9. Dezember 2010

Golfplatz Ostbense (LK Wittmund) im Vogelschutzgebiet: Idee wurde in Kneipe geboren

Gänse über Ostbense (östlich Bensersiel, LK Wittmund), Foto (C): Knake

In Ostbense (Samtgemeinde Esens, Gemeinde Neuharlingersiel, LK Wittmund) wurde ein Golfplatz mit Golfhotel zunächst illegal im „faktischen Vogelschutzgebiet“ Norden-Esens am deichnahen Bereich nah am Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer geplant. Der Wattenrat legte daraufhin bereits 2003 Beschwerde bei der EU-Kommission ein. Nach dem erfolglosen Versuch des Landes Niedersachsen, das Gebiet nicht als EU-Vogelschutzgebiet ausweisen zu lassen und sogar in Gänze zu verhindern (!), wurde Deutschland 2006 von der EU angewiesen, die unzureichende Gebietsmeldung nachzubessern.

Das tat Niedersachsen wegen drohender Bußgeldzahlungen an die EU-Kommission dann auch, klammerte aber aus der Gebietsmeldung nach Brüssel die Golfplatzflächen und die Umgehungstraße Bensersiel fein säuberlich aus. Die Umgehungsstraße ist trotz einer anhängigen Klage eines enteigneten Grundeigentümers fast fertig gestellt. Die Golfplatzplanung wurde im November 2010 vom Bauausschuss der SG-Esens erneut abgenickt, alle fachlichen Einwendungen wurden, genau wie bei der Umgehungsstraße Bensersiel, weggewogen; ein Leserbrief vom stellvertretenden NABU-Vorsitzenden zu dieser „zirkusreifen Unterhaltungsnummer“ ganz unten. Aufgrund der Wertigkeit für den Vogelschutz mit seinen nationalparknahen Flächen sind diese Flächen aber immer noch „faktisches Vogelschutzgebiet“, eine Bebauung und Nutzung dieser Art verbietet sich. Die Kommunalaufsicht des Landkreises Wittmund hat völlig versagt. Der NABU, Kreis Wittmund, hat in beiden Fällen als klagebefugter Naturschutzverband auf Rechtsmittel verzichtet, obwohl sie zunächst angekündigt waren. Der NABU-Vorsitzende in Wittmund, Axel Heinze (SPD), ist Vorsitzender des Bauausschusses der Stadt Esens und Mitglied im Bauausschuss der Samtgemeinde Esens. Mit ähnlichen Tricksereien wurde auch ein Golfplatz auf Langeoog gebaut.

Die Entstehungsgeschichte des Golfplatzes in Ostbense wurde von einem Redakteur der Ostfriesen Zeitung erzählt, der in der Regel verwaltungsnah berichtet. Details zum geltenden Naturschutzrecht sind allen Beteiligten offenbar fremd, zu kompliziert oder einfach nicht gewünscht. Die örtlichen Politiker sind nur noch Erfüllungsgehilfen von in Kneipen geborenen „Schnapsideen“, Hauptsache das Wort „Investor“ fällt!

Ostfriesen Zeitung, online, 08. Dez. 2010

Neuharlingersiel

Idee zum Golfplatz entstand in einer Kneipe

VON MANFRED STOLLE

8. Dezember 2010

Die Räte ebnen jetzt den Weg für ein Millionenprojekt von vier Privatleuten bei Ostbense. Auf einer Fläche von mehr als 50 Hektar kann demnächst eine 18-Loch-Anlage entstehen. Jetzt gehen die Projektplaner auf die Suche nach Investoren.

Neuharlingersiel – In Ostbense bei Neuharlingersiel soll ein 18-Loch-Golfplatz auf einer Fläche von mehr als 50 Hektar entstehen. Später ist ein Vier-Sterne-Hotel mit rund 200 Betten geplant. Die Anlage wird vier, das Hotel mit angeschlossenem Wellnessbereich weitere 13 Millionen Euro kosten, schätzt Wolfgang Bell aus dem Siegerland. Der pensionierte Stadtdirektor und Inhaber einer Immobilienfirma schilderte der OZ, wie es zu der Projektplanung kam.

Die Wirtsleute der Dünenklause auf Spiekeroog hätten einen still gelegten Gulfhof auf dem Festland bei Ostbense. „Kannst du uns nicht helfen, den zu verkaufen?“, hätten sie ihn vor rund sechs Jahren gefragt. Gleichzeitig hatte der Landwirt Wilhelm Bruckmann nicht nur Landbesitz in Ostbense, sondern auch einen Golfplatz am Niederrhein. Mit ins Boot kamen der Vermessungsingenieur Horst Carl, der auch Privatbesitz auf Spiekeroog hat, und der Architekt Helmut Blöcher aus dem Siegerland.

„Wir arbeiten seit fünf Jahren an der Planung“

Sie entwickelten gemeinsam die Idee für den Golfplatz in Ostbense. Gespräche mit der Gemeinde Neuharlingersiel und der Samtgemeinde Esens folgten. Bereits 2005 hatte es einen Beschluss über eine Änderung des Flächennutzungsplanes für eine kleinere Anlage in Ostbense gegeben. Doch die Ausweisung des Geländes als Sondergebiet für einen 18-Loch-Golfplatz wird nun in der Dezembersitzung folgen. Über den dazugehörenden Bebauungsplan stimmt in der nächsten Woche der Neuharlingersieler Rat ab.

„Wir arbeiten seit fünf Jahren an der Planung“, sagte Bell. Es wurde ein Konzept erstellt und es wurden Kaufoptionen für die benötigten Ländereien abgesprochen. Für die Projektplanung holten die Ideengeber Rainer Preißmann, Gesellschafter der Deutschen Golf-Holding aus Essen, ins Boot.

Es geht vorerst nur um den vier Millionen Euro teuren Golfplatz „Wir schaffen Baurecht. Dann ist es unsere Aufgabe, Investoren und Betreiber zu suchen“, so Bell. Er denkt unter anderem auch über eine Investorengemeinschaft von Golf-Spielern nach. Für den Platz soll eine Kommanditgesellschaft gegründet werden. Im Frühjahr ist eine Informationsveranstaltung in Neuharlingersiel geplant. In ihr geht es auch um die Höhe der Anteile, die künftige Kommandantisten zeichnen können. Es geht vorerst nur um den vier Millionen Euro teuren Golfplatz. Das Hotel sei noch Zukunftsmusik, der Standort aber einfach ideal.

Leserbrief zum Artikel „Golfplatz stärkt Fremdenverkehr“ vom 20.11.2010

(wurde gekürzt im Anzeiger für Harlingerland veröffentlicht)

Zirkusreife Unterhaltungsnummer der Esenser Kommunalpolitiker

Während die Vertreter der hiesigen Verwaltung und Politik genaustens wissen, wie man Gelder aus den europäischen Fördertöpfen abzapfen kann, ignorieren sie die Auflagen, die die Europäische Kommission an die internationalen Schutzgebiete stellen. Alle fachlichen Einwände der Naturschutzverbände wurden in gewohnter Manier weggewogen. Stattdessen ließ man einen Herrn Dirks zu Wort kommen, der seit 65 Jahren in Ostbense wohnt, mehr als 250 Tage dort draußen herumläuft und weder Vögel noch Kartierer in diesem Gebiet gesehen haben will. Dem nicht genug setzte SPD-Fraktionschef Fokko Saathoff diesem unqualifizierten Beitrag auch noch die Krone auf, indem er breit gestikulierend die Äußerungen dieses ornithologischen Analphabeten als besonders überzeugend darstellte. Das ganze glich eher einer zirkusreifen Unterhaltungsnummer und hatte mit sachlicher und verantwortungsvoller Politik herzlich wenig zu tun.

14 Jahre hätte man nun Rücksicht genommen“ so Jürgen Peters (CDU). Ja und? Soll das jetzt reichen, um erneut ein Naturschutzgebiet platt zu machen? Auch dieser Herr scheint zu ignorieren, worum es hier geht. Denn wenn unbedingt ein Golfplatz in der Region Esens-Neuharlingersiel gebaut werden soll, stellt sich doch die Frage, weshalb er ausgerechnet in einem Schutzgebiet errichtet werden muss, das für europäische Erhaltungsziele abgegrenzt wurde. Wieder einmal fehlt die Alternativenprüfung! In den Landschaftsschutzgebieten der Samtgemeinde Esens sind die Ausnahmen mittlerweile schon die Regel! Einzig Martin Mammen (Die Grünen) argumentierte und votierte gegen diesen Flächennutzungsplan und wies deutlich auf die Gefahr hin. Wenn nun die Europäische Kommission bei der Überprüfung zu dem Ergebnis kommt, dass hier durch rechtswidrige Eingriffe, die Erhaltungsziele verletzt wurden, könnten hohe Strafzahlungen die Folge sein. So ist es in Österreich und Irland schon geschehen. Dieses wird dann hoffentlich nicht von den Steuergeldern unserer Bürger, sondern aus dem privaten Vermögen der Verantwortlichen vor Ort gezahlt!

Dave Münster

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