3. Oktober 2013

Hauskatzen auf Borkum: Wer wird erschossen?

Screenshot-Bildzitat, Ostfriesen Zeitung_Online_27.Sept. 2013

Wer wird erschossen?

Ein unsachlicher Kommentar für den Wattenrat von

Thomas Schumacher

„Borkum: Katzen zum Abschuss frei“ titelt die Ostfriesen Zeitung, sprachlich holprig aber diesmal immerhin orthografisch korrekt. Allerdings: Später korrigiert sie. Hauskatzen würden auf Borkum nicht abgeschossen. Das wäre auch was, Ballermann im Wohnzimmer. Igel würden aber nicht abgeschossen, so die OZ, die stünden unter Naturschutz. Als hätte das jemals gestört, wenn es ums Schießen geht. Igel würden eingesammelt und aufs Festland verbracht. Und warum das Ganze? Wegen der Uferschnepfen. Katzen und Igel fressen die Uferschnepfen, und die sterben aus. Oh je, würden alle die abgeschossen, die gefährdete Tiere töten oder ihren Lebensraum zerstören, es gäbe ein Massaker in Ostfriesland. Jäger zu Gejagten.

Wie immer gibt es Geschichten hinter der Geschichte. Frettchen wurden zum Beispiel auf Norderney für die Kaninchenjagd eingeführt und sogar gezüchtet. Leider büchsten davon einige aus – egal ob es Frettchen waren oder Norderneyer, denn, Mensch und Tier konkurrieren immer noch um Möweneier.

Wildernde (Haus-)Katzen sind seit Jahrzehnten als „Aliens“, also untypische, in diesem Fall von Menschen eingeschleppte Tiere, auf den Inseln ein Problem. Naturschützer, die Verbände, die Kommunen und die Nationalparkverwaltung wissen das. Geschehen ist nichts. Igel sind seit langem als gefräßige Genießer von bodenbrütenden Vögeln bekannt. Seit langem schon sammeln Naturschützer die schmatzenden Tierchen ein und verbringen sie heimlich auf das Festland. Ein Igel schafft es locker in einer Nacht eine ganze Brutkolonie von Seeschwalben oder Möwen zu eliminieren. Zuerst frisst er, dann zertrampelt er die Eier und zuletzt schlürft er nur noch Absacker.

Hauskatzen oder Uferschnepfen im "Weltnaturerbe Wattenmeer? Uferschnepfe inmitten von Alpenstrandläufern

Es soll an dieser Stelle nicht weiter auf den segenreichen Naturschutz hingewiesen werden, den der überbordende Autoverkehr auf Borkum oder Norderney zu verantworten hat. Hier und da überfahren die Karossen schon mal eine Katze, einen Igel, ein Kaninchen, na ja und auch mal einen Watvogel.

Hunde sind auf jeder Insel Problem. Keine Insel hat das im Griff. Alle appellieren an die Verantwortung der Hundehalter. Die sind aber „auf Urlaub“ und da ist alles erlaubt. Gibt es für einen Dobermann was Schöneres als frei durch die Dünen zu fegen und seinem Jagdtrieb freien Lauf zu lassen? In Wanne Eikel oder Dortmund oder Stuttgart wäre das nun mal nicht möglich, erklären die verantwortungsvollen HundehalterInnen.

Millionen Übernachtungen auf den Inseln verhöhnen jeden „sanften Tourismus“. Damit werben, sprich lügen, die Kurverwaltungen als hätten sie das Meer und die Strände erfunden. Nur weil die Sonne am Horizont von Langeoog besonders glühend untergeht, heißt das nicht, dass die „Natur“ intakt ist .

Damit wir uns nicht missverstehen, wir reden hier nicht über eine Fläche im Grünstreifen neben der Autobahn. Wir reden über das Weltnaturerbe Wattenmeer. Bislang haben alle Regierungen in Niedersachen das „Naturerbe“ zum Waidschuss freigegeben. Es gibt bis heute keinen verbindlichen Managementplan für den Nationalpark. Es gibt keine begleitende Beobachtung und Kontrolle durch NationalparkwärterInnen.

Es gibt jetzt Geld von der EU für die Sicherung von Brutgebieten von bedrohten Watvögeln. Deswegen werden die Katzen abgeschossen. Dürfen wir wissen, wer das Geld bekommt? Die Nationalparkverwaltung hat alle Missstände geduldet. Eine einfache Presseerklärung – Wer kriegt was wofür – wäre gut.

Ostfriesen Zeitung, online, 27. September 2013

Von Doris Zuidema

Mit diesem Projekt des Nationalparks Wattenmeer soll die seltene Uferschnepfe geschützt werden. Es geht nicht um Hauskatzen, sondern um wild in den Dünen lebende Streuner. Auch Igel fressen Uferschnepfen – sie sollen eingesammelt und ans Festland gebracht werden.

Borkum – Die Uferschnepfe ist ein vom Aussterben bedrohter Vogel. Eines ihrer wenigen bevorzugten Brutgebiete ist Borkum. Doch selbst auf der Insel verringert sich ihr Bestand. Der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer hat jetzt zwei Hauptfeinde der Uferschnepfe ausgemacht: Katzen und Igel. Weil beide Tierarten ursprünglich nicht auf der Insel vorkamen, sondern von Menschen eingeschleppt wurden, sollen ihre Populationen zum Schutz der Wiesenvögel dezimiert werden.

Während die Igel, die unter Naturschutz stehen, eingesammelt, ans Festland transportiert und dort ausgesetzt werden, geht es den Katzen ans Fell. Sie sind zum Abschuss freigegeben. „Wir wollen keine Hauskatzen erschießen, sondern diejenigen vertreiben, die wild und ohne Bezug zu Menschen in den Dünen leben“, erläutert Gundolf Reichert vom Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer. Zwar sei überlegt worden, die Tiere zu kastrieren. Sie seien aber derart scheu, dass sie sich nicht einfangen ließen und auch nicht an Menschen vermittelt werden könnten.

Birgit Koenen vom Tierschutzverein Borkum bestätigt das. Die Tierschützer hätten außerdem keine rechtliche Handhabe gegen den Abschuss der Katzen, sagt sie. „Katzen dürfen in Naturschutzgebieten nicht jagen. Das ist so.“

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