Windkraft offshore: Die Nordsee als „grünes Kraftwerk Europas“? 3. Nordseekonferenz in Hamburg

Symbolfoto: Offshore Windpark – BARD-Pressefoto

Politische Ignoranz oder Irrsinn? Oder das Pfeifen im Walde auf der 3. Nordsee-Konferenz in Hamburg?

Die Nordsee soll zum „grünen Kraftwerk Europas“ werden, mit noch mehr Offshore-Windenergie. Der politisch-windindustrielle Komplex tagte am 26. Januar 2026 in Hamburg auf der 3. Nordseekonferenz:

Wir, die Staats- und Regierungschefinnen und -chefs Belgiens, Dänemarks, Deutschlands, Frankreichs, Irlands, Luxemburgs, der Niederlande, Norwegens und des Vereinigten Königreichs, sind heute zum dritten Nordsee-Gipfel in Hamburg zusammengekommen. Wir begrüßen zusätzlich Island als Beobachter zu dieser Erklärung.“ heißt es in der Einleitung der „Erklärung von Hamburg – Die Nordsee als Kraftwerk für ein resilientes und wettbewerbsfähiges Europa“.

Lebensraum, kein Kraftwerk

Diese Politiker verkennen, dass die Nordsee kein „grünes Kraftwerk“ ist, sondern Lebensraum von Meeressäugern, Seevögeln und Fischen. Sie ist zudem Teil des Ostatlantischen Flyways für zahlreiche Zugvogelarten, die das Meer jährlich auf ihren weiten Wanderungen von Sibirien und Nordeuropa in die Überwinterungsgebiete überqueren, kein Thema für ignorant- kenntisfreie Politiker und die hochsubventionierte windige Industrie.

Zitate aus einem Bericht der Nordwest Zeitung in Oldenburg vom 26. Januar 2026: „Nordsee als ´grünes Kraftwerk Europas` […] Mit dem konsequenten Ausbau und der intelligenten Vernetzung von Offshore-Energie schaffen wir bezahlbare, saubere und sichere Energie, reduzieren strategische Abhängigkeiten und erhöhen die Resilienz Europas insgesamt“, sagte [die Bundeswirtschaftsministerin] Reiche. […] Beim ersten Treffen 2022 in Esbjerg in Dänemark ging es darum, Gas- und Öl-Lieferungen aus Russland so schnell wie möglich mithilfe erneuerbarer Energien zu ersetzen. „

Auch Offshore-Windstrom ist nicht grundlastfähig, untauglich für eine „Versorgung“

Ganglinie nach den Entsoe-Daten (European Network of Transmission System Operators for Electricity), erstellt von Ralf Schuster von Vernunftkraft e.V., Zeitraum November bis 06. Dez. 2022 – Wind- und Solareinspeisung decken nicht annähernd die Nachfrage (Last, rotbraun) – Können Politiker das nicht lesen?

Wer Gas- und Öllieferungen mit unstetem, nicht grundlastfähigem, teurem und subventioniertem Windstrom ersetzen will, kann auch Licht mit Säcken zur Erleuchtung in die Parlamente tragen. Auch auf dem Meer weht der Wind nicht beständig, Offshore-Windkraftwerke taugen daher nicht für eine „verlässliche“ Stromversorgung, wie Ganglinien der Einspeisung beweisen.

Offshore-Windenergie in der Krise

Der Nordsee-Gipfel ignoriert, das die Offshore-Windenergie in der Krise steckt: hohe Stahlpreise, Zurückhaltung bei Ausschreibungen, weniger Effizienz mit „Windklau“ durch den Wake-Effekt, mit der Reduzierung der Windgeschwindigkeit mit erhöhten Turbulenzen im Nachlauf von Anlagen, verbunden mit dem Leistungsabfall der umgebenden Windkonverter. Je mehr Offshore-Windparks, je mehr unrentabler Wake-Effekt. Aber der politisch-windkraftindustrielle Komplex läuft dennoch in in Hamburg zur Hochform auf!

Hemmender Wake-Effekt mit Wirbelschleppen – Foto: Pressefoto Vattenfall

Erklärung von Hamburg, Auszüge:

Die Nordsee als Kraftwerk für ein resilientes und wettbewerbsfähiges Europa

Einleitung

Wir, die Staats- und Regierungschefinnen und -chefs Belgiens, Dänemarks, Deutschlands, Frankreichs, Irlands, Luxemburgs, der Niederlande, Norwegens und des Vereinigten Königreichs, sind heute zum dritten Nordsee-Gipfel in Hamburg zusammengekommen. Wir begrüßen zusätzlich Island als Beobachter zu dieser Erklärung. Unter Hinweis auf die Erklärungen der vorangegangenen Nordsee-Gipfel in Esbjerg und Ostende bekräftigen wir unseren gemeinsamen Ehrgeiz, die Nordsee zum weltgrößten Drehkreuz für saubere Energie zu machen, wobei wir uns insbesondere auf die Erzeugung erneuerbarer Offshore-Energie und starke Verbundnetze stützen wollen. Dadurch können wir Europas Energieresilienz stärken, Verbraucherinnen und Verbrauchern bezahlbare Energie bieten, die langfristige Wettbewerbsfähigkeit unserer Volkswirtschaften im globalen Kontext gewährleisten und in der Offshore-Energieindustrie hochwertige Lieferketten aufrechterhalten, während wir gleichzeitig in Europa bis 2050 Klimaneutralität erreichen und unsere Meeresumwelt und die biologische Vielfalt in unseren Ozeanen schützen.“

Das ist die angedachte Quadratur des Kreises vom „Drehkreuz der Energie“ bis zur „biologischen Vielfalt in unseren [sic!] Ozeanen, Geschwätz mit Sonntagsredenqualität!

Auch die NATO ist dabei

Sogar NATO-Vertreter waren zur Nordseekonferenz eingeladen, Zitat aus der Erklärung von Hamburg: „Angesichts wachsender Bedrohungen für die Offshore-Energieinfrastruktur begrüßen und unterstützen wir die verstärkte multilaterale Zusammenarbeit im Nord- sowie im Ostseeraum, gegebenenfalls auch im Rahmen der Nordatlantikvertrags-Organisation (NATO), um die Verteidigung, allgemeine Sicherheit und Resilienz dieser Infrastruktur zu stärken.“

Gemeint ist natürlich Russland, wer sonst?:

Umgang mit geopolitischen und wirtschaftlichen Realitäten

Europa steht in Bezug auf seine Sicherheit, Wirtschaft und Energieversorgung vor kritischen Herausforderungen. Immer stärkere geopolitische Spannungen, insbesondere Russlands fortdauernder illegaler Angriffskrieg gegen die Ukraine, gefährden unsere Energiesicherheit und unterstreichen die Dringlichkeit eines gemeinsamen Handelns.“

Die „Energiesicherheit“ gab es vor der Sprengung der Nord Stream Pipeline, als Deutschland verlässlich preisgünstiges Gas aus Russland bezog. Die mutmaßlichen Pipeline-Saboteure sind Mitglieder des Ukrainischen Geheimdienstes. Einer der Hauptverdächtigen sitzt in Deutschland in Untersuchungshaft. Die Ukraine wird dennoch mit Milliardenbeträgen aus Deutschland und der EU für Waffenkäufe unterstützt. Will man nun die Windkraft als Teil der der ausgerufenen „Kriegstüchtigkeit“ mit heranziehen? Nutzt die NATO in Zukunft Windstrom für Panzer, Kraftfahrzeuge, Flugzeuge und Schiffe statt Benzin, Schmieröl oder Dieselkraftstoff?

Wendehals Friedrich Merz (CDU)

Bundeskanzler Friedrich Merz, der zu dieser Konferenz eingeladen hatte, tönte noch im letzten Wahlkampf, dass Windräder „hässlich“ seien. Zitat vom November 2024 im ZDF: “Ich glaube sogar, dass wir, wenn wir was richtig machen, eines Tages die Windkrafträder wieder abbauen können, weil sie hässlich sind und weil sie nicht in die Landschaft passen.“ Nach der Wahl wechselte er im Koalitionsvertrag mit der SPD seine Ansicht, der Ausbau der Windkraft sowie die Kooperation mit den Nordseeanrainern wurde darin festgeschrieben. Verlässliche und sachorientierte Politik sieht anders aus.

Am Schluss des Konferenzpapiers steht dies: „Diese Erklärung begründet keine Rechte oder Pflichten nach nationalem Recht oder dem Völkerrecht. Bezüglich der teilnehmenden EU-Mitgliedstaaten gilt diese Erklärung nicht vorrangig vor den Rechten und Pflichten, die sich aus ihrer Mitgliedschaft in der Europäischen Union ergeben.„

Wie beruhigend, dann wurde in Hamburg wohl viel heiße und windige Konferenzluft verwirbelt.

Der BUND und der Deutsche Naturschutzring: Kritik, ein bisschen

Der Umweltverband-BUND, eng verbandelt mit Windlobbyisten, bekam angesichts des Ausbaugigantomanismus´ kalte Füße; jetzt merkt sogar Landesverband Niedersachsen, dass es an die Substanz des Natur- und Artenschutzes geht. Nur wird weiter geeiert zwischen dem imaginären „Klimaschutz“ und dem Meeresschutz, das inhaltsleere Wort „naturverträglich“ musste mal wieder herhalten:

BUND fordert naturverträglichen Offshore-Ausbau mit Vorrang für Meeresschutz und klare ökologische Leitplanken – BUND sieht erneuerbare Energien als zentral für den Klimaschutz, warnt aber vor einem Offshore-Ausbau auf Kosten des Meeresschutzes Nordsee darf nicht zum Industriegebiet werden“

Der Deutsche Naturschutzring (DNR) als Dachorganisation kann es nicht besser und formulierte dies als Grundsatz: „Der Ausbau der Offshore-Windenergie erfolgt naturverträglich, die Ausbauziele orientieren sich an den Belastungsgrenzen des Ökosystems. Die Offshore-Windenergie hat Vorrang vor allen anderen Arten der wirtschaftlichen Nutzung der Meere.“ 

Mit diesen Verbandsaussagen wird der Meeresschutz von Naturschutzverbänden verraten und verkauft. „Naturverträglich“ mit riesigen Windparks gibt es weder auf See noch an Land.

Hier geht es zum Positionspapier der 3. Nordseekonferenz (.pdf): 3-Nordseekonferenz

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