Aus für das EU-Vogelschutzgebiet „Voslapper Groden“ in Wilhelmshaven?

Screenshot/Bildzitat: NLWKN https://www.nlwkn.niedersachsen.de/naturschutzgebiete/naturschutzgebiet-voslapper-groden-nord-43247.html

Der Voslapper Groden-Nord in Wilhelmshaven entstand 1973/74 durch Eindeichung von angrenzenden Wattflächen und wurde anschließend mit Sand aus dem Wattenmeer aufgespült Bis 1979 wurden Teilbereiche als Spülfläche genutzt. Inzwischen entstanden dort vielfältige Biotope: nasse Dünentäler, große Schilfröhrichte mit Kleingewässern und Weidengebüsche. Auf höher gelegenen Flächen entstanden Trockenrasen, trockenes Grünland und Ruderalflächen. Hier siedelten sich selten gewordene Vogelarten, wie z.B. Rohrdommel, Tüpfelsumpfhuhn, Blaukehlchen, Rohrschwirl, Schilfrohrsänger und Wasserralle an.

Das Gebiet von 257 Hektar Größe wurde deshalb 2005 als EU-Vogelschutzgebiet V62 ausgewiesen und ist national in ein Naturschutzgebiet überführt worden. Die zuständige Untere Naturschutzbehörde ist die Stadt Wilhelmshaven.

Industrieansiedlung im Schutzgebiet geplant

Mit dem Schutz soll nun Schluss sein. Die niederländischen Firma Tree Energy Solutions (TES), will auf dem EU-rechtlich geschützten Groden auf einer Fläche von 145 ha (entspricht 360 Fußballfeldern) einen Wasserstoff-Energiepark zu bauen. Zusätzlich plant das Joint Venture Deutsche Grüngas und Energieversorgung GmbH eine Anlage für den Import von Gasen. Das Vorhaben wird von der Stadt Wilhelmshaven unterstützt.

Das alte Lied, Naturschutz nur so lange, bis massive wirtschaftlichen Interessen Begehrlichkeiten wecken. Nach EU-Recht ist dieses Vorhaben leider nicht unbedingt zum Scheitern verurteilt, da „zwingende Gründe des überwiegenden öffentlichen Interesses einschließlich sozialer und wirtschaftlicher Gründe“ (laut EU-Vogelschutzrichtlinie und Bundesnaturschutzgesetz) Ausnahmen zulassen, die von der Stadt Wilhelmshaven vorgebracht werden. Nur darf sich der der Erhaltungszustand der Vogel-Populationen nicht verschlechtern. Ausgleichs- oder Ersatzmaßnahmen sind für diesen schweren Eingriff wohl nicht vorhanden.

In Niedersachsen, und nur in Niedersachsen, liegen die Zuständigkeiten für Natura-2000-Gebiete (FFH- und Vogelschutzgebiete) nach der Auflösung der Bezirksregierungen 2005 durch die Regierung Christian Wulff (CDU) bei den Unteren Naturschutzbehörden der Kommunen, heruntergedrückt in den Interessens- und Entscheidungshorizont des lokalen Politklüngels.

Umweltverbände kündigen Widerstand an

Inzwischen haben die Umweltverbände BUND, NABU und die Deutsche Umwelthilfe (DUH) Widerstand angekündigt, sie wollen rechtlich gegen das Vorhaben angehen. Es bleibt also abzuwarten, wie die Gerichte entscheiden.

Schon 2005 in den Schlagzeilen: die Rohrdommel

Bereits 2005 geriet der Voslapper Groden im Zusammenhang mit dem Bau des Jade-Weser-Ports in Wilhelmshaven in die Schlagzeilen, damals sollte eine Schutzwand das angrenzende Schutzgebiet vor dem Hafenbetrieb schützen. Daraus machten rechercheschwache und eingebettete Journalisten die Rohrdommel-Nummer: eine acht Millionen teure Lärmschutzwand nur für die Rohrdommel, ein übles Propagandastück, das den Naturschutz lächerlich machen sollte. Der Wattenrat berichtete damals „Verhindert der Naturschutz den Hafenbau? Rohrdommel heizt die Emotionen an“ .

Der Jade-Weser-Port ist auch noch nach 14 Jahren Betriebsdauer weit von der möglichen Vollauslastung entfernt, ein kursierender satirischer Spruch zur nicht erreichten Auslastung heißt: „ein Schiff, ein Schiff“, das man heranwinkt.

Industriebrache, wenn die Industrieprojekte scheitern

Falls die enormen teuren aktuellen Wasserstoffprojekte im Voslapper Groden wirtschaftlich scheitern, wird aus dem jetzigen Naturschutzgebiet eine Industriebrache. Ein Blick auf den Globus macht deutlich, wie verschwindend gering Deutschlands Bemühungen um den sog. „Klimaschutz“ mit der Energiewende sind: Die Landmasse der Erde beträgt ca. 149 Millionen Quadratkilometer, Deutschland weist eine Fläche von 357.683 Quadratkilometern auf, davon sind 6,5 Prozent Naturschutzgebiete, deren Verordnungstexte oft viele Ausnahmen vom Schutz erlauben, z.B. Für die Land- oder Forstwirtschaft.

Die nur ideologisch motivierte deutsche „Energiewende“ trägt, wenn die Pläne im Voslapper Groden verwirklicht werden sollten, zum weiteren Verlust der Artenvielfalt bei. Für den vorgeblichen Schutz der Atmosphäre ist kein Teil der Biosphäre zu schade!

NABU-Link: Schutzgebiet Voslapper Groden – Energiewende darf kein Vorwand für Naturzerstörung sein!

 

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