22. August 2013

Windkraftanlagen und tote Fledermäuse: das ostfriesische Tal der Ahnungslosen

Screenshot_Bildzitat: NWZ-online, 22. August 2013

 Auch das Verschweigen von bekannten und unangenehmen Tatsachen ist Manipulation. Gemeint ist die Nordwest-Zeitung (NWZ) in Oldenburg/Niedersachsen in Zusammenhang mit der dpa-Berichterstattung über das enorme Tötungsrisiko von Fledermäusen an Windkraftanlagen, festgestellt durch ein Forschungsprojekt der Universitäten Hannover und Erlangen in Zusammenarbeit mit der Herstellerfirma Enercon in Aurich in Ostfriesland. Zur Erinnerung: Bundesweit wurden 84 zufällig ausgewählte Windkraftanlagen – von insgesamt ca. 23.200 – von der Nordsee bis nach Bayern untersucht. Den Windkraftbetreibern wurde Anonymität zugesichert. Die Standorte der untersuchten Anlagen wurden nicht bekanntgegeben, mit Rücksicht auf ein evtl. nun gesetzlich gebotenes zeitlich begrenztes Abschalten der Anlagen wegen des Tötungsrisikos der streng geschützten Flugsäuger. Rechnet man die festgestellte durchschnittliche (!) Tötungsrate von 12 Tieren je untersuchter Windkraftanlage auf alle Anlagen in Deutschland hoch, kommt man auf mehr als eine Viertelmillion getöteter Fledermäuse pro Jahr! Projektmitarbeiter Prof. Reich der Universität Hannover nannte diese rechnerische Zahl in der Presse zwar „hoch spekulativ“, aber sie müsse „nicht falsch“ sein. Das Projekt wurde mit öffentlichen Mitteln in Höhe von 1,1 Millionen Euro durch das Bundesumweltministerium gefördert, weitere Mittel in Höhe von 0,9 Millionen Euro sollen zusätzlich bereitgestellt werden. Die Nordwest-Zeitung in Oldenburg übernahm  zwar am 19. August die dpa-Berichterstattung, wenn auch nicht in vollem Umfang. Nur in den verschiedenen Lokalzeitungen in Ostfriesland von Norden bis ins friesische Jever erfuhr die Leserschaft nichts von toten Fledermäusen an Windkraftanlagen. Auf der ostfriesischen Halbinsel gibt es die höchste Dichte der Windrotoren, bis hinein in Vogelschutzgebiete nahe am Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer, und auch in Ostfriesland und Friesland fliegen Fledermäuse. Die NWZ liefert den überregionalen Mantel an diese Zeitungen und hat damit ein großes Meinungsmonopol an der Küste. Der Windkraftanlagenhersteller Enercon in Aurich ist ein bedeutender Anzeigenkunde dieser Lokalzeitungen mit dem NWZ-Mantel. Die dpa-Meldung wurde bundesweit bis nach Passau in Bayern gedruckt und auch vom Leitmedium Spiegel-online ausführlich übernommen. In der Vergangenheit wurde die NWZ schon mehrfach wegen ihrer Berichterstattung vom Deutschen Presserat gerügt.

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