„Kriegstüchtigkeit“: neuer Marinehafen bei Emden geplant, im Naturgebiet „Rysumer Nacken“

Rysumer Nacken, Planungsfläche für neuen Militärthafen (gelbe Pin) zwischen Ems und Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer – Googel Earth, (C) Airbus, 2026

Die von Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius  (SPD) verkündete „Kriegstüchtigkeit“ wird sich in den nächsten Jahren in das herausragende Naturgebiet Rysumer Nacken westlich von Emden fressen. Hier soll ein neuer Hafen für die Bundesmarine entstehen. Der Rysumer Nacken ist ein Naturgebiet aus „zweiter Hand“, entstanden durch Aufspülungen für die Erweiterung des Ems-Fahrwassers in den Dreißigerjahren des vorigen Jahrhunderts mit weiteren Sandablagerungen aus der Emsvertiefung zwischen den Fünfzigern- und den Neunzigerjahren. Der ungenutzte Teil des Rysumer Nackens, „brachliegend“ nur für Naturnutzer, entwickelte sich zu einem weitgehend ungestörten Naturgebiet von über 600 Hektar Größe mit Weidengehölzen, Schilfröhrichten, Orchideenflächen und Kleingewässern.

Hier brüten u.a. Blaukelchen, Braunkehlchen, Rohrammern, Rohrsängerarten und Rohrweihen. Zudem grenzen diese Flächen unmittelbar an den Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer an, der auch das Etikett „Weltnaturerbe“ trägt, ein Biotopverbund.

Zum Vergleich: Im Weltnaturerbe „Barrier Reef“(100x größer als der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer) wurde 2015 in Queensland/Australien in Abbot Point 20km (!) entfernt vom Schutzgebiet ein Kohlehafen genehmigt, das führte zu weltweiten Protesten. Zur Gefährdung des Rysumer Nacken, der unmittelbar an das „Weltnaturerbe“ angrenzt, hat sich bisher nur der NABU-Ostfriesland  im Sinne des Naturschutzes gegen weitere Nutzungen positioniert. Das Etikett „Weltnaturerbe“ passt schon lange nicht mehr, es sollte für den Nationalpark Wattenmeer, in dem es ohnehin zu viele zugelassene Nutzungen gibt, aberkannt werden.

Naturzerstörung im Raum Emden begann schon früher in einer „Important Bird Area“ (IBA) und einem „faktischen Vogelschutzgebiet“, in dem eigentlich schon Planungen verboten sind: Windpark Wybelsumer Polder, 1997 von der EU-Kommission aufgrund einer Beschwerde von Manfred Knake (damals Konferenz der Natur- und Umweltschutzverbände Ostfrieslands, später Wattenrat Ostfriesland) zunächst verfolgt, dann nach „Herunterrechnung“ der betroffenene Vogelarten durch die weisungsgebundene „Staatliche Vogelschutzwarte Niedersachsen“ (damaliger Leiter Peter Südbeck, heute Leiter des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer) und nach massiver politischer Einflussnahme kurz vor dem EuGH-Verfahren nach Jahren der „Prüfung“ ad adca gelegt. Die schlimmen Finger waren u.a. die Herren Siegmar Gabriel (SPD), Joseph (Joschka) Fischer (Grüne) und Jürgen Trittin (Grüne), die das Verfahren im Sinne der Windenergienutzung scheitern ließen.

Dazu kommt die Emsvertiefung für die Meyer Werft mit den gravierenden Auswirkungen auf das Flusssystem, das auch zu einem Natura-200-Gebiet gehört, auf dem Papier. (EU-Vogelschutzgebiet V10 „Emsmarsch von Leer bis Emden“ )

Zur „Biodiversitätskrise“ an der Ems kommt nun neues Puzzleteil hinzu: der Rysumer Nacken.

Literaturhinweis: Vogelparadies aus zweiter Hand – Der Rysumer Nacken am Wattenmeer, Der Falke, Heft 4/2026

Dieser Beitrag wurde unter Artenschutz, Naturschutz abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen für den Permalink.