12. März 2010

Ems: Meyer-Musikdampfer „Celebrity Eclipse“ durch den Fluss gequält

Der Meyer-Neubau mit dem nicht ganz so griffigen Namen  „Celebrity Eclipse “  wurde gestern von der Meyer Werft im binnenländischen Papenburg mit Schlepperhilfe über die viel zu enge Ems 40km weit bis an die Nordsee gequält. Damit das Schiff in den geschundenen und viel zu engen Fluss passte, musste die Ems mit dem Stauwerk bei Gandersum aufgestaut werden. In der Folge soffen die Außendeichsbereiche des Flusses ab.

"Celebrity Eclipse" passiert Oldersum

Im Herbst oder Winter ist das kein Problem, aber wenn der Fluss im Frühjahr oder Sommer für Schiffsüberführungen aufgestaut wird,  werden Gelege oder Jungvögel weggespült, in einem EU-Vogelschutzgebiet!

Celebrity Eclipse; Nüttermoor; Foto: (C) Voß

Land unter im EU-Vogelschutzgebiet, CE passiert Nüttermoor

 
 

Das Goldene Kalb passiert Gandersum

 

Die Naturschutzverbände BUND, NABU und WWF billigen diesen „Sommerstau“ mit dem schweren Eingriff in das Schutzgebiet.  Zur „Entlastung“ der Ems wird derzeit der Neubau eines Kanals diskutiert: der Ems-Kanal, der schon mal zu Nazi-Zeiten als „Adolf-Hitler-Kanal“ begonnen, aber nie fertig gestellt wurde. Ins Gespräch gebracht haben diese neue Kopfgeburt ausgerechnet die Naturschutzorganisationen WWF und BUND , die offensichtlich fleißig hinter verschlossenen Türen kungeln. Gegen dieses Kanalprojekt gibt es erhebliche Proteste, hier eine kleine Aktion am 06. März in Papenburg vor der Meyer Werft:

Schnapsidee Meyer-Kanal

"MEYER RAUS": Winterlicher Protest am Emsdeich

 

Die geneigte Regionalpresse lässt die sichtbaren Auswirkungen des Fluss-Staus und die damit verbundenen Proteste weitgehend unter die Redaktionstische fallen, jede Überführung wird bejubelt.  Als König Anzeigenkunde, der auch die Politik fest im Griff hat, darf  Herr Meyer das erwarten.

edit 18. April 2010:

Am 03.  und 17. April 2010 berichtete des NDR-Fernsehen über diese Überführung: Freie Fahrt für die „Celebrity Eclipse“: Die Ems-Überführung . So stand es u.a. in der Ankündigung: „Das NDR Fernsehen begleitet die Ems-Überführung, berichtet von Bord und von den Deichen. Fans, aber auch Umweltschützer, die mehr denn je um die Flora und Fauna fürchten, kommen zu Wort“.

Ja, sie kamen zu Wort, aber wie! Elfie Oorlog, die 1. Vorsitzende des Vereins „De Dyklopers“, führte ein Redaktionsteam stundenlang an der Ems, zeigte Versackungen und Häuserrisse durch die ständigen Emsbaggerungen. Gezeigt wurden nur ein paar Sekunden, in denen sich Elfie Oorlog mit einem völlig unbedarften Seh-Touristen streitet; Hajo Rutenberg von der Initiative „Rettet die Ems“ kam ganz kurz zu Wort. Von „Flora und Fauna“, abgesoffenen Vögeln im EU-Vogelschutzgebiet oder  Schäden im oder am  Fluss kam nichts. Der NDR-Film war der schlagende und bildhafte Beweis dafür, dass diese Werft an die Küste und nicht ins Binnenland gehört, diese schlichte Transferleistung kam den NDR-Mitarbeitern nicht in den Sinn. Die Redakteure sind wohl voll dem Faszinosum „Dickschiff“ erlegen; das war ein Lifestyle-Werbefilm für Meyer, bezahlt mit öffentlich-rechtlichen  Rundfunkgebühren. Aber mit der Verwendung von öffentlichen Geldern hat Bernard Meyer ja Erfahrung. Ems-Aktivisten und der Wattenrat zeigen wenig Neigung, dem NDR überhaupt noch als Statisten der Pseudo-„Ausgewogenheit“ zur Verfügung zu stehen. Walter Bünker aus Weener, Veteran der Ems-Initiativen, warf schon mal kurzerhand ein NDR-Fersehteam einfach raus.

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