9. August 2019

Höhenfeuerwerk über dem Nationalpark in Bensersiel: NABU schweigt

Symbolfoto – Pixabay

Man feiert sich mal wieder einen Wolf an der Küste, die Zeitungen sind voll von Berichten von Bespaßungsaktionen rund um den Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer, der von der Tourismusindustrie als „Weltnaturerbe“ vermarktet wird, ohne auch nur mit einem Quäntchen zum Schutz dieses Gebietes beizutragen. Aktuell rummste und blitze es wieder in Bensersiel (Stadt Esens) auf dem Dorfplatz, nur wenige hunderte Meter vom Schutzgebiet entfernt. Es musste mal wieder ein Höhenfeuerwerk sein, das kilometerweit in den Nationalpark hineinwirkt und die dort rastenden Zugvögel zu Panikfluchten veranlasst. Am 06. August ergötzte sich die Masse der Urlauber am Feuerwerk. Da in Bensersiel der Naturschutz im Saale des „Wattenhuus“ (Nationalparkhaus-Haus des Naturschutzbundes Deutschland, NABU-Landesverband Niedersachsen) zusammen mit der Stadt Esens betrieben wird, fragte der Wattenrat bei der Hausleiterin nach einer Bewertung dieses Spektakels über dem Großschutzgebiet an.

Die Antwort der Hausleiterin erfolgte prompt mit einem Fünfzeiler (Orthographie beibehalten): „Herzlichen Dank für Ihre E- Mail. Sie haben Ihr Anliegen ja bereits auch an die Nationalpark-Verwaltung gerichtet. Wir werden prüfen in wie weit es erlaubt ist hier ein Feuerwerk durchzuführen.Viele Grüße aus dem Nordseeheilbad Bensersiel“. Das war es. Der Wattenrat legte nach: „[…] Ich bitte also um Ihre (!) konkrete Antwort als Zweigstelle des Naturschutzbundes Deutschland in Bensersiel, ob Sie meine Bedenken teilen, dass Lebensstätten wild lebender Tiere, hier das Wattenmeer und das angrenzende Vogelschutzgebiet V63, durch ein Höhenfeuerwerk ohne vernünftigen Grund beeinträchtigt werden und ob es Ihrer Auffassung nach einer vorherigen Verträglichkeitsprüfung des „Projektes“ Feuerwerk bedarf. […]“ Antwort: keine, auch nicht vom Landesverband des NABU, der eine Kopie der Mail erhielt. Die Lokalpresse griff das Thema schließlich auf, siehe ganz unten.

2015 kein Feuerwerk in Bensersiel

2015 wurde das Höhenfeuerwerk in Bensersiel nach der Kritik des Wattenrates vom damaligen Veranstalter „Tourismusbetrieb Esens-Bensersiel“ abgesagt, „in Kenntnis der gesetzlichen Bestimmungen“, die jetzt wohl nicht mehr gelten, da der Verein „Bensersiel aktiv e.V.“ das Brücken- und Lichterfest ausrichtet. Die gesetzlichen Bestimmungen haben sich nicht geändert.

Anzeiger für Harlingerland, 06. August 2015

Der Tourismusbetrieb Esens-Bensersiel hat auf die Kritik des Wattenrates reagiert und das für nächste Woche Dienstag geplante Höhenfeuerwerk am Strand im Rahmen des Lichter- und Brückenfestes abgesagt. „In Kenntnis der gesetzlichen Bestimmungen wird in diesem Jahr darauf verzichtet“, so Esens Samtgemeindebürgermeister Harald Hinrichs am Dienstag. Naturschützer Manfred Knake hatte, wie berichtet, das Feuerwerk auf Langeoog und die Bensersieler Pläne kritisiert. […]

Naturschutz findet nicht im rechtsfreien Raum statt

Das Bundesnaturschutzgesetz verbietet in § 39 u.a., die Lebensstätten von wildlebenden Tieren „ohne vernünftigen Grund zu beeinträchtigen“-auch außerhalb von Schutzgebieten. Bei „Projekten“, die von außerhalb in Natura-2000-Gebiete wie den Nationalpark hineinwirken können, verlangt das Bundesnaturschutzgesetz eine Verträglichkeitsprüfung (§34).

Das Wattenhuus in Bensersiel ist Nationalpark-Haus, in gemeinsamer Trägerschaft mit der Stadt Esens. Da wollte sich die Hausleiterin und NABU-Mitarbeiterin vermutlich konfliktvermeidend nicht zum Thema Höhenfeuerwerk äußern. O-Ton Holger Buschmann, Vorsitzender des NABU-Niedersachsen, anlässlich der Übernahme des Hauses 2016 durch den NABU: „Das Wattenhuus Bensersiel leistet einen wichtigen Beitrag in der Umweltbildung im UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer. Der NABU Niedersachsen ist froh, seine fachliche Kapazität hier einbringen zu können.“

Anzeiger für Harlingerland, Wittmund, 08. August 2019 – Screenshot, Bildzitat

Bensersiel aktiv e.V.

Veranstalter des Feuerwerks war diesmal der Verein „Bensersiel aktiv e.V.“, der sich in der Vergangenheit auch für die Nutzung der nahegelegenen illegal gebauten Umgehungsstraße Bensersiel im EU-Vogelschutzgebiet stark gemacht hatte. Der Verein ist Teil des Esenser  Klüngels: „Alle sind miteinander vernetzt“. Der NABU-Kreisverband Wittmund stimmte im damaligen Verfahren dem rechtswidrigen Straßenbau zu. Esens-Bensersiel bewirbt auf seiner WebSeite sowohl das UNESCO-Weltnaturerbe als auch das Höhenfeuerwerk: „Lichter- und Brückenfest Am 06. August lädt Bensersiel Aktiv e.V. zum legendären Lichter- und Brückenfest auf den Dorfplatz in Bensersiel sein. Ab 14.00 Uhr bietet ein buntes Rahmenprogramm Abwechslung für jung und alt. Krönender Abschluss ist das große Brillant-Höhenfeuerwerk.“ Die Esens-Bensersiel Tourismus GmbH ist zudem „Nationalparkpartner“. Papier ist eben geduldig, die betroffenen Tiere des Wattenmeeres nicht.

Link aus „Der Falke“ zu Auswirkungen von Feuerwerken auf Vögel hier anklicken

Anzeiger für Harlingerland, Wittmund/NDS, 06. August 2019

Wattenrat: „Höhenfeuerwerk ist unverantwortlich“

BENSERSIEL. (mh) Das Feuerwerk heute Abend zum Abschluss des Lichter- und Brückenfestes in Bensersiel wird vom Wattenrat Ostfriesland (Manfred Knake) heftig kritisiert. Ein Höhenfeuerwerk in unmittelbarer Nähe zum Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer, EU-Vogelschutzgebiet und Weltnaturerbe hält er wegen der „enormen Störauswirkungen mit Panikfluchten nicht nur auf die Vögel des Wattenmeeres“ für unverantwortlich.

Knake fragte beim „Wattenhuus“ (Naturschutzbund Deutschland/Nabu) in Bensersiel nach, wie dort das geplante Höhenfeuerwerk bewertet wird. Deren Leiterin Silke König mochte sich gestern auf Nachfrage unserer Zeitung nicht zu der Thematik äußern, sie verwies hingegen auf die Nationalparkverwaltung in Wilhelmshaven. Diese wiederum verweist darauf, dass sie jenseits der Nationalparkgrenzen keinerlei Kompetenzen besitze. Die Kommunen könnten per Satzung eingreifen. Das Sprengstoffgesetz sei ein Bundesgesetz, die dazugehörige Verordnung müsse dringend an Naturschutzbelange angepasst werden, bislang schütze sie nur bestimmte Menschengruppen und Gebäude. Manfred Knake hält es für „beschämend für den mitgliederstärksten Naturschutzverband Nabu, der in Bensersiel mit dem Wattenhuus-Nationalparkhaus als Untergliederung des Nabu-Landesverbandes firmiert, dass man sich nicht zu einer glasklaren Aussage zu Feuerwerken an und über Schutzgebieten äußern kann oder will: bloß nicht anecken, aussitzen und schweigen“. Von einem Naturschutzverband erwarte er eine Antwort und klare Haltung. „Die Auswirkungen von Feuerwerken auf wildlebende Vögel sind sehr gut untersucht, das ist ein absolutes No Go“, so Manfred Knake in einer Pressemitteilung.

Nachtrag:

Am Samstag, 03. August 2019, ging es auch in Carolinesiel rund, ab 22.30 Uhr stand der Museumshafen in Flammen. Abschluss des Spektakels war auch hier ein Höhenfeuerwerk, nur etwas mehr als ein Kilometer vom Nationalpark entfernt. Die schriftliche Anfrage des Wattenrates beim Nationalparkhaus Carolinensiel (Träger: Stadt Wittmund) um eine Bewertung des Höhenfeuerwerks am und über dem Nationalpark mit den Auswirkungen auf die Rastvögel blieb unbeantwortet…

Anzeiger für Harlingerland, Wittmund, 01. August 2019

[…] Bis Sonntag, 4. August, hat der ausrichtende Gewerbeverein um Marktmeister Simon Lübben wieder für ein abwechslungsreiches Programm gesorgt. Im Mittelpunkt und als absoluter Publikumsmagnet wird am Sonnabend ab 22.30 Uhr wieder der Hafen in Flammen unzählige Menschen in den Museumshafen locken. Pyrotechniker Ralf Fremy wird für eine beeindruckende Show sorgen. […]

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