29. Juli 2011

Windkraft im Wald: auf dem Holzweg

Kraniche an Windkraftanlagen

Im April berichteten wir über die gnadenlosen Bestrebungen der Windenergielobby, PR-Wind für den weiteren Ausbau von Windkraftwerken ausgerechnet in Wäldern zu machen. Exponent dieser Bestrebungen war damals Günter Ratzbor vom Planungsbüro Schmal und Ratzbor in Lehrte, der auch für den Deutschen Naturschutzring im In- und Ausland über Land reist und diese „frohe Botschaft“ entweder als ein für die Windkraft „enagagierter“ Standort-„Gutachter“ oder als „Naturschützer“ verkündet. Nun ist die Entwicklung schon wieder einen Schritt weiter. Auch das politisch nicht unabhängige „Bundesamt für den Naturschutz“ ist auf den rasenden Zug der „Energiewende“ mit Windkraftanlagen aufgesprungen und hat ein Positionspapier zu „Wind über Wald“ verfasst, aber ein durchaus kritisches.

Der BUND als „anerkannter Naturschutzverband“  indes spricht sich für Windkraftanlagen im Wald aus.

Zusammen mit dem Lobbyverband „Bundesverband Windenergie“ (BWE) entwickelt sich der BUND zur Pressure-Group, die Einfluss auf die Politik zum verstärkten Ausbau der Republik mit Windrädern nimmt, gemeinsam mit den wirtschaftlich orientierten BWE.

Telepolis/Heise, 23. Juni 2011

Naturschützer für Windkraft

Naturschützer und Windmüller gehen Bündnis ein, um die Windenergie in den Kommunen gemeinsam voran zu bringen

[…] Der Bundestag wird am Donnerstag nächster Woche in zweiter und dritter Lesung beraten und schließlich abstimmen. Darunter wird auch, wie berichtet, eine Novelle des Erneuerbaren Energiegesetzes sein, die weit hinter den Erwartungen des BUND und des Bundesverbandes Windenergie (BWE) zurück bleibt. Das wurde auf einer gemeinsamen Pressekonferenz der beiden Verbände am Donnerstag in Berlin deutlich. […] BUND und BWE wollen künftig beim weiteren Ausbau der Windenergie eng zusammen arbeiten. […]

Der BUND-Vorsitzende wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass eine dezentrale Struktur der Energieversorgung und die Verwendung von Erdkabeln die Zahl der Freiluftleitungen und damit die hohe Zahl toter Vögel, die sie verursachen, vermindern könne. Neue Windkraftanlagen seien außerdem wegen der größeren Höhe und der geringeren Drehgeschwindigkeit der Rotoren für Vögel weniger gefährlich. Der BUND könne sich inzwischen auch Windkraftanlagen in einigen Wäldern vorstellen und fordert, dass auch in den südlichen Bundesländern endliche Vorrangsflächen für die Windenergienutzung ausgewiesen werden.

Die „Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen“, die dem Wald auf Grund ihres Tätigkeitsfeldes näher steht als der Wattenrat, hat zur Windkraft im Wald einen bemerkenswerten Beitrag verfasst, den wir nachfolgend mit freundlicher Genehmigung der Eulenfreunde veröffentlichen. Derzeit drehen sich ca. 22.000 Windkraftanlagen Deutschland, Tendenz weiter steigend. Kein Landschaftsraum ist vor dieser Entwicklung mehr sicher, kein Wärmekraftwerk wird damit überflüssig.

Nach von Erdbeben und Flutwelle ausgelösten Atomunfällen in Japan sind die überzeugten, entschiedenen und kompromisslosen Befürworter der Atomwirtschaft hierzulande buchstäblich über Nacht zu ebensolchen Befürwortern regenerativer Energien mutiert. Mit der gleichen Rücksichtslosigkeit, mit der sie zuvor den Bau von Atomkraftwerken und Zwischenlagern durchgesetzt haben, bahnen sie nun beispielsweise der Windenergiewirtschaft den Weg. Der Weg führt geradezu in den deutschen Wald. „Damit sich etwas dreht in Deutschland“, plakatieren die Bündnisgrünen und irgendwie jede andere der im Bundestag vertretenen Parteien auch.

Das unter politischen Druck geratene Bundesamt für Naturschutz wartet bereits auf mit einem neuen Positionspapier „Windenergieanlagen über Wald“ – so als könne der Wald darunter seine Identität behaupten. Zwar ist das Amt um Schadensbegrenzung und die Verteidigung des grünen Drittels vor dem neuen Vermarktungsinteresse bemüht. Aber, der Anfang ist gemacht. Die Windenergiebranche ist längst in allen politischen Lagern goldenes Kalb und heilige Kuh zugleich. Deshalb bemühen sich nun so viele Organisationen zu erklären, dass auch der deutsche Wald nicht länger abseits stehen dürfe, sondern wie alle und alles in diesem Land der Windenergiewirtschaft Referenz erweisen müsse.

Als eine regierungsunabhängige Organisation, die der friedlichen Nutzung der Atomenergie seit jeher misstraut hat, besteht für die EGE keine Veranlassung, anderen auf einem Holzweg zu folgen. Die „10 Gründe, warum der Wald vor Windenergieanlagen geschützt werden sollte“ sind deshalb noch genauso wahr wie vor den Atomunfällen in Japan. Klicken Sie bitte hier   (pdf-Datei, ca. 80,0 KB), wenn Sie diese Gründe noch einmal lesen möchten.

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