15. Februar 2019

Das Bundesamt für Naturschutz und die Erneuerbaren Energien: am Artenschutz vorbei

Halber Mäusebussard, Brutzeit 2014, im Windpark Utgast/Holtgast/LK Wittmund/NDS – Foto (C): Manfred Knake

Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) ist eine Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit. Selbstverständlich ist das Amt damit voll auf der politischen Linie der Förderung der „Erneuerbaren“. Am 13. Februar 2019 veröffentlichte das Bundesamt die Pressemitteilung „Naturschutz und Energiewende: Einklang ist möglich“ (s.u). Das muss allerdings bezweifelt werden.

Blick auf das Festland aus dem Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer und „Weltnaturerbe“ (Langeoog Fahrwasser vor Bensersiel). Das Bild ist aus 2015, inzwischen wurden weitere Windparks errichtet. Die Anlagen im LK Wittmund und LK Aurich stehen u.a. direkt am EU-Vogelschutzgebiet V63 „Ostfriesische Seemarschen von Norden bis Esens“. Hier befanden sich vor dem Bau der Windparks große Hochwasserfluchtplätze und Nahrungsflächen von Wat- und Wasservögeln, die durch den Scheucheffekt der Anlagen entwertet wurden. Foto (C): Manfred Knake

Nach ca. 30.000 Windkraftanlagen in Deutschland, hunderttausenden toten Fledermäusen und ungezählten Vogelanflugopfern – davon alleine fast 8.000 prognostizierte Tötungen von Mäusebussarden alleine im Norden Deutschlands, pro Jahr – sowie der Zerstörung vieler küstennaher Zugvogelrastgebiete alleine durch den Scheucheffekt der Rotoren fällt dieser Behörde nichts anderes ein, als vom „Klimaschutz“ durch erneuerbare Energien auch für „Arten und Lebensräume“ zu schwafeln und gleichzeitig die Natur- und Umweltverträglichkeit anzumahnen: „Die Energiewende muss natur- und umweltverträglich erfolgen“.

Tote Fledermaus im Windpark Utgast, LK Wittmund/NDS – Foto (C): Manfred Knake

Nach dieser Lesart werden Tierarten durch Windkraftanlagen vor den Folgen des Klimawandels bewahrt, mit dem die Tierarten aber schon seit Jahrtausenden umgehen. Diese zeitgeistige Argumentation der Behörde ist fachlich „daneben“, passt aber zur jahrelangen Klima-Gehirnwäsche auf fast allen Medienkanälen. Bei Beginn des massiven Windenergieausbaus vor ca. 20 Jahren äußerte sich Behörde noch wesentlich deutlicher und kritischer bei der Bewertung von Windkraftstandorten im Zusammenhang mit dem Artenschutz. Man geht sicher nicht fehl in der Annahme, dass die Windenergiewirtschaft in der nachstehenden Pressemitteilung mitgeschrieben hat. Die UN-Dekade der Biodiversität ist an dieser Bundesbehörde offensichtlich spurlos vorbeigegangen. Aber Deutschland rettet die Welt vor dem Klimawandel, mit „erneuerbarer“ Energie.

Vorfahrt für die Windenergie? Blick aus dem Vogelschutzgebiet V63 „Ostfriesische Seemarschen Norden bis Esens“ auf den Windpark Utgast/LK Wittmund/NDS, Foto (C): Manfred Knake

Windpark Utgast/LK Witmund/NDS: halbierte Silbermöwe, 2018 – Foto (C): Dave Münster


Bundesamt für Naturschutz, Presse, 13. Februar 2019

Naturschutz, Energiewende, Erneuerbare Energien – Naturschutz und Energiewende: Einklang ist möglich

Bundesamt für Naturschutz legt „Erneuerbare Energien Report“ vor
Ausbau der erneuerbaren Energien muss effizienten Umgang mit
Fläche stärker berücksichtigen
Landschaftliche Qualitäten erhalten, hilft Akzeptanz zu erhalten

Berlin/Leipzig, 13. Februar 2019: „Der Ausbau erneuerbarer Energien ist zum Erreichen der Klimaschutzziele zwingend erforderlich und muss auch Arten und Lebensräume vor den Folgen des Klimawandels schützen. Die Energiewende muss natur- und umweltverträglich erfolgen. Eine wichtige Rolle spielen dabei ein effizienter Umgang mit der Fläche und die Berücksichtigung der jeweiligen landschaftlichen Gegebenheiten“, sagt Prof. Beate Jessel. Die Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz hat heute den Erneuerbare Energien Report des BfN vorgestellt.

Der Report beruht auf den Ergebnissen von mehr als 40 Vorhaben des Forschungsschwerpunkts „Naturschutz und erneuerbaren Energien“ am BfN. Mit dem aktuellen Überblick zeigt das BfN eine Vielzahl von Möglichkeiten auf, den tiefgreifenden Umbruch der Energieversorgung in Einklang mit dem Naturschutz zu gestalten. Im Fokus stehen dabei die Aspekte „Fläche“ und „Landschaft“. Denn die hohe Anzahl und die weite räumliche Verbreitung von Anlagen erneuerbarer Energien tragen zum Wandel von Landnutzung und Landschaftsbild bei, sie bergen außerdem Risiken für bestimmte Arten und ihre Lebensräume. Aktuell ist beispielsweise zu beobachten, dass für die erneuerbaren Energien zunehmend naturnahe Flächen wie beispielsweise Wälder oder extensiv genutztes Grünland in Anspruch genommen werden.

„Doch ein naturverträglicher EE-Ausbau kann gelingen – das macht unser Energiereport deutlich“, betont Prof. Jessel. „So ist und bleibt es für den Naturschutz wie auch überhaupt für das Gelingen der Energiewende weiterhin zentral, vorrangig Energieeinsparungen und Effizienzmaßnahmen voranzutreiben und damit den Energiebedarf an sich zu begrenzen.“ Von besonderer Bedeutung ist weiterhin ein sparsamer Umgang mit der begrenzten und begehrten Ressource Fläche: „Wir sollten im ländlichen Raum den Fokus auf flächeneffiziente Technologien sowie eine sorgfältige Standortwahl legen und gleichzeitig stärker als bisher bestehende Dachflächen vor allem in den großen Ballungsräumen für Solar-Anlagen nutzen“, so die BfN-Präsidentin. „Ein vermehrter verbrauchsnaher Ausbau kann so zum Schutz der ,freien Landschaft‘ beitragen. Keine ausbaufähigen und naturverträglichen Handlungsoptionen sehen wir hingegen für Bioenergie aus Anbaubiomasse. Außerdem sollten in den Planungs- und Genehmigungsverfahren zur Energiewende landschaftliche Qualitäten und damit das Schutzgut Landschaft stärkere Berücksichtigung finden. Dies ist auch für die Akzeptanz der Energiewende von zunehmender Bedeutung.“

Im „Erneuerbare Energien Report 2019“ werden darüber hinaus auch Ansätze für die konkrete Umsetzung des Anlagenausbaus vorgestellt. So wurden unter anderem Möglichkeiten für die naturschutzgerechte Standortwahl und zum naturschutzgerechten Bau und Betrieb von erneuerbaren Energieanlagen weiter ausgearbeitet. Beispielsweise können intelligente Vermeidungsmaßnahmen im Umfeld von Windparks dabei helfen, Artenschutzkonflikte zu minimieren. […]

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