21. Dezember 2013

Orkan „Xaver“: der Heftige, aber nicht der Stärkste

Im Orkan "Xaver" havarierte Windkraftanlage in Vlatten/Eifel am 05. Dez. 2013 , Abriss des Generatorgehäuses (Foto); am 06. Dez. 2013 havarierte auch eine Enercon-40 in Döhlen/LK Oldenburg ebenfalls durch Abriss des Generators

Am 05. und 06. Dezember 2013 fegte der Orkan „Xaver“, nur wenige Wochen nach dem Sturmtief „Christian“, über weite Teile Europas hinweg. Von vielen Medien wurde „Xaver“ als bevorstehende Apokalypse angekündigt, in seinen Auswirkungen blieb er aber hinter der Gewalt von „Christian“ zurück. Allerdings führte das Sturmtief „Xaver“ durch die Windrichtung und die Springtide nach Neumond zu drei schweren Sturmfluten nacheinander (Kettentiden) an der Nordseeküste. In Emden lief das Hochwasser mit einer Abweichung von 3,52 m über dem mittleren Hochwasser auf. In Hamburg waren es durch den Trichter der Elbe fast 4 m: In Sankt Pauli erreichte das Hochwasser einen Wert von 3,98 m über dem mittleren Hochwasser. Einzelne Böen erreichten Spitzenwerte zwischen 150 und 160 km/h, also Orkanstärke von 12 Beaufort. Auf Norderney wurde am 05. Dezember eine Spitzenböe von 121,7 km/h gemessen. Link: BSH_Xaver_Sturmflut_5-6_12_2013                                                           

Campingplatz Bensersiel: Zwei Schrauben am Schild hielten, der Zaun nicht

Dennoch noch blieben die Sturmflutschäden an der Küste relativ gering. Die Deichachten in Ostfriesland beklagten einen hohen Treibselanfall (Teek), der kostenaufwändig entsorgt werden muss. Die Deichachten klagen aber nach jedem Sturm, es geht immer um das nötige Geld der Entsorgung. Verglichen mit früheren Sturmfluten war der Treibselanfall aber diesmal überschaubar. Im Januar 1976 z.B. türmte ein Orkan Teek stellenweise mehr als mannshoch auf. Auf den Ostfriesischen Inseln riss „Xaver“ große Dünenareale weg, die aber zur statischen Inselsicherung mit erheblichen öffentlichen Mitteln wieder aufgespült werden.

Würde man die bewohnten Inseln nicht sichern, entstünden Windrisse in den Dünen und die Sandmassen würden nach Sturmfluten abgetragen und an anderer Stelle wieder angelandet. Der weggespülte Sand verlagerte sich großräumig an andere Stellen der Inseln; die Inseln veränderten ihre Form und Position durch diese natürliche Dynamik  ständig, sie würden zusammenwachsen oder getrennt werden, „pendeln“ oder „wandern“. Ohne die Festlegung der Inseln und der Küstenlinie mit Deichen und Küstenschutzbauwerken sähe der Küstenverlauf ganz anders aus und würde sich nach jeder Sturmflut verändern. Dann wäre dieser Landstrich aber auch nicht dauerhaft bewohnbar. Daher kommt auch die anmaßende Redensart: „Gott schuf das Meer, die Friesen die Küste!“ Die heutige Insel- und Wattenökologie ist streng genommen Natur aus zweiter Hand, ein Restökosystem durch ständige Eingriffe des Menschen verursacht.

Campingplatz Bensersiel, zerstörter Zaun, tote Brandente

Klimaalarmisten können sich auch durch gehäufte Starkwindereignisse nicht bestätigt fühlen, der Deutsche Wetterdienst (DWD) analysierte den Sturm so: DWD_Orkan_XAVER_Dez2013


Auszug:

[…] „Eine Einordnung des Orkans XAVER vor dem Hintergrund der Auswirkungen des Klimawandels ist ausgesprochen schwierig. Zwar deuten einige regionale Klimaprojektionen darauf hin, dass die Anzahl der Winterstürme im Verlauf des 21. Jahrhunderts in Deutschland möglicherweise um bis zu 50% zunehmen könnte, die Belastbarkeit dieser Aussage ist jedoch gering, da es auch Klimamodelle gibt, die diese Aussage nicht stützen. So lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt zum Beispiel kaum sagen, ob hiervon das gesamte Bundesgebiet betroffen sein wird oder ob es einzelne Regionen möglicherweise stärker treffen könnte als andere. Zudem lässt sich von Einzelereignissen wie XAVER grundsätzlich nicht auf langfristige Klimaänderungen schließen. Erst bei einer über viele Jahre hinweg beobachteten Änderung der Häufigkeit oder Stärke solcher Stürme kann tatsächlich von einem belastbaren Trend ausgegangen werden. Noch problematischer ist es, einen zunächst mit rein statistischen Mitteln nachgewiesen Trend auch wirklich menschlichem Handeln zuzuschreiben. Verantwortlich hierfür sind natürliche Klimaschwankungen, welche die Auswirkungen des vom Menschen verursachten Treibhauseffektes überlagern können. Sie stammen u.a. von der zeitlich veränderlichen Sonnenaktivität und den periodischen Schwankungen der weltweiten Ozeanzirkulation.

Die Auswertungen der mittleren sowie der maximalen Windgeschwindigkeiten im Bereich der Deutschen Bucht im Zeitraum 1880-2012 weisen dementsprechend Schwankungen mit einer Periodendauer von etwa 40 Jahren auf. Dabei verläuft die Entwicklung von mittleren und maximalen Windgeschwindigkeiten praktisch parallel. Ein eindeutiger Trend ist hingegen in keiner der beiden Zeitreihen zu erkennen. Der für die Zukunft erwartete Trend zu mehr Stürmen lässt sich bislang also nicht nachweisen. Auch die Tatsache, dass neben XAVER vor einigen Wochen bereits der Sturm CHRISTIAN über Deutschland wütete, ist aus klimatologischer Sicht als normal zu bewerten, da Winterstürme oft in gehäufter Form auftreten. Dies ist auf die Lage und Intensität der so genannten Frontalzone, also der Luftmassengrenze zwischen warmer Luft im Bereich der Subtropen und der kalten Polarluft zurückzuführen. Ist diese Grenze scharf ausgeprägt und liegt Mitteleuropa in ihrem Bereich, so kommt es in vielen Jahren wiederholt zu Sturmereignissen. In anderen Jahren entwickeln sich dagegen zum Teil überhaupt keine Stürme. So traten zum Beispiel im Winter 1989/1990 im Zeitraum vom 25. Januar bis zum 1. März insgesamt 8 Orkane auf. Dabei verursachten die Stürme VIVIAN und WIEBCKE innerhalb von nur 3 Tagen insgesamt 5 Sturmfluten in kurzer Reihen-folge. Auch wenn es sich im Jahr 1990 um 2 Orkane handelte, sind die Auswirkungen von XAVER mit der damaligen Situation durchaus vergleichbar.[…] „

Link: Deutscher Wetterdienst (2001): Entwicklung der Sturmhäufigkeit in der Deutschen Bucht zwischen 1879 und 2000

Insel Juist: Dünenabbruch vor der Domäne Loog

Insel Juist: wegrutschende Düne mit Sanddornbewuchs, Höhe Hammersee

Treibsel (Teek), Spülsaum als Wasserstandsmarkierung nach drei Kettentiden, Dornumersiel/LK Aurich, am Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer

Treibsel (Teek) Flutmarke am Deich (0ben links): So hoch stand das Wasser!

Teek im Spülsaum, Dornumersiel/LK Aurich

Landunter nach der Sturmflut: Campingplatz Dornumersiel/LK Aurich

Alles versichert: "Xaver" warf die Scheiben eines Fischimbisses ein, Dornumersiel/LK Aurich

 

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