1. Dezember 2014

„5. Weltnaturerbeforum“: Tourismus statt Naturschutz im Nationalpark Wattenmeer

Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer: Naturschutz am Boden

Seit einigen Jahren gibt es ein „Weltnaturerbeforum“. Das klingt nach Natur und Verantwortung, hat aber mehr mit touristischer Schaumschlägerei als mit inhaltlichem Naturschutz zu tun. Zum 5. Treffen kamen „60 Akteure“ am 21. November 2014 in Neuharlingersiel zusammen. Da ging es um „Natur als Hauptreisegrund“, „Reisen und schützen“ oder um „Weltnaturerbe als Identitätsfaktor“, also ums Geschäft mit der Natur. Finanziert wurde diese Veranstaltung, dessen Programm besser zu einer Tourismusagentur passen würde, vom INTERREG IVB Projekt PROWAD. Projektpartner sind u.a. das trilaterale  staatliche Common Waddensea Secretariat (DK, D, NL) in Wilhelmshaven, das Niederländische Wirtschaftsministerium, das dänische Umweltministerium, die Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer, das Nationalparkamt Schleswig-Holstein und der World Wide Fund for Nature (WWF), es zahlt die Europäische Kommission.

Anspruch und Wirklichkeit in diesem Nationalpark, Natura-2000-Gebiet, Biosphärenreservat, Feuchtgebiete internationaler Bedeutung und „Weltnaturerbe“ klaffen weit auseinander, wie die nachstehende Pressemitteilung der Nationalparkverwaltung vom 26. November 2014 zum „5. Weltnaturerbetag“ zeigt. Nationalparkleiter Peter Südbeck ist zweifellos ein guter Ornithologe, „seinen“ Nationalpark vermarktet er aber zusammen mit Touristikern unübersehbar für noch mehr Tourismus, Naturschutzverbesserung dagegen sind marginal und kaum wahrnehmbar, dazu gehören die Wiedervernässung und Renaturierung einiger Salzwiesen. Viele Salzwiesen auf dem Festland sind nach wie vor in einem desolaten Zustand, nach fast 29 Jahren Jahren des Bestehens des Nationalparks .

Bereits 1980, sechs Jahre vor Einrichtung des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer 1986, warnte der Sachverständigenrat für Umweltfragen“ im „Sondergutachten Umweltprobleme der Nordsee“ vor einer Kapazitätsausweitung des Tourismus und der weiteren Belastung des Naturraumes, inzwischen sind die Übernachtungszahlen erheblich gestiegen. 6 hauptamtliche Ranger (vorgesehen sind demnächst 11) sollen den Nationalpark (3.500 qkm!) ohne Kompetenzen, Fahrzeuge und Boote überwachen, angestellt sind sie als als Dünenwärter in der Küstenschutzbehörde Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN). Ein Nationalpark ist zunächst ein Großschutzgebiet für Tiere und Pflanzen, nicht aber der Touristik-Spielplatz für ein Medien-Chamäleon wie den smarten Nationalparkleiter. Von den 15 (!) anerkannten Naturschutzverbänden in Niedersachsen gibt es keine wahrnehmbaren Gegenpositionen mehr!

Wattenrat-Link: Tourismus: Das Wattenmeer als Beute

Hier die Pressemitteilung der Nationalparkverwaltung vom 26. November 2014 als pdf-Datei:

nationalpark_wattenmeer_-_weltnaturerbeforum_fand_grosse_resonanz_-_2014-11-26

 

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