Erneut illegaler Blässgansabschuss bei Petkum/Ems

Blässgans, ganzjährig keine Jagdzeit. Fundort: am 03. Januar 2026, Jagdrevier Petkumer Münte/östl Emden – Foto: Eilert Voß/Wattenrat

Am 26. November 2025 berichteten wir bereits über den illegalen Abschuss von mehreren Blässgänsen durch eine Jagdgesellschaft im Naturschutzgebiet Unterems, Teil des EU-Vogelschutzgebietes von Leer bis Emden. Die bei uns überwinternden arktischen Blässgänse haben in Niedersachsen keine Jagdzeit und werden leicht mit zeitlich befristet jagdbaren Graugänsen (erlaubt auch in Schutzgebieten!) verwechselt. Man kann daraus schließen, das diese Jäger die Artenunterschiede trotz bestandener Jägerprüfung nicht kennen oder einfach der Jagdeifer mit ihnen durchgeht. Fehlabschüsse können den Jagdschein kosten. Dabei können Grau- von Blässgänsen ganz einfach durch den unterschiedlichen Flugruf unterschieden werden, nur muss man das gelernt haben – das gehört zur Praxis dazu. Nun wurde erneut eine tote und eindeutig geschossene Blässgans binnendeichs bei Petkum (Jagdrevier Petkumer Münte) östlich von Emden gefunden.

Die Röntgenaufnahme zeigt zwei Schrotkörner unterschiedlicher Kaliber im Körper, die Gans wurde also zweimal von Jägern angeschossen und verendete dann.

Das Röntgenbild der geschossenen Blässgans zeigt zwei unterschiedlich große Schrotkugeln, es muss als mindestens zweimal auf die Gans von verschiedenen Personen geschossen worden sein – Röntgenfoto: privat

In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Fehlabschüsse von Blässgänsen, z.B. 2013, ebenfalls im Jagdrevier Petkumer Münte.

Archiv, 21. Dez. 2013: Petkum, an der Leeraner Straße, Treibjagd auf Hasen, „nebenbei“ wurde eine nicht jagdbare Blässgans geschossen. Diesen Schießern sollte man den Jagdschein entziehen! Foto: Archiv Wattenrat

Oder hier im Schutzgebiet Petkumer Deichvorland im EU-Vogelschutzgebiet im Nov. 2011.

Blässgans, Ablageort ist nicht Fundort, geschossen im NSG Petkumer Deichvorland, Nov. 2011 – Foto: Archiv Wattenrat

Mitarbeiter des Wattenrates haben zudem mehrfach beobachtet, wie Gänsejäger in hoch überfliegende Gänsepulks schossen. Dabei können Gänse durch Schrotkugeln verletzt werden und später an den Verletzungen verenden. Oft wird sich auch nicht an das Verbot von giftigem Bleischrot an und über Gewässern gehalten, wie gefundene Patronenhülsen beweisen. In diesem Falle ist das irrelevat, da die Gans im Binneland außerhalb von Gewässern geschossen wurde.

Der aktuelle Fehlabschuss wurde bei der Polizei in Emden angezeigt.

Nachtrag:

Am 28. Januar 2026 berichtete u.a. die Neue Osnabrücker Zeitung ausführlich über den Jagdverstoß:

Vorwurf vom Wattenrat: Jäger sollen geschützte Blässgänse in Ostfriesland geschossen haben

Von Holger Szyska

Erneut stehen Jäger im Verdacht, an der Ems geschützte Blässgänse abgeschossen zu haben. „Die Ermittlungen hierzu wurden aufgenommen und dauern an“, teilte Melina Trey, Pressesprecherin der Polizeiinspektion Leer/Emden, auf Anfrage mit. Vogelschützer haben Anzeigen wegen Fällen im Deichvorland der Ems bei Petkum sowie zwischen Oldersum und Terborg erstattet. […]

Bearbeitet und ergänzt am 30. Januar 2026

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