Silvester 2025: ausgeböllert auf Langeoog (?)

Screenshot/Bildzitat: https://www.langeoog.de/beitraege/bei-uns-bitte-nicht-bollern (Nachtrag 02. Jan. 2026: kräftig geböllert wurde dennoch, wenn auch weniger als in den Vorjahren, berichten Langeoogbesucher auf Nachfrage)

Ausgeböllert auf Langeoog (?): Seit Jahren weist der Wattenrat auf die Unsitte des Böllern an der Küste in den nationalparknahen Bereichen hin. Nicht nur die Haustiere der Insulaner und der Touristen leiden unter Blitzen und Explosionen zu Silvester. Es sind vor allem die streng geschützten Vogelarten, die in den Watten und Salzwiesen des Nationalparks durchziehen oder hier überwintern und die panisch auf das plötzliche Einsetzen des jährlichen Bespaßungslärms reagieren.

Damals berichteten auch noch die Medien über die Forderungen des Wattenrates zum Böllerverbot am Nationalpark Wattenmeer, u.a. hier.

Nordwest Zeitung, Oldenburg, 28. Dez. 20216

Wilhelmshaven/Spiekeroog – Der Wattenrat kritisiert, dass es direkt am Strand von Norddeich erneut eine öffentliche Silvesterparty geben soll. Der Nationalpark sei als Schutzgebiet für wildlebende Tiere 30 Jahre nach seiner Gründung nicht in den Köpfen von Anwohnern und Touristen angekommen, sagte der Sprecher des Wattenrates, Manfred Knake. Silvesterfeuerwerke könnten Tiere in Angst und Schrecken versetzen. […]

Diese rücksichtslosen Zeiten sind noch nicht überall vorbei, es hat aber ein begrüßenswerter Bewusstseinswandel auf der Touristeninsel Langeoog stattgefunden, 40 Jahre nach der Ausweisung des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer. Die Lokalzeitung „Anzeiger für Harlingerland“ aus Wittmund berichtete am 27. Dez. 2025 dies:

Langeoog setzt erstmals auf Lichtshow statt Böller

SILVESTER – Appell zum Verzicht auf Feuerwerk für Sicherheit und Umweltschutz […]

Es ist das erste Mal, dass die Inselgemeinde Langeoog ausdrücklich um den Verzicht auf Böller bittet, wie Bürgermeister Onno Brüling (CDU) sagt. Ausschlaggebend war ein Antrag von Ratsfrau Bärbel Kraus (Grünen) zur Einrichtung von Feuerwerksverbotszonen auf der Insel, die mitten im Nationalpark Wattenmeer liegt. Am Ende entschied sich die Verwaltung für einen Appell anstatt eines Verbotes. […]

Laut Zeitungsber­icht werden auf der Insel keine großen Böller mehr verkauft, das Mitbringen vom Festland ist untersagt. Frage: Wer kontrolliert am Fähranleger Bensersiel auf welcher Rechtsgrundlage das Reisegepäck auf mitgeführte Böller?

Nun optische Beeinträchtigung statt akustischer

Alternativ soll nun eine Lichtshow das Feuerwerk ersetzen. Darüber wird auf der Langeoog-Webseite bereits im Juli 2025 berichtet. Nur wirkt eine plötzlich in den Himmel projizierte grell-farbige und sich bewegende optische Lichtshow ebenfalls weit in den Nationalpark hinein und führt auch zum kräftezehrenden Fluchtverhalten und zur Orientierungslosigkeit der Zugvögel  – und ist daher keineswegs „umweltfreundlich“, nur weil die Akustik fehlt. Die Einhaltungen von gesetzlich verankerten Schutzbestimmungen in einem Großschutzgebiet ist keine Spaßbremse!

[…] Welche Wirkung haben Feuerwerke und Lasershows auf die Schutzgebiete?

Feuerwerke und Lasershows sind in der Regel mit Lärm- und Lichtimmissionen verbunden, die in der weiten Küstenlandschaft einen besonders großen Wirkbereich haben. Besonders hervorzuheben sind die sogenannten Höhenfeuerwerke mit lauten Knalleffekten und leistungsstarke Laser und Scheinwerfer. […] (aus: Naturschutzfachlicher Leitfaden für die Planung, Genehmigung und Durchführung von Feuerwerken und Lasershows an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste)

Ob auf den anderen Ostfriesischen Inseln ebenfalls auf Silvesterfeuerwerke verzichtet wird, konnte vom Wattenrat nicht abschließend in Erfahrung gebracht werden, auf der Insel Spiekeroog eiert man um das Thema herum:

Silvester auf dem Rathausplatz […] Während Feuerwerk und Böller nicht generell verboten sind, wird ein ruhiger und harmonischer Start ins neue Jahr gefördert. Besonders Vögel, aber auch andere Tiere können durch laute Geräusche in Panik geraten, was die Bedeutung eines sanften Übergangs ins neue Jahr unterstreicht.“ (Webseite Dez. 2025)

Im Nachbarland Niederlande ist der Verkauf und das Abbrennen von Böllern ab 2026 untersagt, das lässt hoffen…

Rückblick

Bis vor wenigen Jahren wurde die Böllerei auf Langeoog noch beworben, hier ein Rückblick in das Jahr 2016 (beachten Sie bitte auch die Verlinkungen unter diesem Beitrag):

Die [damalige] Ratsvorsitzende des Inselrates, Brigitte Kolb-Binder (parteilos für die FDP) betreibt mehrere Hotels auf der Insel (und ist auch Betreiberin des Restaurants „Strandhalle“, das unweit des Ortes des Feuerwerks steht), verteidigte dieses laut- und lichtstarke Inselevent in der Lokalzeitung „Anzeiger für Harlingerland“ in Wittmund am 22. Juli 2016 u.a. so:

[…] „Wir sind uns dessen bewusst, dass wir Biosphärenreservat sind. Wir sind uns aber auch bewusst, dass es hier um das Zusammenleben von Natur, Tierwelt und Mensch geht. Entgegen derer, die Biosphärenreservat und Nationalpark mit ,Menschen raus‘ verwechseln“, so Birgit Kolb- Binder. In einem Biosphärenreservat gehe es um den Menschen als Bestandteil dessen, in diesem Fall um Langeooger und Touristen, um die Existenz der Insel. „Wir leben zu 99 Prozent direkt oder indirekt vom Tourismus“, betont die Ratsvorsitzende und erklärt in ihrer Stellungnahme: „Ja, wir sollen mit einem guten Beispiel vorangehen.“ Und weiter: „Genau das tun wir mit unserem Antrag. Wir ziehen den Wunsch nach vielen und kleinen Feuerwerken zurück und wünschen stattdessen ein Feuerwerk, das laut Informationen des ehemaligen Nationalparkwarts Jan Weinbecker sehr wahrscheinlich keine Auswirkung auf den Erhaltungszustand der Populationen hat. Wissenschaftliche Beweise der Gefährdung fehlen gänzlich oder welche Auswirkungen hat dann ein Sommergewitter?“, so Kolb-Binder. Dieses Feuerwerk sei Bestandteil der Tradition des Dorffestes, ein Gruß und ein Dankeschön an alle Gäste, um einen friedlichen und schnellen Abschluss des Dörpfestes zu sichern. […]“

Nur wusste ihr angeblicher Unbedenklichkeitszeuge Jan Weinbecker gar nichts von „keine Auswirkung“ und wies das vehement zurück. Hier der Rückblick in das Jahr 2016. Frau Kolb-Binder ließ es auch schon im Mai 2013, mitten in der Brutzeit, anlässlich ihres runden Geburtstages vor ihrer „Strandhalle“ mit einem großen Feuerwerk krachen.

Insel Spiekeroog 2017

Ein von der Kommune auf dem Verordnungswege erlassenes Böllerverbot auf der Insel Spiekeroog wurde 2017 vom Verwaltungsgericht Oldenburg mit fragwürdigen Argumenten gekippt. Ein bölleraffiner Gastwirt auf der Insel, auf der sonst gerne mit Ruhe und Beschaulichkeit geworben wird, hatte gegen das Böllerverbot geklagt. Die Merkwürdigkeiten um diese Klage, die wohlwollende Berichterstattung des NDR und den nicht veröffentlichten Leserbrief eines Urlaubers in der Lokalzeitung können sie hier nachlesen.

Link: Max-Planck-Gesellschaft, 2022: Feuerwerk beeinflusst Wildvögel langfristig – Veränderungen im Verhalten der Tiere halten viele Tage nach der Feuerwerksnacht an

Bearbeitet und ergänzt am 04. Jan. 2026

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