„Erneuerbare Energien“: Konferenz der Energieminister auf Norderney – Umweltverband BUND als Wind- und Solarunterstützer

Blick von der  Insel Norderney auf das Festland  im Landkreis Aurich – Foto (C): Eilert Voß/Wattenrat

Bearbeitet und ergänzt am 31. Mai 2026

Wo Umwelt- und Naturschutz draufsteht, muss kein Umwelt- oder Naturschutz drin sein! Beweis: Weiter unten die entlarvende Pressemitteilung vom Bund Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) anlässlich der Konferenz der Umwelt- und Energieminister der Länder auf der Insel Norderney vom 20. bis 22. Mai 2026. Gastgeber war der niedersächsische Umweltminister Christian Meyer (B90/Die Grünen). O-Ton Meyer auf Norderney, der aktuell Vorsitzender der Energieministerkonferenz ist: „Die Länder bleiben bei der Energiewende auf Kurs in Richtung Unabhängigkeit mit heimischen Energien, Speichern und Netzausbau.“

Die Energieministerkonferenz – Foto: Presse/NMU/Martin Pohl

Mit auf Norderney waren auch Vertreter des  Lobbyverbände „Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE)“ und der „Landesverband Erneuerbare Energien (LEE) – und, wer hätte das gedacht, am Rande auch der Verwalter des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer („UNESCO-Weltnaturerbe“) Peter Südbeck als Nationalparkleiter. Das Großschutzgebiet und die angrenzenden EU-Vogelschutzgebiete am Festland hinter dem Deich werden gerade als Kabeltrassenflächen für die Offshore-Windparkanbindung missbraucht.

„Nationalpark wirkt“ auf der Energiekonferenz Niedersachsen“ – auf dem Papier – Foto: Presse/NMU/Martin Pohl

Bundesministerin Katharina Reiche (CDU) hatte ihre Teilnahme abgesagt. Hintergrund ist die Ankündigung Reiches, u.a. die Entschädigung für Solar- und Windkraftbetreiber zu streichen, wenn überschüssiger Wind- oder Solarstrom nicht mehr eingespeist werden kann, die Betreiber an den Netzausbaukosten zu beteiligen oder Subventionen zu streichen. Es lässt sich vermuten, dass die Konferenz auf Norderney auch der Ausgrenzung und Schwächung der Ministerin für Wirtschaft und Energie im Kabinett Merz diente.

Nationalparkleiter Peter Südbeck „verkauft“ seinen Nationalpark auf der Ministerkonferenz – Foto: Presse/NMU/Martin Pohl

Entgegen der physikalischen Wirklichkeit heißt es in einem Punkt der einstimmig verabschiedeten Ministerbeschlüsse, „dass die Förderung der Windenergie ein zentraler Hebel für die Versorgungssicherheit und Preisstabilität sei, ´da sie zu den kostengünstigsten und am schnellsten ausbaubaren erneuerbaren Stromerzeugungs-Technologien zählt´“.

Faktenbefreites „zur Energiewende“: „fossilen Inflation“

Die Pressemitteilung des Niedersächsischen Umweltministerium ist zudem vollgepackt mit zeitgeistigen Schwurbel-Zitaten der einzelnen Umweltminister, wie z.B. „Die Energieministerkonferenz hat sehr deutlich herausgestellt, dass wichtige Weichenstellungen mit Blick auf eine bezahlbare und verlässliche Energieversorgung notwendig sind“, oder „Wir sind mitten in einer fossilen Inflation“.

Neu bauen statt sprengen!

Auf der ganzen Welt werden neue Atom-, Gas- oder Kohlekraftwerke zur verlässlichen Energieversorgung gebaut, in Deutschland wurden funktionierende Atom-, Gas- oder Kohlekraftwerke aus energieideologischen Gründen („Energiewende“) stillgelegt oder gesprengt. Überschüssiger, nicht bedarfsgerecht erzeugter Wind- oder Solarstrom wird zu Minuspreisen (der jeweilige Energieversorger muss für die Abnahme zahlen) an der Strombörse verkauft. Bei Strommangellagen („Dunkelflauten“) muss Strom aus dem Ausland zu hohen Preisen dazugekauft werden. Und der Energieminister Schleswig-Holsteins, Tobias Goldschmidt (B90/Die Grünen), erfindet diefossile Inflation“! Das lässt am Sachverstand in der Ministerrunde zweifeln!

„Die Lizenz zum Gelddrucken“

Fakt ist, dass weder die Solar- noch die Windenergie zur Versorgungssicherheit beitragen kann, weil diese Energie nur wetterabhängig eingespeist wird und auf verlässlich einspeisende Wärmekraftwerke (fossil oder nuklear) als Regelenergie (50 Hertz Netzstabilität) angewiesen ist. Durch die gesetzliche Subventionierung (Erneuerbare-Energien-Gesetz, EEG) für Wind- und Solarbetreiber aus Steuergeldern hat Deutschland mit die höchsten Strompreise der Welt. Das wissen auch die Energieminister der Länder, die sich aber zu Lobbyisten der enorm gewinnträchtigen („die Lizenz zum Gelddrucken“) Wind- und Solarbranche machen lassen, genau wie auch der Umweltverband BUND. Der BUND wird mit staatlichen Projektfördergeldern, wie auch der NABU, in Millionenhöhe unterstützt.

Bereits 2019 hatte der ehemalige BUND-Bundesvorsitzende Prof. Hubert Weiger gefordert, die „Erneuerbaren zu entfesseln.

Pressemitteilung des BUND vom 20. Mai 2026:

BUND Landesverband Niedersachsen

Zur Energieminister*innenkonferenz vom 20. bis 22. Mai auf Norderney fordert der BUND die Energieminister*innen der Länder auf, die Energiewende konsequent voranzutreiben und sich klar gegen die rückwärtsgewandte Wirtschafts- und Energiepolitik der Bundesregierung zu positionieren.

Olaf Bandt, Bundesvorsitzender des BUND: „Mit ihren Plänen zur EEG-Novelle, zum Netzpaket und zur Subvention neuer Gaskraftwerke gefährdet Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche die deutschen Klimaziele und zementiert fossile Abhängigkeiten. Ihr Kurs setzt zudem günstige Strompreise, regionale Wertschöpfung und zukunftsfähige Arbeitsplätze aufs Spiel. Die Energiewende braucht Planungssicherheit und Investitionen in erneuerbare Energien – kein Ausbremsen von Wind- und Solarenergie.“

Mit Sorge blickt der BUND auf die aktuellen Vorschläge aus dem Bundeswirtschaftsministerium zum Netzpaket und zur EEG-Novelle. Insbesondere der geplante Redispatch-Vorbehalt – die Regelung, dass Betreiber*innen von Anlagen für erneuerbare Energien bei netzbedingter Abschaltung ihrer Anlagen künftig keine Entschädigung mehr erhalten sollen – würde neue Wind- und Solarprojekte in großen Teilen Deutschlands wirtschaftlich hochriskant machen. Nach aktuellen Einschätzungen könnten davon bis zu 70 Prozent der Verteilernetze betroffen sein. Anlagenbetreiber*innen müssten mit großen Einnahmeausfällen rechnen. Das würde Investitionen erschweren und den Ausbau erneuerbarer Energien massiv ausbremsen.

Susanne Gerstner, Vorsitzende des BUND Niedersachsen: „Niedersachsen hat sich das Ziel gesetzt, bis 2040 klimaneutral zu sein und das ist gut so. Dazu braucht es einen ambitionierten und naturverträglichen Ausbau der Erneuerbaren und eine Wärmewende, die den Namen auch verdient! Die rückwärtsgewandte, fossile Lobbypolitik von Wirtschaftsministerin Reiche darf den Ausbau der Erneuerbaren in Niedersachsen nicht gefährden – dafür müssen sich die Länder jetzt starkmachen!“

Auch kleine Dach-Photovoltaikanlagen müssen weiterhin verlässlich gefördert werden, betont der BUND. Millionen Dächer von Privathaushalten, landwirtschaftlichen oder Handwerksbetrieben und Kommunen sind ein zentraler Baustein der Energiewende und stärken die gesellschaftliche Akzeptanz vor Ort. Eine vorschnelle Umstellung kleiner Anlagen auf die Direktvermarktung würde viele Bürger*innen und kleinere Betriebe überfordern, da die Prozesse unzureichend digitalisiert und standardisiert sind und massentaugliche Abwicklungsmodelle fehlen.

Die Fokussierung der Bundesregierung auf fossile Energieträger lehnt der BUND strikt ab. Milliardenförderungen für neue Gaskraftwerke und ein Festhalten an Gas im Gebäudebereich sind energie- und klimapolitisch der falsche Weg und bedeuten ein enormes Kostenrisiko für Mieter*innen und Hausbesitzer*innen. Für Niedersachsen ist diese Entwicklung besonders problematisch: Fast 99 Prozent der deutschen Erdgasförderung entfallen auf das Land. Mögliche neue Gasbohrungen und insbesondere die von CDU/CSU ins Spiel gebrachten Fracking-Vorhaben würden unmittelbar Umwelt und Natur, Klima und Küstenregionen in Niedersachsen gefährden.

Der BUND fordert daher die Energieminister*innen der Länder auf, sich klar gegen die geplanten Vorhaben der Bundeswirtschaftsministerin auszusprechen und sich für Klimaschutz, unabhängige Energie sowie langfristig stabile Preise und echte Versorgungs- und Investitionssicherheit einzusetzen.

BUND-Pressestelle:
Lara-Marie Krauße, Mobil 01578 39 48 761, Tel. (0511) 965 69 – 0, presse(at)nds.bund.net, www.bund-niedersachsen.de

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