2. Oktober 2014

Überführung der „Quantum of the Seas“: Dieselruß über der Ems

Die 91360 PS-Maschine stößt gewaltige Mengen an Schwerölruß aus

Sie soll das größte jemals gebaute Passagierschiff sein, zusammengeschweißt ausgerechnet im Binnenland an einem schmalen Fluss in Papenburg, der Ems. Die einzelnen großen Schiffssektionen für die „Quantum of the Seas“ wurden allerdings in Rostock auf der Neptun Werft vorgefertigt und dann über die Ostsee, den Nord-Ostsee-Kanal, die Nordsee und schließlich durch die Ems nach Papenburg geschleppt und dort zum fertigen Schiff zusammengesetzt. Sonst baut die Neptun Werft Fluss-Kreuzfahrtschiffe, an der Ostsee. Dafür baut die Meyer Werft Riesenkreuzfahrtschiffe, im Binnenland. Das maritime Schilda ist machbar!

Im Morgengrauen: Schleppverband mit Schiffsektion von der Rostsocker "Neptun Werft" auf dem Weg zur Meyer Werft im binnenländischen Papenburg, im Hintergrund Ditzum an der Ems

Zunächst saß denn auch der Meyer-Neubau „Quantum of the Seas“ bei der Überführung vom binnenländischen Papenburg an das seeschifftiefe Wasser der Nordsee auf der Ems fest, böige Winde, die das Schiff ans nahe Ufer gedrückt hätten, ließen eine weitere Überführung nicht zu. Am Montag, 22. September, wurde der riesige Musikdampfer weiter mit dem Heck voran von Schleppern durch die Ems gezerrt, das Emsstauwerk – gerne auch Emssperrwerk genannt – war zunächst geschlossen, damit das Riesenschiff durch den Wasserstau überhaupt in den Fluss passte. Dieser teure Irrsinn wird von der Politik und den Behörden schon als normal angesehen; auch die großen Umweltverbände wie BUND, NABU oder WWF akzeptieren inzwischen den völlig ungeeigneten Werftstandort in Papenburg.

Vorher hatten BUND, NABU und WWF pressewirksam gegen die Überführung des Schiffes geklagt, da hierfür Sonderregelungen entgegen des gültigen Planfestellungsbeschlusses ausgesprochen und entsprechende Umweltauflagen vorübergehend außer Kraft gesetzt werden sollten. Die Verbände begründeten die Klage mit der Änderung des Salzgehalts, der weiteren Verschlickung sowie Auswirkungen auf den  Sauerstoffgehalt des Flusses. Das Verwaltungsgericht  Oldenburg  bestätigte am 30. Juni 2014 die Rechtmäßigkeit des Außerkraftsetzens der Umweltauflagen. Die Begründung des Urteils: Der Emsstau sei nur eine zeitlich eng begrenzte Aktion, die keine gravierenden Auswirkungen auf das Ökosystem erwarten lasse. Nur: Die Verbände haben hier nur ein öffentliches Schaulaufen vor Gericht veranstaltet. Im „Generationenvertrag“ der Verbände und des Landes Niedersachsen mit der Meyer Werft soll in Zukunft der Standort der Werft in Papenburg gesichert werden. Das zunächst als Absichtserklärung und „Vereinbarung“ seit 2009 vorliegende Papier soll als Vertrag noch in diesem Jahr verbindlich unterzeichnet werden. Danach verzichten die Verbände in Zukunft u.a. auf weitere Rechtsmittel gegen den Aufstau der Ems. Der genaue Wortlaut des auf 30 Jahre angelegten „Generationenvertrages“ wird von den Umweltverbänden unter Verschluss gehalten. Das Land Niedersachsen will gar einen „Standortsicherungsvertrag“ mit Werftchef Meyer abschließen, um die Werftstandort im Binnenland auf 20 Jahre zu sichern; damit wird die Planwirtschaft wieder eingeführt.

Quantum of the Seas: Sehleute in Papenburg vor der Überführung an die Nordsee

Am Dienstagmittag, 23. September, erreichte das Schiff schließlich die Nordsee und machte am Mittwoch im niederländischen Eemshaven zur Endausrüstung fest. Begleitet wurde das Schiff von zahlreichen Schaulustigen, die auch mit Wohnmobilen von weither angereist waren. Es ist kaum anzunehmen, dass die Mehrzahl der Sehleute und auch die späteren Kreuzfahrtgäste annähernd etwas von der Zerstörung der Ems durch ständige Baggerungen für die riesigen Meyer-Schiffe, den erhöhten Schlickeintrag und die enorme Zunahme der Fließgeschwindigkeit ahnen. Unser Mitarbeiter Eilert Voß war mit dem Fahrrad an der Ems unterwegs und hat die Überführung des rußenden schwimmenden Luxus-Plattenbaus mit der Kamera begleitet und ganz andere Bilder als die der notorischen Jubel-Presse geliefert.

Der Steuerzahler darf die millionenteuren Emsvertiefungen und ständigen Baggerungen weiterhin bezahlen. Auch das Emsstauwerk, das angeblich ein Küstenschutzbauwerk sein soll, dient im Wesentlichen nur der Meyer Werft zur Überführung ihrer Riesenschiffe und wurde ebenfalls vom Steuerzahler finanziert.

Hauptdaten der „Quantum of the Seas“, es fehlt der Tiefgang!:

Vermessung 167.800 BRZ
Länge über alles 348 m
Breite auf Spanten 41,4 m
Decks 18
Maschinenleistung 67.200 kW
max. Geschwindigkeit 22 kn
Anzahl der Passagierkabinen 2.094
Passagiere 4.188

Quelle: Meyer Werft, Papenburg

 

American Dream in Papenburg

Ems: Durch ständige Tiefenbaggerungen und die erhöhte Fließgeschwindigkeit brechen die Uferkanten weg

Ausgehängte Friesenbrücke bei Weener: Auch während der Quantum-Überführung muss wegen des großen Tiefgangs vor dem Schiff mit Baggerschiffen auf Tiefe gebaggert werden

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