11. September 2010

Wettlauf um neue Industrieflächen an der Ems: Präsident der IHK Ostfriesland/Papenburg auch Geschäftsführer der Baufirma Johann Bunte

Emsmündung mit Rysumer Nacken

Der Rysumer Nacken westlich von  Emden ist ein durch Fahrwasserlegung und Aufschüttung entstandene Fläche an der Ems, auf der derzeit ein Gasterminal und einzelne Windkraftanlegen von BARD und Enercon stehen, sonst liegt die Fläche weitgehend brach. Im Norden grenzt der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer unmittelbar an. Wie aus der Ostfriesen Zeitung vom 10. September 2010 zu erfahren war, „mahnt“ der der Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) für Ostfriesland und Papenburg, Manfred Wendt, „in Sachen Rysumer Nacken zur Eile“ an.

[…]“Wir brauchen eine schnelle und zielgerichtete Erschließung“, sagte Wendt am Donnerstag und verwies auf die Entwicklung im niederländischen Eemshaven: „Es ist nicht weit bis zur anderen Seite des Dollarts.“ Anders gesagt: Die Konkurrenz zum Emder Hafen sitzt auch am niederländischen Ufer der Ems. In Eemshaven sind, wie berichtet, gerade wieder gut 60 Hektar freigeworden, weil die Energiekonzerne Essent, Gasunie und Vopak Pläne für den Bau eines Flüssiggas-Terminals begraben haben. Hafenbetreiber Groningen Seaports sucht einen neuen Käufer. Die Fläche, so Wendts Befürchtung, könnte unter anderem Windkraft-Firmen interessieren, die auch für eine Ansiedlung auf dem Rysumer Nacken in Frage kämen.[…]

Was der Zeitungsbericht verschweigt: Wendt ist nicht nur der Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) für Ostfriesland und Papenburg, er ist gleichzeitig auch Geschäftsführer der Baufirma Johann Bunte mit dem Hauptsitz in Papenburg. Somit dürfte der Herr Geschäftsführer nicht nur die Interessen der IHK Ostfriesland und Papenburg, sondern auch die seiner Firma vertreten, wie praktisch. Die Pressemitteilung der IHK sieht die Ausbaupläne schon als „Unterstützung der ganzen Region“; damit dürften die willfährigen Politiker gemeint  sein, die das Bauprojekt auf dem Rysumer Nacken absegnen muss. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Die Beziehungen zu politischen Entscheidungsträgern müssen hervorragend sein. Zweifellos wird der Ausbau des Rysumer Nackens auch mit weiteren Emsvertiefungen verbunden sein, die Auswirkungen auf den Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer, den Dollart mit Teilen des Nationalparks und das Weltnaturerbe haben werden. Und so kommt er dann doch noch: Der umstrittene „Dollarthafen“ in anderer Form an geringfügig anderer Stelle, dessen Bau bereits 1978 von Emder Kommunalpolitikern verkündet, aber nie gebaut wurde.Damals wehrten sich noch die Naturschutzorganisationen  BUND, NABU und WWF gegen den Bau dieses Hafens, heute ist Ruhe an der Naturschutzfront der Ems.

Rysumer Nacken, Grenzbereich zum Nationalpark Wattenmeer, im Hintergrund der Leuchtturm von Campen

Die Firma Bunte war und ist auch auf ganz anderen Baustellen aktiv: Das Ems-Stauwerk für die Meyer Werft (ebenfalls in Papenburg ansässig) wurde von ihr gebaut, sie hat Aufträge zum Ausbau der Autobahn A1 von Bremen nach Hamburg, die dort schon wegen viel zu enger Baustellendurchfahrten mit schweren Verkehrsunfällen und nagelneuen. aber maroden Straßenbelägen ins Gerede kam. Auch die berühmt-berüchtigte Startbahn West des Frankfurter Flughafens wurde von Bunte gebaut. Schließlich erhielt die Firma Johann Bunte aus Papenburg am 25. September 2007 den endgültigen Zuschlag für den Bau des Jade-Weser-Ports in Wilhelmshaven. Das Vergabeverfahren für die Bauausführung war zunächst sehr umstritten, was zu einer gerichtlichen Prüfung führte, deren Ergebnis der Ausschluss des zunächst erfolgreichen Bieters Hochtief war.

Industrie- und Handelskammer für Ostfriesland und Papenburg, Dok-Nr.: 6539

IHK-Präsidium für Hafenausbau am Rysumer Nacken

Das IHK-Präsidium befürwortet nachdrücklich die Ausbaupläne für den Seehafen Emden am Rysumer Nacken. Aufgrund der großen wirtschaftlichen Bedeutung verdiene das Projekt die Unterstützung der ganzen Region, betonte IHK-Präsident Manfred Wendt. Zuvor hatte Oberbürgermeister Alwin Brinkmann auf der Sitzung Anfang August in Emden die Planungsabsichten der Stadt zur Erschließung des Geländes vorgestellt.
Der Bedarf an Ansiedlungs- und Erweiterungsflächen im Emder Hafen konnte in den vergangenen Jahren durch umfangreiche Aufbereitungsmaßnahmen von Bestandsflächen gedeckt werden. Unter Berücksichtigung aktueller Vorhaben ergibt sich allerdings zusätzlicher Flächenbedarf. Für die Entwicklung des Emder Hafens, der mit den Kunden wachsen können muss, ist daher die Erschließung neuer Kaianlagen und Flächen am Rysumer Nacken von herausragender Bedeutung. Am seeschifftiefen Wasser können hier die Terminalkapazitäten für die zukünftige Entwicklung entstehen – insbesondere für den Forstprodukt-, Kfz- und Offshore-Umschlag. Mit weiteren erheblichen Investitionen der ansässigen Unternehmen in die Suprastruktur ist zu rechnen – sobald die nötige Infrastruktur vorankommt. Die staatliche Seite ist hier gefordert: Stadt, Bund und Land müssen zu schnellen, pragmatischen Lösungen kommen. Der Ausbau des Rysumer Nackens ist somit eine Herausforderung, die schnell und parteiübergreifend angegangen werden muss – damit diese historische Chance für eine zukunftsorientierte Emder Hafenentwicklung nicht ungenutzt verstreicht.

Bunte ist ein Bauunternehmen mit den Schwerpunkten Bahnbau, Deponiebau, Erbau, Straßenbau, Tiefbau, Wasserbau und Ingenieurbau.

Wesentliche Beteiligungen:
1. Transport- und Baustoffhandelsgesellschaft mbH (100 Prozent)
2. Heeren – Herkener Kiesbaggerei GmbH (50 Prozent)
3. Sibobeton Papenburg GmbH & Co. KG (48 Prozent)
4. Windpark Mahlwinkel (50 Prozent)
5. MRG Recycling u. Baustoffverwertung GmbH & Co. KG (40 Prozent)
6. Hopperbagger Betriebs GmbH (100 Prozent)
7. Tecton Baugesellschaft mbH (25 Prozent)

Gegründet wurde das Unternehmen 1872 von Johann Bernhard Bunte.

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