21. Dezember 2010

Meyer Werft: Schilda liegt an der Ems!

Meyer-Dampfer: großes Schiff auf kleinem Fluss

Auf der traditionsreichen Neptun Werft in Rostock/Warnemünde werden in Sektionsfertigung Teile für die Kreuzfahrtschiffe der Meyer Werft in Papenburg gebaut, und Flusskreuzfahrtschiffe! Die Neptun Werft gehört seit 1997  zur Meyer Neptun Gruppe, ein Schwesterunternehmen der Papenburger Meyer Werft. Diese Sektionen werden von der Ostsee durch den Nord-Ostsee-Kanal über die Nordsee mit Hochseeschleppern bis in die Ems ins binnenländische Papenburg geschleppt und dort auf der Meyer Werft zu den riesigen Kreuzfahrtschiffen zusammengeschweißt, an einem Fluss! Aktuell wurde vor zwei Tagen ein Sektionsteil für die „Disney-Fantasy“ mit zwei Fairplay-Schleppern von Rostock nach Papenburg auf den Weg gebracht. Gestern wurde die Sektion über die Ems geschleppt. Nach der Fertigstellung werden die Schiffe dann zurück über die viel zu enge Ems wieder an das seeschieftiefe Wasser der Nordsee geschleppt.

Für diesen schiffbautechnischen Aufwand muss die Ems an die Schiffe angepasst und entsprechend tief ausgebaggert werden. Zusätzlich wurde ein Sperrwerk bei Gandersum gebaut, das eigentlich ein Stauwerk zum Aufstauen der Ems für die Meyer-Schiffe ist. Die fertigen riesigen Schiffe können nur dann die Ems passieren, wenn mit Hilfe des Stauwerks trotz der Baggerungen genügend Wasser unter dem Kiel der Schiffe geschaffen wird. Bei einem Stau werden auch die Deichvorländereien der Ems und Teil der Ems-Inseln überflutet, im Frühjahr und Sommer werden dadurch Vogelgelege  fortgespült oder flugunfähige Vögel ertrinken. Die Vorländereien und Ems-Sände sind Teile eines EU-Vogelschutzgebietes und überwiegend Naturschutzgebiete. Bei der Passage der Schiffsektionen und der fertigen Schiffe muss die Eisenbahnbrücke in Weener im Landkreis Leer aufwändig mit Schwimmkränen ausgehängt werden, Hochspannungsleitungen wurden extra für die Meyer Werft versetzt. Politik und Verwaltungen unterstützen diesen schiffbautechnischen Irrsinn, dessen Begleitumstände wie die ständigen tiefen Baggerungen und der Bau und die Unterhaltung des Ems-Stauwerks vom Steuerzahler bezahlt werden.

Es ist rational und wirtschaftlich nicht  nachzuvollziehen, dass die Sektionsteile für Meyer-Schiffe am seeschifftiefen Wasser in Rostock an der Ostsee gebaut, die fertigen riesigen Schiffe weit im Binnenland an einem viel zu engen Fluss zusammengeschweißt, aber die Flusskreuzfahrtschiffe am offenen Meer der Ostsee gebaut werden.  Umgekehrt wäre es sinnvoller. Schilda liegt an der Ems!

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