Schöne neue Naturschutzwelt: „Agri-Photovoltaik als Stockwerk über Weidelandschaften“

Schöne neue Naturschutzwelt, gefunden im Editorial von Prof. Dr. Jedicke in der Fachzeitschrift „Naturschutz und Landschaftsplanung“, Heft 2/2023:

„[…] Damit darf ein sich als Artenschutz definierender Naturschutz nicht gegen notwendige Prozesse zur Transformation von Kulturlandschaft wie Wirtschaft arbeiten: Integrierende wie partizipative Ansätze sind notwendig. Not in my backyard , der Kampf gegen Wind- und Solarparks in der Nachbarschaft, ist abzulösen durch My backyard please -Projekte und Energiegärten, wie die Niederlande zeigen.

Ihr Schlüssel zum Erfolg: Solarparks mit landschaftlich angepasster Gestaltung, üppig geförderter Biodiversität, Erholungsangeboten und Partizipation […]  Agri-Photovoltaik als Stockwerk über Weidelandschaften und Nutzpflanzen als Strategie, um die Kulturen klimafit zu machen, solare Dachziegel und Überdachungen von Parkplätzen und Autobahnen, Kleinwindanlagen und vieles mehr müssen die Kulturlandschaften (in doppeltem Sinne) nachhaltig verändern. […]“

So sehen die vom Autor beschriebenen Agri-Photovoltaikparks für die Weidewirtschaft aus:

Die passende Studie (oder nur passend gemacht?) zur angeblich positiven Auswirkungen auf die Artenvielfalt gibt es auch schon:

„Eine im November 2019 veröffentlichte Studie des Bundesverbandes Neue Energiewirtschaft, bne, beleuchtet den Beitrag von Solarparks zur Artenvielfalt von Flora und Fauna. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass sich Freiflächen-Solaranlagen positiv auf die Biodiversität auswirken.“ (Quelle: https://group.vattenfall.com/de/newsroom/news/2019/november/solarpark-biodiversitat)

Verspargelte „klimafitte Kulturlandschaft“ bei Arle/LK Aurich – Foto (C): Archiv Wattenrat

Nun schlägt die „Große Transformation“ auch auf den Natur- und Artenschutz durch. Wer Windkraftanlagen oder Solarparks („Agri-Photovoltaik als Stockwerk über Weidelandschaften“) als Erfolgsgaranten des Natur- und Artenschutzes beschreibt und das mit „klimafit“ garniert, ist nicht mehr ernstzunehmen. Nun wird die bisherige „Verspargelung“ der Landschaft mit der Verspiegelung komplettiert; für die „üppig geförderte Biodiversität“? „Üppig gefördert“ fürs angenehme Klima auf den Betreiberkonten werden die „erneuerbaren Energien“, die aber nichts am Wetter oder in der Folge am statistischen Wert des Klimas ändern werden.

„Vergessen“ hat der Autor, dass in Deutschland schon 30.000 Windkraftanlagen in riesigen Windparks  die Kulturlandschaft bereits „nachhaltig“ verändert haben, u.a. zum Schaden von Vögeln oder Insekten, von den gesundheitlich gefährdeten Anliegern ganz zu schweigen. Ein Wattenrat-Leser merkte dies sarkastisch zum Editorial an: „Was raucht der Mann beim Schreiben?“

Mehr gibt es nicht zu sagen…

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