
Insel Langeoog: Schöma-Diesellok – Foto: Manfred Knake
Es muss mal wieder „klimaneutral“ werden, um „die Wattenmeer-Region ökologisch besser zu schützen.“ Kein Aprilscherz: Das soll mit neuen Lokomotiven der Inselbahnen auf Borkum, Langeoog und Wangerooge geschehen. Die sollen in Zukunft elektrisch statt mit Dieselmotoren betrieben werden, berichtete die Nordwest Zeitung aus Oldenburg am 28. Sept, 2026. Bis heute werden auf diesen Inseln insgesamt 12 Schmalspur-Dieselloks für den Personen- und Frachtverkehr von den Fähranlegern in die Inselorte eingesetzt.
Der Austausch soll vierzig Millionen Euro kosten, wenn denn die Fördergelder fließen sollten. „Aus Sicht der Inseln wäre die Anschaffung neuer Diesel-Loks im Welterbe Wattenmeer ökologisch nicht zu verantworten“, wird Saskia Buschmann aus Aurich, Inselbeauftragte der CDU-Landtagsfraktion, zitiert.
Ja, die Umstellung kann man durchaus ins Auge fassen, wenn sie denn bezahlbar wäre. Die Deutsche Bahn betreibt ihre Loks im Fern- und Regionalverkehr seit Jahrzehnten mit elektrischen Antrieben, der Strom kommt aus den Oberleitungen. Oberleitungen auf den Inseln verbieten sich, die Inseln sind Teil des Großschutzgebietes Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer, das auch tourismusfördernd zum „UNESCO Weltnaturerbe“ geadelt wurde und entsprechend beworben wird. Akkubetriebene Loks werden inzwischen auch hergestellt, die werden aber auch mit Oberleitungsstrom wiederaufgeladen.
Der Hersteller Schöma lieferte bisher die Dieselloks auf den Inseln, baut aber inzwischen auch akkubetriebene Loks und Loks mit Hybridantrieb („Tunnelloks“) Die Lok-Akkus müssen wie bei eAutos auch wiederaufgeladen werden, das setzt eine aufwendige teure Ladeinfrastruktur voraus, da man keinen Oberleitungsbetrieb auf den Inseln realisieren wird. Der Stromverbrauch für eLoks wird immens sein, der „Auspuff“ ist dann nicht an den Dieselloks, sondern an den Kraftwerks-Schornsteinen (Kohle und Gas, im Winter schornsteinlos mit Atom-Importstrom aus dem Ausland), die den elektrischen Ladestrom bedarfsgerecht und verlässlich bereitstellen. Windabhängiger Windstrom kann das als volatile Stromquelle nicht „on demand“ leisten, auch an der Küste weht der Wind nur unregelmäßig. Man könnte großflächige Solarparks mit Batteriespeichern auf den Inseln aufbauen, das ist erstens sehr kostenaufwändig und ebenfalls mit dem Nationalpark nicht vereinbar, also kaum zu verwirklichen.
Schon jetzt ist klar, dass der eLok-Betrieb nur mit enormer staatlicher Förderung zu Lasten der Steuerzahler zu verwirklichen ist und nicht von den Tourismusbetrieben auf den Inseln erwirtschaftet wird. „Gespräche mit dem Land über eine Förderung laufen; eine Zusage gibt es aber noch nicht. Ein Antrag, die Förderung in den Doppelhaushalt 2027/28 einzustellen, ist auf dem Weg“, so die NWZ. Schon jetzt müssen die Dünenabbrüche auf den touristisch genutzten Inseln nach jeder schweren Sturmflut durch millionenteure Aufspülungen gesichert werden. Die für einen Nationalpark selbstverständliche „natürliche Dynamik“ findet hier nicht statt.
Und dann das: „Batterie-Loks auch zur Absicherung der Stromversorgung in Notfällen einzusetzen und damit die Resilienz der Gemeinde bei Störungen im Netz zu erhöhen.“ Netzstörungen treten durch die unregelmäßige Einspeisung von Wind- und Solarstrom auf (das 50-Hertz-Problem); die Akku-Kapazität von eLoks wird kaum zur längeren „Absicherung der Stromversorgung“ in den Inselorten taugen. Und auch das: „Die Ostfriesischen Inseln versuchen verstärkt, die Wattenmeer-Region ökologisch besser zu schützen.“ – Seit wann das? In der Vergangenheit wollten Juist und Baltrum schon mal aus dem Nationalpark „austreten“. Die „Ökologie“ wird wieder einmal als Propagandainstrument der Naturnutzer verwendet. Tatsächlich leidet die „Ökologie“ des Naturraumes Wattenmeer sehr unter dem Massentourismus, nicht aber unter einzelnen Dieselloks; jeder Winkel auf den Inseln (z.B. die Brut- und Rastgebiete, die Seehundliegeplätze) ist vor achtlosen Touristen (mit und ohne Hund) nicht sicher. Hier die Gästezahlen (2025, Quelle IHK):
Borkum: 304.062 , Langeoog: 236.930, Wangerooge: 116.146, alle Ostfriesische Inseln gesamt: 1.475.350 (ohne die zusätzlichen Tagestouristen!)
Das „CO2-freie“ Aushängeschild der Tourismuswirtschaft ist der elektrisch betriebene Katamaran „Inselexpress“ der AG Reederei Norden-Frisia. Das Doppelrumpfschiff transportiert Touristen in 30 Minuten von Norddeich nach Norderney und rast mit maximal 19 Knoten (mehr als 35km/h) über das Watt, das kann für mausernde flugunfähige Enten, die zudem noch Junge führen, oder für Seehunde lebensgefährlich werden.
Die Touristen reisen überwiegend mit dem PKW an, meistens benzin- oder dieselbetrieben. Die Fahrzeuge werden bis dicht an die Fähranleger geparkt. Die Inselfähren werden mit leistungsstarken Dieselaggregaten betrieben. Das sollte man in Relation zu den wenigen Dieselloks auf den Inseln sehen (deren Abgase man zudem auch reinigen kann, Schöma bietet für Dieselloks Abgasreinigungssysteme an). Die eLok-Nummer klingt nach politisch korrektem „klimaneutralen“ Elektro-Zeitgeist, ist aber nichts anderes als teure Klima-Propaganda fürs gute Öko-Image, von Kritikern „Hirnschmelze“ genannt. Auch Elektroloks werden nichts am Wetter oder in dessen langfristiger Folge etwas am Klima ändern.