Jahrzehnte im Hammrich verzapften: ihn als Depot für giftigen Emsschlick und aktuell unter dem Oberbegriff der ´Energiewende´ zu missbrauchen.“

Hammrich Oldersum/Grovehörn: Intensivlandwirtschaft mit Silagegras und Windenergie, August 2021 – Foto (C): Eilert Voß

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