9. September 2010

Globalisierter Chemiemüll am Dollart und Weltnaturerbe Wattenmeer

Sodaabwässer in der "Bocht van Wartum" am Dollart, Delfzijl

Seit Jahrzehnten dampft und stinkt es am Wattenmeer des Dollarts vor der niederländischen Industriestadt Delfzijl. Seit 1957 leitet die chemische Fabrik Akzo-Nobel, 1998 von der britischen Firma Brunner Mond übernommen und seit 2006  Teil der expandierenden Tata Chemical aus Indien einen inzwischen globalisierten Giftcocktail in die „Bocht van Wartum“ ein. Das ist ein Nebenfahrwasser der Ems vor Delfzjil, das in den Dollart führt. Der Dollart ist Teil des Weltnaturerbes Wattenmeer. In Delfzijl wird Soda produziert, eingeleitet wird das Abfallprodukt, ein heißes Gemisch aus Calziumchlorid, Gips und Sand, verunreinigt mit Natriumhypochlorid, diese Lauge ist stark alkalisch und ätzend, pH-Wert 11.

Delfzijl: Chemiedeponie im Watt

Bereits 1987 musste Akzo 13 Millionen Euro für die illegale Einleitung von Hexachlorbenzol in das Wattenmeer bezahlen. Was sonst noch aus den Abwasserohren fließt, wie z.B. chlororganische Verbindungen, lässt sich nur vermuten.

"Vulkan" im Emswatt, heiße Sodaabwässer aus Delfzijl

Schon 1995 warnten Mitarbeiter des heutigen Wattenrates presseöffentlich über die Gefahren der Einleitung für Mikroorganismen, Fische und Seehunde in der Ems: John de Boer, damals in Delfzijl wohnend, legte sich mit der Stadtverwaltung an, Eilert Voß aus Emden machte die Missstände an der ostfriesischen Küste publik und dokumentierte die gelbliche Brühe.

Akzo in Delfzijl

Geändert hat sich wenig, es werden sogar belastete Hafenschlämme aus Delfzjil mit Schiffen im Dollart verklappt. 20.000 Tonnen Sodarückstände darf das Chemiewerk jährlich mit behördlicher Genehmigung über die „Bocht van Wartum“ in den Dollart einleiten, seit 1957 wären das 1 Million und sechzigtausend Tonnen! Davon sind 1 Prozent nicht abbaufähiges Material, also 10.600 Tonnen. Der damalige Akzo-Umweltreferent (!) Arie Hoven räumte in der Emder Zeitung vom 8. April 1995 ein, dass „das Material auf der Haut brennt…In einem Umkreis von 50 Metern ist kein Leben mehr möglich“. Im Watt vor Delfzijl ist die Summe der Einleitungsrückstände inzwischen auf 370.000 Kubikmeter zu einer kleinen Insel von 18 Hektar Größe angewachsen und lässt sich, zusammen mit der Abwasserfahne, sogar aus dem Weltraum erkennen. Nun werden in den Niederlanden staatlicherseits Überlegungen angestellt, diese Mülldeponie im Watt zu „sanieren“. Die Wasserbehörde „Rijkswaterstraat“ will den Berg abtragen lassen, fragt sich nur wohin. Der Wattenrat meint, dies darf nur an Land geschehen, eine Verklappung auf See verbietet sich.

Sperrgebiet vor der chemischen Fabrik

Und wer nun meint, mit der Beseitigung des Giftmüllinsel im Dollart seien die Umweltprobleme dort gelöst, sei an die enormen Salzeinleitungen aus den Salzkavernen im Rheiderland erinnert. Von dort werden ca. 6000 Kubikmeter Salzsole stündlich (!) in das Weltnaturerbe Wattenmeer gespült, die Außenems soll für die Kraftwerke in Eemshaven vertieft  werden,  in Pogum wurden den Niederländern schon vom niedersächsischen Umweltminister Sander Deponieflächen angeboten. In Emden soll der Rysumer Nacken als Industriegebiet erschlossen werden.

Delfzijler Verklappungsschiff am Geisedamm

Pikanterweise ist das bestehende Verklappungsgebiet für den Delfzijler Hafenschlick im Dollart auch Teil eines Seebestattungsgebietes eines Seebestatters aus Leer: Südlich des Geisedamms, in Höhe von Wybelsum (im Großen Gat) wird der belastete Hafenschlick verklappt, und die Urnen. In den niederländischen Seekarten ist diese Stelle als „Stortplaats“ bezeichnet. Wer will schon seine letzte Ruhe in stark belastetem Hafenmüll finden….

Seebestatter am Verklappungsgebiet, Geisedamm, Dollart

Dagblad van het Noorden, Groningen, online, 07. Sept. 2010

DELFZIJL -Rijkswaterstaat onderzoekt of het haalbaar is een eilandje in de Eems, dat uit zogeheten kalkgries bestaat, af te graven. Kalkgries is een bijproduct dat ontstaat bij de productie van soda. De berg van 18 hectare is het gevolg van jarenlange legale lozingen door Brunner Mond op de Eems. De Waddenvereniging ziet de griesberg, die even voor de Schermdijk in de havenstad ligt, graag verdwijnen. Het is nu een doods terrein waar geen planten- of dierenleven voorkomt.“ Paula Hof van Rijkswaterstaat zegt dat nog dit jaar duidelijk wordt of het haalbaar is de berg van 370.000 kubieke meter te saneren. Het gries wordt al sinds 1957 op de Eems gespuwd. Bij laag water is er een zandplaat te zien.

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