20. November 2020

Offshore-Windenergie: EU-Kommission stellt Ausbaustrategie vor - ohne Rücksicht auf Verluste

Offshore-Windpark – Foto: Pixabay

Der Wahnsinn hat Methode: Die EU-Kommission stellte am 19. Nov. 2020 ihre Strategie für die Offshore-Energie vor. Bis zum Jahr 2050 ist in der EU im Rahmen des „Green Deals“ ein gigantischer Ausbau der Windkraft auf See geplant. Parallel zum Ausbau der Offshore-Windenergie schlägt die Kommission ein Ziel für andere Offshore-Technologien wie schwimmende Solaranlagen oder die Gewinnung aus Meeresenergie vor. Der Vorschlag lautet, die Kapazität für die Offshore-Windenergie Europas von derzeit 12 Gigawatt bis 2030 auf mindestens 60 GW bis 2030 und auf 300 GW bis 2050 zu erweitern, also um das 5-Fache bis schließlich das 25-Fache.

Zusätzlich sollen die Kapazitäten bis 2050 noch mit 40 GW aus Meeresenergie und mit schwimmenden Solaranlagen ergänzt werden. Das alles mit dem Ziel der „Klimaneutralität“. Dazu bedarf es neuer riesiger Leitungskorridore, um den Strom ans Festland abzuführen. Damit werden die Nord- und Ostsee als gigantische Industrieflächen durchindustrialisiert, ohne Rücksicht auf Meeressäuger oder den Vogelzug über See. Das Windenergie-auf-See-Gesetz wurde bereits  vom Bundestag novelliert und beschleunigungsfreundlich am 05. Nov. 2020 beschlossen.

„[…] Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier begrüßt, dass die EU-Kommission die Rahmenbedingungen für Offshore-Wind-Projekte, vor allem für grenzüberschreitende Projekte verbessern will. Regelungen seien nötig, „die sicherstellen, dass der Windstrom aus diesen grenzüberschreitenden Projekten effektiv in den Markt integriert und abtransportiert werden kann. Hier liegt noch einiges an Arbeit vor uns.“ Die am 19. November von der EU-Kommission vorgelegte Offshore-Strategie wertet er entsprechend als guten Startschuss für die weitere Diskussion.Die Abkehr von den fossilen Brennstoffen und der Kernenergie hin zu nachhaltigen Energiequellen ist eine komplexe Aufgabe. Komplex deshalb, weil beim Strom inzwischen immer mehr Akteure mitwirken, weswegen Strom immer dezentraler hergestellt wird. Komplex auch deshalb, weil die Stromversorgung sicher und der Strom zugleich bezahlbar bleiben soll. Bei Strom aus Sonne, Wind und Wasser ist die Transformation gleichwohl schon gut vorangeschritten. 42 Prozent des Bruttostromverbrauchs kam 2019 aus erneuerbaren Energien. Bis 2030 will die Bundesregierung diesen auf 65 Prozent erhöhen. Die perspektivisch davon günstigste Technologie zur Stromerzeugung, die Windkraft auf See, soll zur Erhöhung einen besonderen Beitrag leisten. Und es soll schneller gehen.[…]“ (Quelle: Die Bundesregierung, Neue Perspektiven im Klimaschutz, 20. Nov. 2020)

Das ist das Ergebnis jahrelanger ideologischer Fixierung auf einen „Klimaschutz“, der den Artenschutz völlig aus dem Blick verloren hat. Es ist wahnhaft, per Gremienabstimmung und Abschaltung von Wärmekraftwerken oder Förderung der Elektromobilität ein „Weltklima“ -das es nicht gibt- im Zehntelgradbereich beeinflussen zu wollen, so, als ob es einen imaginären CO2-Thermostaten gäbe. Das inzwischen sogar zum Giftgas hochgeschriebene CO2 mit 0,04 Prozent Anteil an der Luft wird als alleinige Ursache des Klimawandels propagiert. Das ist Politik, die Sonnenzyklen, Meeresströmungen und Wolkenbildung als Motor der seit Äonen stattfindenden Klimaveränderungen einfach ausblendet. Es geht um die Bepreisung des CO2 mittels Zertifikathandels, den Handel mit heißer Luft. Weltweit sind mehr als eintausend Kohlekraftswerksblöcke im Bau oder in Planung. Allein China baut oder plant derzeit mehr als 30 Atomkraftwerke, in Japan sind neun in Planung, in Russland zwanzig und je zwei in Indien und der Türkei. Und am deutschen (und europäischen) Wesen soll nun die Welt genesen? Auch mit immer mehr Windkraft- oder Photovoltaikanlagen lässt sich das Klima nicht „schützen“, da diese nur wetterabhängig funktionieren können und keinen Einfluss auf großräumige Wetterlagen haben. Auch Offshore-Windkraftwerke speisen nur sehr unregelmäßig in das Stromnetz ein.

Minister Altmaier verschweigt, dass ein Großteil des erzeugten Windstromes nicht bedarfsgerecht erzeugt und dann zu Negativpreisen an der Leipziger Strombörse verschleudert wird. Ganglinien der Einspeisung – Datenquelle: Entsoe

Klima ist laut Definition der World Meteorological Organization (WMO) die dreißigjährige Wetteraufzeichnung für eine bestimmte Region. Wie also „schützt“ man zunächst das Wetter? Je mehr volatil einspeisende windabhängige Windkraftanlagen ans Netz gehen werden, umso mehr müssen auch regelbare Wärmekraftwerke das Netz bedarfsgerecht und verlässlich mit 50 Hertz stabil halten. Das können Windkraftwerke nicht. Speicher sind nur als enorm teure Demonstrationsplacebos mit geringer Kapazität vorhanden. Wenn in Deutschland demnächst alle Atom- und Kohlekraftwerke vom Netz gehen, bleiben nur noch teure Gaskraftwerke als Regelkraftwerke übrig, oder der Stromimport aus den Nachbarländern. Die fast fertiggestellte Nordstream-2-Gasleitung aus Russland ist derzeit Spielball politischer Interessen, um Russland weiter zu sanktionieren oder den USA Zugang zum europäischen Gasmarkt zu eröffnen. Parallel wird jetzt die Elektromobilität mit Subventionen für Autokäufer angekurbelt, gleichzeitig aber die verlässliche Stromversorgung abgebaut.

Die EU-Kommission schätzt das Kostenvolumen der Offshore-Investitionen bis 2050 auf ca. 800 Milliarden Euro. Dazu will sie die Überarbeitung der Leitlinien mit Erleichterungen für staatliche Beihilfen in den Bereichen Erneuerbare Energien und Umweltschutz. Die Frage ist, auf welche Höhe die Strompreise  weiter ansteigen werden und ob dann elektrischer Strom zum Luxusgut wird.

Auch an der Ostfriesische Küste sollen immer mehr Offshore-Leitungstrassen angelandet werden, durch den Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer („Weltnaturerbe“).Link, pdf: Antragskonferenz Seetrassen 2030-Tennet und Amprion-2019

Der Anzeiger für Harlingerland aus Wittmund berichtete am 18. Nov. 2020, mit freundlicher Genehmigung:

Anzeiger für Harlingerland, Wittmund, 18. Nov. 2020
Mehr Strom von See steigert den Transportbedarf
ENERGIEVERSORGUNG – Projekt „Seetrassen 2030“ soll Mitte der 2020er-Jahre über Langeoog und Baltrum umgesetzt werden

Klaus Händel
WITTMUND/ESENS. Bis zum Jahr 2030 sollen noch zu bauende Offshore-Windkraftanlagen mit dem Festland und dort über Umspannanlagen mit den Ballungszentren in weiten Teilen Deutschlands per Stromkabel verbunden sein. Das ist das Ziel des Projektes „Seetrassen 2030“, das Projektsprecher Stefan Sennekamp und Melanie Diederich vom Unternehmen Amprion sowie Cornelia Junge und Felix Baierlein vom Unternehmen Tennet jetzt in einer Videokonferenz mit der Redaktion des Anzeiger für Harlingerland vorstellten.

Gigantisch Netzlängen

Tennet ist zuständig für de Weiterentwicklung des Höchstspannungsnetzes, den Betrieb und die Instandhaltung. Die Offshore-Anbindungskapazität beträgt derzeit in Deutschland und den Niederlanden 8532 Megawatt. Bei einer Netzlänge von 23 500 Kilometern werden insgesamt 42 Millionen Endverbraucher erreicht. Dafür beschäftigt das Unternehmen 5000 Mitarbeiter. Amprion transportiert den Strom über ein 11 000 Kilometer langes Übertragungsnetz von Niedersachsen bis zu den Alpen. Im Netzgebiet von Amprion leben 29 Millionen Menschen. In diesem Raum wird etwa ein Drittel der Wirtschaftsleistung Deutschlands erzeugt. Das Unternehmen mit 2000 Beschäftigten investiert in den kommenden zehn Jahren 15,2 Milliarden Euro in den Um- und Ausbau seines Netzes.

Strombedarf steigt

Der Strombedarf steigt. Um die Energiewende zu schaffen, sollten bisher bis zum Jahr 2030 15 Gigawatt (GW) ans Festland transportiert werden. Aktuell hat der Bundestag beschlossen, die installierte Leistung von Windenergieanlagen auf See, die an das Netz angeschlossen werden, ab dem Jahr 2021 auf 20 GW bis zum Jahr 2030 und auf insgesamt 40 GW bis zum Jahr 2040 zu steigern. Daraus resultiert ein erhöhter Stromtransportbedarf. Ziel von Tennet und Amprion ist es, den bestmöglichen raumverträglichen Korridor für künftige Netzanbindungen zu finden.

Bürgerinformation

Der bisher genutzte Korridor 2 führt über Norderney und bietet noch Raum. Für das Projekt „Seetrassen 2030“ sind die in der Grafik rechts dargestellten Korridore 3 und 6 nördlich von Baltrum, Langeoog und Wangerooge in der Planungsphase. Am Ende des Verfahrens, das insgesamt mehr als zehn Jahre dauert, steht die „Raumverträglichkeit“. Vorausschauend untersucht wurde die ganze Deutsche Bucht sowie die möglichen Anlandebereiche auf dem Festland. Im Ergebnis einer Studie führen die Korridorvarianten 3 über Baltrum bis nördlich von Dornum sowie 6 über Langeoog bis nördlich von Esens zwischen Bensersiel und Ostbense. Federführend bei der Raumordnung ist das Amt für regionale Landentwicklung (ArL) Weser-Ems. Darüber hinaus waren die Behörden der betroffenen Landkreise beteiligt.
Die Verfahrensunterlagen inklusive Umweltverträglichkeit sollen noch in diesem Jahr eingereicht werden, erklären Tennet und Amprion. Danach erfolgt eine erneute Behörden- und Öffentlichkeitsbeteiligung und schließlich der Verfahrensabschluss mit der landesplanerischen Feststellung. Damit der Strom von See her fließen kann, sollen die Arbeiten zum Verlegen der Kabel durch das niedersächsische Küsten- und Wattenmeer Mitte der 2020er-Jahre beginnen. Die reine Bauzeit beträgt zwei bis drei Jahre. Vorab, so die Unternehmenssprecher, soll es Gespräche mit Kommunen und Bürgerinformationsveranstaltungen geben.
Denn ohne vorübergehende Beeinträchtigungen des Tourismus auf den Inseln und an der Küste sowie der Landwirtschaft werde es nicht gehen. Die Auswirkungen auf Natur und Umwelt, darunter das Unesco-Weltnaturerbe Wattenmeer, seien gering. Und alles werde zum Schluss der Verlegearbeiten vollständig renaturiert, so Amprion und Tennet. Es bestehen Schutz- und Vermeidungsstrategien. Zu beachten ist der Vogelschutz und die Bauzeit von April bis September. Und es darf nichts ins Meerwasser eingeleitet werden.

Sorge um Trinkwasser

Große Sorgen bestehen auf Langeoog um die Süßwasserlinse unterhalb des Pirolatals, aus der die Insel ihr Trinkwasser gewinnt. Das erklärt Langeoogs Bürgermeisterin Heike Horn auf Anfrage. Doch die Sorge sei unbegründet, heißt es von Seiten Amprion und Tennet. Es wird keine Bohrbaustelle auf der Insel geben. Es wird von Pontons im Watt gearbeitet. Die Insel wird per Horizontalbohrung bei einer Tiefe zwischen 15 bis 30 Metern unterquert. Die Linse wird durch Spülung abgedichtet, um das Eindringen von Salzwasser zu verhindern. Es wird ein Leerrohr verlegt, in das das Kabel dann eingezogen wird. Für die Einzugsstelle auf der Nordseeseite der Insel wird eine etwa ein Hektar große Fläche hergerichtet.
Für die Verlegearbeiten durch das Weltnaturerbe soll eine Kabelverlegebarge mit Vibrationsschwert eingesetzt werden. Der Verlegespalt ist nur 20 bis 30 Zentimeter breit. Wie es auf dem Festland weiter geht, wird zurzeit noch untersucht.

Comments are closed.