8. August 2018

Zur Erinnerung an Prof. Dr. Wolfgang Erz: eine Ausnahme-Persönlichkeit

Übernahme von der Europäischen Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen, mit freundlicher Genehmigung:

Prof. Dr. Wolfgang Erz, Exkursion 1983, Foto (C): Hartmut Heckenroth

 

Die EGE [und selbstverständlich auch der Wattenrat] erinnert an Prof. Dr. Wolfgang Erz, der im August 1998 bei der Rückkehr von einer Dienstreise im Alter von 61 Jahren verstorben ist. Wolfgang Erz kam über die Vogelkunde zum Naturschutz, wurde 1970 Vertreter des Beauftragten der Bundesregierung für Naturschutz (Prof. Dr. Bernhard Grzimek), war zuletzt Fachbereichsleiter im Bundesamt für Naturschutz, über Jahrzehnte als geschäftsführendes Vorstandsmitglied die maßgebliche Gestalt im Bundesverband beruflicher Naturschutz (BBN) und ein provokativer und produktiver, analytisch und strategisch denkender Verfechter des Naturschutzes.

Erz ging es um die Professionalisierung des Naturschutzes. Erz prägte über drei Jahrzehnte die Deutschen Naturschutztage, zeigte auf über Jahre immer wieder aufgegriffenen Feldern Fortschritte und verbliebene Defizite auf, sorgte für Selbstvergewisserung und Selbstwertgefühl des Naturschutzes. Erz war, nicht nur gemessen am aktuellen Personaltableau deutscher Naturschutzbehörden und -vereinigungen, eine Ausnahme-Persönlichkeit.

Auch 20 Jahre nach seinem Tod ist sein Platz im wissenschaftlichen und politischen Naturschutz leer geblieben. Erz war so wie er es von einem Menschen im Naturschutz erwartete: „Er soll nicht maulen, sondern den Mund auftun. Darf sich nicht vor Mehrheiten fürchten. Weiß, dass Positionen gegen den Naturschutz politische Dummheiten sind. Dass schon ein Koch den Brei verderben kann. Dass die Schafe in der eigenen Herde schlimmer sein können als die Wölfe draußen. Sollte eher gefährlich als ängstlich und darf nicht normal, sondern muss überdurchschnittlich sein.“ Dass Erz in Ämtern und Vereinigungen des Naturschutzes nicht stärker vermisst wird, ist Ausdruck und Teil der Krise des Naturschutzes.

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