21. August 2012

Die „Financial Times“ und das „schmutzige Geheimnis der Energiewende“

Energiewende: Langenhorn-Nissenhörn/SH, Foto (C): Korthaus

Langsam, aber sehr langsam, spricht es sich bis in den Mainstream herum, dass die Energiewende vor allem Abzocke der Stromkunden bedeutet, an denen sich wenige Betreiber der Wind-, Solar- oder Biogasbranche üppigst mästen. Eines der seit Jahren gepflegten Lieblingsthemen des Wattenrates kommt nun endlich auch in der Financial Times Deutschland an, die bestimmt kein Verlautbarungsorgan des Naturschutzes ist! Aber auch hier wieder leider ein Rechenfehler. Zitat: “2007 zahlte jeder Haushalt im Schnitt 35 Euro für alternative Energien. Ab 2013, wenn die Umlage von 3,5 Cent auf über 5 Cent steigt, werden es 185 Euro sein.“ Der FTD-Kommentator Horst von Buttlar zitiert die „offiziellen“ heruntergerechneten Regierungszahlen, ohne Mehrwertsteuer. Inzwischen bezahlt ein Durchschnittshaushalt bei 5000 kWh/a mehr als 200 Euro EEG-Umlage im Jahr, Tendenz steigend! Ein „Geheimnis“ ist dies für den Wattenrat seit langem nicht mehr. Den Redakteuren der ostfriesischen Lokalpresse ist da „Geheimnis“ ebenfalls seit langem bekannt. Üppige Anzeigenaufträge eines regionalen Windkraftherstellers aus Aurich und eines regionalen „Naturstrom“-Anbieters aus Oldenburg verhindern aber wohl, dass dieses inzwischen offene Geheimnis in aller Deutlichkeit an die Leserschaft weitergegeben wird.

Hier einige Auszüge aus dem erhellenden Kommentar von Horst von Buttlar:

FTD, 15. August 2012: Windkraft: Das schmutzige Geheimnis der Energiewende

Langsam kommt es ans Licht: Die Energiewende stockt nicht nur, sondern offenbart gleichzeitig ein gut gehütetes Geheimnis. Sie ist eines der größten Umverteilungsprogramme von unten nach oben seit Langem. […] Langsam wird uns bewusst, dass diese Energiewende nicht nur stockt – sondern ein schmutziges Geheimnis hat. Langsam sickert es durch, so wie vor einigen Tagen, als Verbraucherschützer über die hohen Strompreise klagten: 2007 zahlte jeder Haushalt im Schnitt 35 Euro für alternative Energien. Ab 2013, wenn die Umlage von 3,5 Cent auf über 5 Cent steigt, werden es 185 Euro sein. Die vergangenen Jahre hat das kaum jemanden aufgeregt, weil viele Deutsche die Umlage als eine Art Spende für einen guten Zweck empfinden. Das kann man so sehen. Doch es ist etwas naiv. Denn das Geld wandert in die Taschen einer Branche, die wie die Auto- oder Pharmabranche in erster Linie ein Ziel hat: Sie will Geschäfte machen. Vor allem jetzt, da die Energiewende zu einem neuen Goldrausch geführt hat. […] Es geht nicht um ein höheres Ziel oder einen guten Zweck. Das ist die Story, die bei Bürgerversammlungen erzählt wird. Es geht ums Geld. Genauer gesagt: um richtig viel Geld für richtig wenige, Geld, das sich Betreiber, Investoren, Verpächter und Hersteller aufteilen. 16,4 Mrd. Euro betrug die EEG-Umlage 2011, im kommenden Jahr sollen es 20 Mrd. sein. Die Gemeinden werden mit Steuerversprechen geködert (oder gespalten), die oft nicht eingehalten werden. Bedenken oder Einwände werden auf diese Weise einfach weggekauft.[…] Was nervt, ist, dass Vertreter der Branche so tun, als seien sie im Auftrag einer höheren Mission unterwegs. […] Der Dirigent und BUND-Mitgründer Enoch zu Guttenberg ist im Mai aus Protest aus dem Naturschutzbund ausgetreten, aus ähnlichen Motiven. Sein Vorwurf: „Verdacht der Käuflichkeit“ des BUND, er wolle seine Hände nicht mehr „in die Nähe zu jenem Geldfass recken“, das nur noch korrumpiere.[…]

Detailliert berichtet die windkraftkritische Seite Windwahn.de über den FTD-Beitrag: Windwahn-Kommentar zu „Das schmutzige Geheimnis der Energiewende“ | FTD | 15.08.2012 . Wir schließen uns dem Dank an den Autoren Horst von Buttlar für die klaren Worte an!

Link: Prof. Weiger (BUND): verloren im Dickkicht der Fakten – eine misslungene Rechtfertigung zum Austritt von Enoch zu Guttenberg

#edit 25. August 2012:

Handelsblatt, online
Trotz Energiewende   Kohle- und Gaskraftwerke müssen bleiben
22. Aug. 2012, 14:39 Uhr

Berlin Deutschland muss auch bei erfolgreicher Energiewende weiter einen großen Park konventioneller Kraftwerke vorhalten. Dies ist das Ergebnis einer Studie der Deutschen Energie-Agentur (dena) zur Integration der Erneuerbaren in den Strommarkt. „2050 muss 60 Prozent der gesicherten Leistung von konventionellen Kraftwerken aufgebracht werden“, sagte dena-Geschäftsführer Stephan Kohler. Die Anlagen mit 50.000 Megawatt Gesamtleistung sollen bei Windstille einspringen oder wenn die Sonne nicht scheint. […]

Comments are closed.