Entstellte Landschaften: Windwahn in Ostfriesland

Kartenlegende: dunkelblau: WEA in Betrieb, hellblau: beantragt und genehmigt, gelb: beantragt, grau: außer Betrieb – Quelle: Energieatlas Niedersachsen, September 2017

Weder „das Klima“ noch „der steigende Meeresspiegel“ (nein, er steigt nicht „beschleunigt“, die Pegelmessungen geben das nicht her; der Meeresspiegel steigt seit dem Ende der Weichsel-Kaltzeit vor 12.000 Jahren beständig weiter an!) waren die Triebfeder für die enorme Massierung der Windparks auf der ostfriesischen Halbinsel. Die myzelähnlichen Verfilzungen zwischen Hersteller, Investoren, Kreisverwaltungen und Kommunalpolitikern und die zu erwartende Gewerbesteuer oder die Rendite aus dem Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) ließen Windkraftanlagen wie Pilze aus dem Boden schießen. Der Hersteller produziert in Aurich.

Die Kommunalpolitik stellte die passenden Flächennutzungspläne zur Verfügung, nicht wenige Kommunalpolitiker haben Beteiligungen an Windkraftgesellschaften. Die mit Windkraftanlagen überbauten und landwirtschaftlich intensiv genutzten küstennahen Flächen sollen sogar als Biosphärenreservat ausgewiesen werden, dafür gibt es Fördermittel. Zahlreiche Anlagen stehen sehr dicht, entgegen fachlichen Empfehlungen des „Helgoländer Papiers“ der Staatlichen Vogelschutzwarten und der „Arbeitshilfe Naturschutz und Windenergie“ des Niedersächsischen Landkreistages, am küstennahen EU-Vogelschutzgebiet V63 „Ostfriesische Seemarschen von Norden bis Esens“.
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Nach Starkregen: Sturzflut in Bensersiel – Stege und Boote beschädigt

Bensersiel, Hafen: beschädigte Steganlage und Sportboote, Foto: privat

In der Nacht vom 22. auf den 23. Juli 2017 kam es auch in Ostfriesland zu Starkregenfällen. Dabei liefen viele Keller voll und in tiefer liegende Häuser lief das Regenwasser durch die Türen. Eigentlich ist man in Ostfriesland auf Wasser „von oben“ durch das Netz der Entwässerungsgräben gut vorbereitet, wenn sie denn geräumt, nicht zugewachsen sind und rechtzeitig gesielt wird.

Das in Vorflutern, den „Tiefs“, und in kleineren Gräben gesammelte Oberflächenwasser wird über die Siele in die Nordsee geleitet. In dieser Nacht waren mannstiefe Entwässerungsgräben bereits bis an die Oberkante gefüllt, kleinere Gräben liefen hier und da über. Die Sieltore müssen zum richtigen Zeitpunkt geöffnet werden, damit es nicht zu Überschwemmungen kommt. Die Steuerung erfolgt in der Regel automatisch. Die zuständige Deich- und Sielacht Harlingerland in Esens hatte sich aber ausschließlich auf die automatische Steuerung der Hubtore verlassen. So öffneten diese bei ablaufenden Wasser mit dem Ebbstrom. Im Benser Tief, das das Wasser weiträumig aus den umliegenden Gräben aufnimmt, war der Pegelstand aber noch sehr hoch, wesentlich höher als auf der seeseitigen Seite der Hubtore. Beim Öffnen der Tore ergoss sich aus dem Benser Tief eine Sturzflut in den Hafen, die eine Steganlage und drei Sportboote beschädigte. Verletzt wurde dabei niemand.

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Krabbenfischer: WWF gegen MSC-Zertifizierung, FDP Sprachrohr der Krabbenfischer

Greetsieler Krabbenkutter, die Möwen warten auf den Beifang, Foto (C): Eilert Voß

Die Pressemitteilung des WWF im „europaticker“ ganz unten


Das Marine Stewardship Council ist ein vorgebliches „Gütesiegel“ einer privaten Organisation, die ein Umweltsiegel für Fisch aus „nachhaltiger“ Fischerei entwickelt hat. Gegründet wurde der MSC 1997 vom Unilever-Konzern, zu dem bis 2006 unter anderem die Marke „Iglo“ gehörte, zusammen mit der Umwelt- und Naturschutzorganisation World Wide Fund For Nature (WWF). Der MSC wurde bereits zwei Jahre später, 1999, von Unilever und dem WWF unabhängig.

Die Krabbenfischerei greift durch den enormen Beifang, der tot oder verletzt wieder über Bord geht (für ca. 1kg gefischte Krabben bis zu 9kg Beifang: Jungfische, Krebse, Seesterne), erheblich in das Artenspektrum im Watt („Weltnaturerbe) ein, der Wattboden wird mit dem Fanggeschirr der Kutter, den Baumkurren, planiert. Die angelandeten Krabben sind oft sehr klein. Krabben werden zum Pulen mit LKW nach Nordafrika transportiert und mit der nicht unbedenklichen Benzoesäure konserviert. Mehr dazu im Fernsehfilm Vorsicht Krabben!

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Neubau der Friesenbrücke in Weener: mehr Platz für die Meyer-Schiffe

Zerstörte Friesenbrücke über die Ems bei Weener, Dez. 2015, Foto (C): Eilert Voß

Die im Dezember 2015 bei einem merkwürdigen und ungewöhnlichen Schiffsunfall zerstörte Friesenbrücke über die Ems bei Weener/LK Leer wird wieder aufgebaut, und nun sogar passend für die riesigen Musikdampfer der Papenburger Meyer Werft auf dem zu kleinen Fluss gemacht. Aber erst im Herbst 2024 soll die neue Brücke fertig sein! Die Verfahren gegen den Lotsen und den Kapitän des ebenfalls in Papenburg bereederten Havaristen „Emsmoon“, der die Brücke zerstörte, wurden eingestellt. Das Schiff wurde nur leicht beschädigt.

Für die riesigen Kreuzfahrtschiffsneubauten der Meyer Werft stellte diese Brücke bisher das letzte Nadelöhr auf dem schmalen Fluss dar. Bei jeder Überführung musste das Mittelteil aufwändig mit einem Schwimmkran herausgehoben werden. Die Havarie hat sich also für die Meyer Werft durchaus als nützlich erwiesen…

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Langeoog: Der Geist der Mirabelle…

Mirabellen, Foto: Wikipedia

…oder einfach nur Zeitgeist-Gesülze?

Die Urlaubsinsel Langeoog goes „Slow-Food“. Der erste – durchaus löbliche – „Slow-Food-Tag“ am 20. August 2017, bei dem in einigen Gaststätten auf der Insel „natürliche Produkte von regionalen Erzeugern“ angeboten wurden, bewarb die Lokalpresse nach der 1:1- Übernahme von der Langeooger WebSeite „Langeoog News“ mit unnachahmlicher Insellyrik, u.a. so: „Für viele Insulaner, die schließlich mitten im Weltnaturerbe wohnen, ist ein Leben im Einklang mit der Natur und nachhaltiges Wirtschaften auch ohne jede Marketing-Komponente unabdingbar.“

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Zugvogelspektakel

Erst Zugvogeltage, dann Zugvogeljagd: Kollateralsschäden der Zugvogeljagd? Flugunfähige Blässganskrüppel, Foto (C): Eilert Voß

Die jährlichen „Zugvogeltage“ im Wattenmeer werfen mal wieder Ihre Schatten voraus. Das bietet Gelegenheit für die sonst im tatsächlichen Naturschutz eher träge Nationalparkverwaltung mit ihrem Chef Peter Südbeck, erneut zur Medien-Hochform aufzulaufen. Nun soll für die Zugvögel im nationalparkfernen Oldenburg Musik gemacht werden, mit Unterstützung einer Bank und einem Scheck über 10.000 Euro.

Es möge nützen, den Zugvögeln, wenn sie es denn bemerken. Die Zugvögel hätten jedoch mehr von ungestörten Nahrungs- und Rückzugsräumen in intakten Salzwiesen, ungestört von Höhenfeuerwerken zur Touristenbespaßung und ungestört von der Jagd auf arktische und heimische Gänse, die, weniger medienwirksam, gleich nach den Zugvogeltagen ab dem 01. November im Nationalpark beginnt.

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Wie kommt die künstliche Fahrrinne in das Juister Watt? „Bürger fragen, Behörden antworten nicht“

Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer, Zwischenzone im „Weltnaturerbe“, EU-Vogelschutz- und FFH-Gebiet: Zwischen den beiden gelben Markierungen verläuft eine schnurgerade Linie, aus 18km Höhe gut zu erkennen. Das sagt etwas über die Dimension dieses Eingriffs aus: Es  ist eine künstliche Fahrrinne, die wie ein Kanal zwei natürliche Fahrwasser im Watt verbindet und die Fahrtzeiten verkürzt. Wie kommt diese Fahrrinne ins Watt? Foto (C): Google Earth, Markierung durch den Wattenrat Ostfriesland

Bei Google Earth ist sie deutlich zu sehen: Wie mit dem Lineal gezogen zieht sich eine gerade Linie durch das Wattenmeer und „Weltnaturerbe“ hinter der Nordseeinsel Juist, aus 18 Kilometer Höhe gut zu erkennen, ca. 3 Kilometer lang, Aufnahmedatum 25. September 2016.

Das sagt etwas über die tatsächlichen Ausmaße aus. Der Wattenrat erhielt Hinweise von der Insel, dass diese Linie eine künstlich geschaffene Fahrrinne in der Zwischenzone des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer sei (nicht wie ursprünglich angenommen in der Ruhezone!). Das Wattenmeer ist zudem FFH-Gebiet und EU-Vogelschutzgebiet und unterliegt daher dem europäischen Schutzregime „Natura-2000“. Hier gilt ein Verschlechterungsgebot.

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Kitesurfer gehen vor Gericht baden

Illegales Kitesurfen vor Spiekeroog, 30. Juli 2011

Am 07. August 2017 fand vor dem Verwaltungsgericht in Oldenburg die Verhandlung über die Klage von Kitesurfern gegen Beschränkungen des Kitesurfens im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer statt. Kitesurfer von der Wurster Küste (LK Cuxhaven) beklagten die zeitlichen Einschränkungen für die dortigen Kiterflächen und stellten die Zuständigkeit der Nationalparkverwaltung in Frage, da es sich um eine Bundeswasserstraße handele. Anwalt der Kitesurfer war Prof. Dr. Schwemer aus Hamburg.

Auszug aus der Pressemitteilung des Gerichts vom 08. August 2017, die komplette Pressemitteilung finden Sie hier: Presse VG Oldenburg

[…] Diese Klage wies das Verwaltungsgericht Oldenburg ab. Zur Begründung wurde darauf verwiesen, dass es sich bei dem Verbot durch § 6 Abs. 2 Nr. 5 NwattNPG nicht um eine „Befahrensregelung“, sondern um eine Vorschrift handele, die dem Naturschutz und der Ordnung im Nationalpark diene und für die daher die Gesetzgebungskompetenz beim Land Niedersachsen liege. Auch konnte das Gericht eine unverhältnismäßige Einschränkung der Grundrechte der Kläger nicht erkennen. Beim Kitesurfen handele es sich um eine Freizeitbeschäftigung, der im Nationalpark „Niedersächsisches Wattenmeer“ die Belange des Naturschutzes (insbesondere des Vogelschutzes) entgegenstünden, denen dort grundsätzlich der Vorrang einzuräumen sei. Daher dürfe der Gesetzgeber ein grundsätzliches Drachensportverbot regeln, von dem die Nationalparkverwaltung in besonderen Fällen Befreiungen erteilen könne. […]

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Geisternetze im Meer: gemeinsames Projekt vom WWF und der Firma Tönsmeier

Nicht selten werden auch Meeressäuger Opfer der Fischerei: Kegelrobbe mit Netzresten und erheblichen Halsverletzungen

Über die Plastikvermüllung im Meer durch Netzreste aus der Fischerei und die Folgen für Vögel und Meeressäuger wurde hier beim Wattenrat schon öfter berichtet. Wir übernehmen daher eine Meldung des europtatickers zu diesem Thema.

Übernahme vom europaticker, 06. August 2017:

Tönsmeier und der WWF Deutschland ziehen nach den ersten Tests eine positive Bilanz
Geisternetz-Recycling: Forschung für die Umwelt

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Und wieder sommerlicher Bespaßungs-Krawall am „Weltnaturerbe“ Wattenmeer: Feuerwerke und Musik-Events

Feuerwerk am Hauptstrand von Langeoog, 23. Juli 2017. Das Feuerwerk im Rahmen des „Dörpfestes“ wurde auf der WebSeite „Langeoog News“ so angekündigt: „ca. 22.30 h wenn es dunkel ist, High-Light des Jahres“, das Wort „Feuerwerk“ wurde (verschämt?) vemieden. Foto:(C): privat/Wattenrat Ostfriesland

Wir haben es versucht. Die nachfolgende Pressemitteilung aus aktuellem Anlass ging an einige Zeitungen im Küstenbereich, gedruckt wurde sie aber nicht. Gerne dagegen werden in den Lokalmedien, mit Verlaub, gedruckte Blähungen zu allem und jedem aus dem touristischen, politischen oder behördlichen Bereich 1:1 übernommen. Während man sich an der Küste mit zahlreichen Veranstaltungen den jährlichen Sommerwolf feierte und immer noch feiert, war der Wattenrat mal wieder als Spaßbremse der Tourismusindustrie tätig. Seitdem es das Internet gibt, fällt aber nichts mehr so leicht unter den Tisch. Das Online- Magazin „europaticker“ hat unsere Pressemitteilung am 01. August 2017 veröffentlicht (s.u.), danke.

Nachtrag 09. August 2017: Am 09. August 2017 berichtet der „Ostfriesische Kurier“ aus Norden, dass in diesem Jahr „Kein Feuerwerk auf Juist“ stattfinden wird. Hintergrund ist laut Zeitungsbericht die Forderung der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Aurich nach einer „rechtlichen Prüfung“. Gemeint ist die eigentlich vorgeschriebene Verträglichkeitsprüfung nach dem Bundesnaturschutzgesetz für Natura-2000-Gebiete der Europäischen Union vor solchen Eingriffen. Der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer ist Teil des Netzwerkes Natura-2000. Bisher hat auf keiner Insel und in keinem Küstenbadeort diese Verträglichkeitsprüfung vor Feuerwerken mit seinen bekannten Auswirkungen auf die Brut- oder Rastvögel stattgefunden. Diese rechtlichen Vorgaben werden einfach ignoriert und ausgesessen. Die Bespaßungsindustrie und gewählte „Volksvertreter“ nehmen bisher naturschutzrechtliche Vorgaben kaum zur Kenntnis, vermarkten dafür aber intensiv das Etikett „Weltnaturerbe“ Wattenmeer. Auf Juist, wie auch auf anderen Inseln, gibt es keine Einigkeit über Feuerwerke: Die Partei der Grünen spricht sich gegen Feuerwerke auf der Insel aus, die Ratsgruppe „Pro Juist“ ist dafür, mit der Begründung „Rund um uns zu ballern alle Feuerwerke in die Luft, Norderney sogar viermal“. Eine CDU-Politikerin wird so zitiert: Auf Nachfrage bei einer anderen Insel sei festgestellt worden, dass man dort nach dem Motto „Wer viel fragt, bekommt auch viel verboten“. Für 2018 will man nun auf Juist ein Genehmigungsverfahren auf den Weg bringen. Juist wirbt sonst mit viel leerem Pathos für eine „klimaneutrale“ Insel, was immer das auch sein mag.

europaticker: Wattenrat kritisiert Fremdenverkehrsindustrie: Feuerwerke und lautstarke „Events“ am Wattenmeer-„Weltnaturerbe“

Vögel fliehen in Massen vor Feuerwerken

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