14. November 2019

Neuer Bundesvorstand des BUND: Energiewender und Klimamodellierer

Netzwerk – Foto: pixabay

Der Bund Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND, gegründet 1975) wählte auf seiner Bundesdelegiertenversammlung 2019 in Berlin einen neuen Vorstand. Der neue Vorsitzende ist der Umweltingenieur Olaf Brandt, bisher BUND-Bundesgeschäftsführer für Politik und Kommunikation (Werdegang: Bereichsleiter Politik beim BUND, Kampagnenkoordinator im BUND, Campaigner Abfallvermeidung BUND). Die erste stellvertretende Vorsitzende ist die Diplom-Verwaltungswissenschaftlerin Verena Graichen, tätig für das Öko-Institut in Freiburg.

Ein Projekt des Instituts, für das Verena Graichen arbeitet, nennt sich: „Modellgestützte Analyse der Auswirkung verschiedener Allokationsregeln auf Investitionen im Strommarkt für den WWF Deutschland“. Der WWF ist eigentlich eine Naturschutzstiftung und kein Energieverband. Seit 2018 ist sie die Landesvorsitzende des BUND Berlin. Ob eine verwandtschaftliche Beziehung zu Dr. Patrick Graichen (Berlin) von der AGORA-Energiewende, den Einflüsterern der Bundesregierung, besteht, ist hier nicht bekannt. Die zweite stellvertretende Vorsitzende ist Prof. Dr. Johanna Baehr, Professorin für Klimamodellierung an der Universität Hamburg.

Der scheidende BUND-Vorsitzende Prof. Hubert Weiger ist bereits ausgewiesener Windkraft Lobbyist. Der BUND erbt im Falle der Auflösung des Bundesverbandes Windenergie (BWE) das Vereinsvermögen des BWE – laut §12 der Satzung, Stand 04.April 2019.

Neue Landschaften in Deutschland: Windpark Arle und Umgebung, Ostfriesland – Foto (C): Peter Gauditz

Interne Kritik und Austritte

BUND-Mitbegründer Hubert Weinzierl trägt den Kurs der BUND schon seit Jahren nicht mehr mit, sein Verhältnis zu Prof. Hubert Weiger gilt als zerrüttet. Naturschutz-Pionier Weinzierl wurde 2015 Ehrenpräsident des neu gegründeten Vereins für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern (VLAB). Das BUND-Gründungsmitglied Enoch Freiherr zu Guttenberg (+2018) trat 2012 unter Protest aus dem BUND aus. Er warf Prof. Weiger und dem BUND eine große Nähe zur Windenergiewirtschaft und „Käuflichkeit“ vor. Zu Guttenberg berief sich bei seinem Austritt auch auf den vom Wattenrat aufgedeckten Skandal um den Klageverzicht des BUND-Niedersachsen beim Nearshore-Windpark „Nordergründe“ in der Außenweser, direkt am Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer („Weltnaturerbe“). Der BUND erhielt für den Klageverzicht vom Land Niedersachsen aus Kompensationsmitteln eine Summe von ca. 830.000 Euro, die in die „Stiftung Naturlandschaft“ des BUND flossen. Der ehemalige BUND-Vorsitzende Weiger legte daraufhin gegen zu Guttenbergs Äußerungen Rechtsmittel ein, zog aber 2016, einen Tag vor dem Gerichtstermin in Hamburg, die Klage zurück.

„Inhaltlich und moralisch entkernt“

In einem „Offene Brief“ vom April 2018, unterzeichnet von Dr. Nikolai Ziegler, 1 . Vorsitzender der Bundesinitiative Vernunftkraft e.V., Enoch Freiherr zu Guttenberg, Dirigent und Umweltschützer, Johannes Bradtka, 1 . Vorsitzender Verein für Landschaftspflege & Artenschutz in Bayern e.V. an Prof. Dr. Hubert Weiger, Bundesvorsitzender des BUND, wurde Klartext geschrieben: die großen deutschen Umweltverbände, inhaltlich und moralisch entkernt“. (Link hier)

Nearshore Windpark „Nordergründe“ in der Außenweser (Ausschnitt, 5 von 18 Anlagen) , direkt am Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer und „Weltnaturerbe“, Foto (C): Ingrid Marquardt/Wattenrat Ostfriesland

Im Dezember 2014 trat Harry Neumann als Landesvorsitzender des BUND Rheinland-Pfalz zurück. 2016 trat er aus dem BUND aus. Auch Neumann warf dem BUND vor, in der Öffentlichkeit „die sogenannte Energiewende und den Klimaschutz zum Maß aller Dinge“ zu erklären „und so die Umwandlung von Landschaften und Wäldern in Energieindustriegebiete“ zu rechtfertigen (Link hier). Neumann gründete die „Naturschutz Initiative“.

Vorfahrt für die Windenergie? Blick vom Küstenbadeort Bensersiel/LK Wittmund/NDS auf den Windpark Utgast und weitere Windparks im Hintergrund, viel zu dicht am EU-Vogelschutzgebiet „Ostfriesische Seemarschen von Norden bis Esens“. Der BUND schwieg, ebenso der NABU. – Foto (C): Manfred Knake

Neuer Vereinsnamen notwendig

Mit der 2019 neu gewählten Verbandsspitze wird deutlich, dass beim BUND der ursprüngliche Natur- und Artenschutz als satzungsgemäße Aufgabe nun hinter „Klima“ und der „Transformation“ der Gesellschaft rangieren wird. Ein Netzwerk aus „Klimaschützern“ und „Energiewendern“ steuert jetzt den Verband. Das entspricht zwar dem Zeitgeist, wird aber dem mehr denn je gebotenen Natur-, Arten und Landschaftsschutz nur eine Nebenrolle zuweisen, als Feigenblatt. Es fehlt nur noch eins: Der BUND sollte als politische Pressure-NGO der „Energiewende“ und des „Klimaschutzes“ und Befürworter des weiteren Ausbaus der Windenergie (auch im Wald und auf dem Meer) seinen Verbandsnamen ändern. Seine heutige Tätigkeit entspricht nicht mehr den Ideen und den Absichten der einstigen Gründer, nur das Etikett ist geblieben.

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